20. Apr. 2023Elektromagnetische Strahlung

Begünstigt WLAN die Krebsentstehung?

Gleich zwei neue Studien erforschten den Effekt von WLAN-Strahlung auf die Entwicklung von Tumoren und kommen zu dem unbequemen Schluss, dass WLAN-Strahlung tatsächlich eine krebsfördernde Wirkung zeigt, zumindest im Zell- und Tiermodell.

WLAN offline, Leuchtreklame mit schlechtem Signal. Hell leuchtendes Symbol auf schwarzem Hintergrund. Ikone im Neon-Stil.
sibgat/GettyImages

Die Exposition gegenüber künstlichen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern hat in den letzten Jahren durch voranschreitende technologische Entwicklungen stark zugenommen. Es gibt erhebliches Interesse und kontroverse Debatten über die biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Verwendung moderner drahtloser Geräte, die hochfrequente elektromagnetische Wellen aussenden. Die aktuellen Expositionsgrenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Felder wurden festgelegt, um biologisches Gewebe vor „thermischen Effekten“ zu schützen, die mit der Exposition gegenüber Hochfrequenzstrahlung verbunden sind. „Nicht-thermische Effekte“ werden dabei jedoch nicht beachtet. Zahlreiche Studien belegen allerdings einen Zusammenhang zwischen einer Langzeit-Exposition gegenüber Frequenzen von WLAN-Netzwerken und oxidativem Stress, männlicher Infertilität, neuropsychiatrischen Erkrankungen sowie auch Schäden an der DNA.1

WLAN-Strahlung erhöht genomische Instabilität

Forscher:innen haben nun den „nicht-thermischen Effekt“ einer schwachen Innenraum-Exposition gegenüber WLAN-Strahlung auf Drosophila-Fliegen getestet.1 Die Fliegen wurden einer konstanten 2,4-GHz-Frequenz ausgesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Strahlung zu einer umfangreichen Dekondensation des Heterochromatins führte und somit zum Verlust epigenetischer Strukturen. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass WLAN-Strahlung zu einer Akkumulation reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) führen und sowohl genomische Instabilität als auch Verhaltensanomalien hervorrufen kann. Weiters konnte gezeigt werden, dass WLAN-Strahlung synergetisch mit dem Onkogen RasV12 wirken kann, um die Tumorprogression und -invasion voranzutreiben. Die Autor:innen fassen zusammen, dass die von WLAN-Geräten emittierte Hochfrequenzstrahlung genotoxische Wirkungen auf Drosophila ausüben könnte. Diese Ergebnisse bereiten die Voraussetzungen für die weitere Erforschung von WLAN-Strahlung auf lebende Organismen.

Zirkadianer Rhythmus durch WLAN-Strahlung verändert

In einer zweiten Studie wurde der Effekt von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf Gene des zirkadianen Rhythmus in einer Darmkrebszelllinie erforscht.2 Das zirkadiane System ist für den Tag-Nacht-Zyklus essenziell; die darin involvierten Gene können den Zellzyklus beeinflussen. Veränderungen in den regulierenden Genen des zirkadianen Rhythmus wurden bereits mit der Entwicklung von Krebs in Verbindung gebracht. Ein wichtiger Player in diesem System ist miRNA-34a. Diese mikro-RNA reguliert multiple Gene des zirkadianen Systems und wird als Tumorsuppressor eingestuft. In der Studie von Olejárová et al. konnte gezeigt werden, dass Darmkrebszellen, die 24 Stunden einer 2,4-GHz-Frequenz ausgesetzt waren, eine veränderte miRNA-34a-induzierte Genexpression aufwiesen. Fünf von sieben untersuchten miRNA-34a-regulierten Genen waren durch die WLAN-Strahlung signifikant verändert. Zudem war durch die WLAN-Strahlung die Migration und Proliferation der Zellen beeinflusst. Die Autor:innen schließen daraus, dass in Zellen, die länger einer Hochfrequenzstrahlung ausgesetzt sind, der sonst typische Tumorsuppressor miRNA-34a eine neutrale bzw. leicht krebsfördernde Rolle einnimmt.

Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum onko