31. Okt. 2022ECTRIMS 2022

Frühe Schübe erhöhen das Risiko von Behinderungsprogression

Eine aktuelle Auswertung von Daten aus MSBase zeigt, dass auch milde Schübe in den ersten beiden Krankheitsjahren das Risiko dauerhafter Behinderung im weiteren Verlauf einer MS erhöhen. Diese Assoziation verschwindet allerdings, wenn PatientInnen betrachtet werden, die hochwirksame DMTs erhalten haben.

Ein jugendliches Mädchen mit einer Behinderung sitzt im Rollstuhl und wird von einem einfühlsam auf sie zugehenden Arzt unterstützt.
FatCamera/GettyImages

Die European Medicines Agency (EMA) beschränkt den Einsatz bestimmter krankheitsmodifizierender Therapien wie Natalizumab oder Fingolimod auf PatientInnen, die Schübe durchmachen, die zu Behinderung (disabling relapses) führen. Allerdings sei die prognostische Bedeutung von Schüben ohne Behinderung (non disabling relapses – NDR) unzureichend geklärt, so Dr. Cyrus Daruwalla von der Universität Cambridge. Daruwalla: „Wenn wir im klinischen Alltag Patienten mit Schüben sehen, die nicht zu Einschränkungen führen, dann wissen wir nicht, welche prognostische Signifikanz diese haben und wie sie unsere Therapieentscheidungen beeinflussen sollen.“

Diese Evidenzlücke sollte mit einer prospektiven Datensammlung aus dem internationalen MSBase Register geschlossen werden. Studienziel war es, den Einfluss von NDRs im frühen Verlauf einer schubförmigen MS auf die Behinderungsprogression im späteren Krankheitsverlauf zu ermitteln. Dabei wurden PatientInnen unter unterschiedlichen DMT-Therapien ausgewertet. Es wurde untersucht, ob frühe NDRs mit mehr Behinderungsprogression assoziiert sind als keine NDRs, bzw. ob NDRs mit weniger Behinderungsprogression assoziiert sind als Schübe, die Behinderungen zurücklassen.

In MSBase werden Schübe als mild, moderat oder schwer klassifiziert, wobei ein milder Schub Aktivitäten des täglichen Lebens nicht einschränkt, ein moderater Schub diese Aktivitäten sehr wohl einschränkt und ein schwerer Schub eine Hospitalisierung erforderlich macht. Für die aktuelle Studie wurden leichte Schübe als „non disabling“ eingestuft, moderate und schwere Schübe hingegen als „disabling“. Als frühe Schübe wurden Schübe innerhalb der ersten beiden Jahre nach der definitiven, klinischen MS-Diagnose eingestuft. Die PatientInnen wurden in drei Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 hatte in den ersten beiden Jahren nach Diagnosestellung keinerlei Schübe, Gruppe zwei hatte ausschließlich nicht-behindernde Schübe und Gruppe drei hatte in den ersten beiden Jahren nach Diagnose mindestens einen behindernden Schub. In der ersten Analyse wurden Gruppen 1 und 2 verglichen, in einer zweiten Analyse Gruppen 2 und 3.

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