13. Apr. 2026Evidenz für die Allgemeinmedizin

Intervallfasten erscheint nicht wirksamer als Ernährungsempfehlung

Bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas zeigt eine systematische Übersichtsarbeit: Es gibt eher keinen zusätzlichen Nutzen von Intervallfasten gegenüber einer konventionellen Ernährungsempfehlung.

Female doctor consulting overweight woman in clinic
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Intervallfasten („intermittierendes Fasten“), bei dem sich Phasen der Nahrungsaufnahme und des Fastens in einem zeitlichen Rhythmus abwechseln, gilt als populäre Strategie zur Gewichtsreduktion. Gleichzeitig ist die Evidenzlage dazu widersprüchlich geblieben.

Evidenz aus 22 randomisiert-kontrollierten Studien

Nun liegt eine aktuelle systematische Einschätzung vor. Der argentinische Forscher Luis Garegnani (Hospital Italiano de Buenos Aires) hat gemeinsam mit neun Kolleginnen und Kollegen die Evidenz dazu systematisch recherchiert, zusammengefasst und bewertet. Die Ergebnisse sind im Cochrane-Review „Intermittent fasting for adults with overweight or obesity", der im Februar 2026 erschienen ist, nachzulesen.

Der Review umfasst 22 randomisiert-kontrollierte Studien aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Brasilien. Die eingeschlossenen Studien wurden im Zeitraum von 2016 bis 2024 publiziert.

Studienaufbau und untersuchte Endpunkte

Teilgenommen haben insgesamt 1995 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas. Alle Studien wurden ambulant durchgeführt. Der Beobachtungszeitraum lag bei sechs bis zwölf Monaten.

Untersucht wurden diverse Formen des Intervallfastens: Dazu zählte etwa  das Alternate-Day Fasting, bei dem sich Fastentage und Tage mit Nahrungsaufnahme abwechseln. In den Kontrollgruppen erhielten die Teilnehmenden eine herkömmliche Ernährungsempfehlung (z.B. Ernährungsplan) oder keine spezifische Intervention, was in einigen Studien einer Wartelistenkontrolle entsprach.

Als primärer Endpunkt galt der Gewichtsverlust. Für die sekundären Endpunkte Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse lagen nur begrenzte Daten vor. Daten zu Patientenzufriedenheit und Diabetesstatus wurden in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet.

Cochrane-Review relativiert Erwartungen

Die systematische Übersichtsarbeit samt Metaanalysen zeigt:

  • Intervallfasten dürfte in punkto Gewichtsverlust gegenüber konventionellen Empfehlungen für eine Diät nicht besser abschneiden; es bewirkt für die Gewichtsreduktion wohl weder einen statistisch relevanten oder klinisch bedeutsamen Zusatznutzen.
  • Im Vergleich zu Patientinnen und Patienten ohne Intervention (bzw. auf einer Warteliste) dürfte die Intervallfasten-Gruppe zwar rein rechnerisch ein wenig mehr abnehmen. Allerdings bleibt der Effekt wahrscheinlich unterhalb jener Schwelle, ab der sich erkennbare gesundheitliche Vorteile zeigen.
  • Zur Lebensqualität liegen kaum belastbare Daten vor. Die wenigen eingeschlossenen Studien lassen keine verlässliche Einschätzung von Vor- oder Nachteilen des Intervallfastens zu.

Intervallfasten ist damit gegenüber einer konventionellen Ernährungsempfehlung in punkto Gewichtsreduktion wahrscheinlich weder überlegen noch unterlegen – laut aktueller Studienlage wirkt es bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas im Allgemeinen vermutlich ähnlich.

Nebenwirkungen kaum bewertbar

Berichtet wurden Beschwerden wie etwa Übelkeit, Kopfschmerz und Schlafstörungen. Die Erfassung in den Einzelstudien war jedoch inkonsistent und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist hier sehr niedrig. Ein erhöhtes Risiko des Intervallfastens gegenüber einer anderen Diät oder keiner Intervention lässt sich daher weder belegen noch ausschließen.

Offene Fragen

Unklar bleibt, ob bestimmte Subgruppen – etwa Frauen, Männer oder Personen mit einem bestimmten BMI – stärker profitieren könnten. Entsprechende Analysen fehlen.

Ebenso gibt es noch viele Fragen zur Langzeitwirkung: Alle eingeschlossenen Studien endeten nach maximal zwölf Monaten. Bei einer chronischen Erkrankung wie Adipositas stellt dies ein Erkenntnisdefizit dar.

Individuelle Entscheidung im Vordergrund

Eine generelle Empfehlung lässt die aktuelle Evidenz nicht ableiten. Die Entscheidung sollte individuell getroffen werden – unter Berücksichtigung von Motivation, Lebenssituation und etwaigen Kontraindikationen. Für Patientinnen und Patienten, die eine dauerhafte Kalorienrestriktion als schwer umsetzbar empfinden und Intervallfasten als alltagstauglicher erleben, kann es eine vertretbare Option sein.

Ergebnisse auf einen Blick

Intervallfasten versus Ernährungsberatung:

  • Gewichtsverlust: Mittlere Differenz (MD) −0,33% (95%-Konfidenzintervall: −0,92 bis +0,26); basierend auf 21 RCTs mit 1430 Teilnehmenden; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
  • ≥ 5 % Gewichtsreduktion: Relatives Risiko (RR) 0,98 (95%-KI 0,82 bis 1,18); basierend auf 4 RCTs mit 472 Teilnehmenden; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
  • Lebensqualität: Standardisierte Mittlere Differenz (SMD) +0,11 (95%-KI −0,27 bis +0,49); basierend auf 3 RCTs mit 106 Teilnehmenden; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
  • unerwünschte Ereignisse: RR 1,45 (95%-KI 0,64 bis 3,28); basierend auf 7 RCTs mit 619 Teilnehmenden; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz

Intervallfasten versus keine Intervention oder Warteliste:

  • Gewichtsverlust: MD −3,42% (95%-KI −4,95 bis −1,90); 6 RCTs mit 427 Teilnehmenden; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
  • Lebensqualität: MD +3,49 (95%-KI −49,35 bis 56,33); 1 RCT mit 60 Teilnehmenden; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
  • unerwünschte Ereignisse: RR 1,84 (95%-KI 0,88 bis 3,85); 2 RCTs mit 189 Teilnehmenden; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
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