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Krebs in der Schwangerschaft

Chemotherapie und Radiotherapie schaden Ungeborenen weniger als bislang angenommen.

Foto: BilderBox.com
In vier beim ESMO 2014 präsentierten Arbeiten haben sich die Forscher mit den intra-uterinen Auswirkungen von Chemotherapien und Radiotherapien sowie der Sicherheit von Lymphknoten-Biopsien in der Schwangerschaft und den Resulataten ungeplanter Schwangerschaften während einer Krebsbehandlung auseinandergesetzt.

Aufgrund von Bedenken über die möglichen Auswirkungen von Krebsbehandlungen auf ungeborene Kinder zögern Onkologen häufig, schwangeren Krebs-Patientinnen Therapien zu verabreichen. Um diese Bedenken auszuräumen, hat die Gruppe um Dr. Frederic Amant vom KU Leuven und den Universitätskliniken Leuven in Belgien beim Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO 2014), der von 26. bis 30. September in Madrid stattfindet, drei neue Studien zum Thema präsentiert.

Intrauterine Auswirkungen von Chemotherapie

In der ersten Studie wurden bei 38 Kindern, die pränatal einer Chemotherapie ausgesetzt waren, die geistige Entwicklung und die kardiale Gesundheit beurteilt. Die Ergebnisse wurden mit denen von 38 Kindern einer Kontrollgruppe verglichen.

ABCSG-34-Design
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Mit einem Durchschnittsalter von fast zwei Jahren wurde mit dem Mental Development Index die geistige Entwicklung gemessen. Dieser lag bei beiden Gruppen von Kindern im normalen Bereich und war nicht signifikant unterschiedlich. Die kardialen Dimensionen und Funktionen lagen bei beiden Gruppen im Normbereich. Die Studie hat somit ergeben, dass bei Kindern, die Chemotherapie und Radiotherapie intra-uterin ausgesetzt waren, keine negativen Auswirkungen auf die psychische oder Herzentwicklung festgestellt werden konnten.

„Wenn die Chemotherapie nach dem ersten Trimneon verabreicht wurde, können wir bei den Kindern keinerlei Probleme erkennen“, sagte Hauptautor Amant. Die Angst vor den Risiken einer Chemotherapie sollte Amant zufolge keinen Grund darstellen, eine Schwangerschaft abzubrechen oder vorzeitig zu beenden, ebenso sollte die onkologische Therapie auch nicht hinausgezögert werden.

Intrauterine Auswirkungen von Strahlentherapie

In einer zweiten Studie untersuchten Amant und seine Kollegen an 16 Kindern und 10 Erwachsenen, die in utero einer Strahlentherapie ausgesetzt waren, etwaige Auswirkungen. Die Langzeit-Follow-up-Studie zeigte, dass die Betroffenen in neuropsychologischer Hinsicht sowie in ihrem Verhalten und der allgemeinen Gesundheit Normwerte aufwiesen. Ein Kind zeigte eine schwere kognitive Verzögerung, die den Autoren zufolge aber auch auf andere Schwangerschaftskomplikationen zurückzuführen sein könnte.

Dr. Fedro Alessandro Peccatori, Direktor der Fertility & Procreation Unit am European Institute of Oncology’s Division of Gynaecologic Oncology, der nicht an der Studie beteiligt war, erklärte beim ESMO, dass die wichtigste Botschaft der Studie sei, dass neuropsychologische, Verhaltens- und allgemeine Gesundheitsergebnisse im normalen Bereich lägen. Schwangerschaft, besonders im fortgeschrittenen Stadium, stelle traditionell eine Kontraindikation zur Strahlentherapie dar. Neue Bestrahlungstechniken und komplexere Simulationen der empfangenen fetalen Dosis könnten dieses Szenario ändern. Dennoch mahnt Peccatori zur Vorsicht, wenn Strahlentherapie bei einer schwangeren Frau eingesetzt werde, vor allem im dritten Trimenon.

Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bei schwangeren Frauen mit Krebs

In den letzten beiden Jahrzehnten ersetzte die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie die invasive Methode der axillären Lymphknoten-Dissektion bei Patientinnen ohne klinisch verdächtige axilläre Lymphknoten. Forscher des International Network of Cancer, Infertility and Pregnancy und der German Breast Group präsentierten beim ESMO 2014 eine Studie, in deren Rahmen die Sicherheit und Wirksamkeit einer Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bei schwangeren Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium untersucht worden war.

Die neuesten Guidelines empfehlen, während der Schwangerschaft aufgrund fehlender Sicherheitsdaten eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie zu vermeiden und stattdessen eine Axilladissektion anzuwenden, erklärte Dr. Han Sileny von den Universitätskliniken Leuven, Belgien bei der Präsentation der Ergebnisse. Sileny und ihre Kollegen seien aber bestrebt, Beweise zu finden, dass eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie während der Schwangerschaft möglich sei und eine Option für betroffene Patientinnen darstellen sollte.

Die Forscher hatten 97 Frauen mit Brustkrebs untersucht, die sich einer Sentinel-Lymphknoten-Biopsie unterzogen hatten. Ihr Ziel war es, zu beurteilen, ob das Sentinel-Lymphknoten-Verfahren aus onkologischer Sicht für die Mutter sicher sei. Nach einem medianen Follow-up von 35 Monaten wurde bei acht Patientinnen ein lokoregionales Rezidiv festgestellt, vier Patientinnen entwickelten Fernmetastasen, von diesen starben drei aufgrund von Brustkrebs. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie während der Schwangerschaft eine geringe axillären Rezidivrate nach sich zieht, betonen die Autoren.

Ungeplante Schwangerschaft während der Krebsbehandlung

Eine weitere Studie der Amant-Gruppe zeigt die Bedeutung der Empfängnisverhütung bei der Krebsdiagnose und -therapie. Sarah van Peer und ihre Kollegen hatten die Datenbank des International Network for Cancer Infertility and Pregnancy nach Frauen durchforstet, die während der Krebsdiagnose oder während der Krebsbehandlung schwanger geowrden waren. Zum Untersuchungszeitpunkt enthielt die Datenbank Daten von 897 Patienten aus 21 Ländern. Insgesamt wurden 3,23 Prozent (29/897) der Patientinnen aus der Datenbank nach der Krebsdiagnose oder während der Therapie schwanger. Bei diesen 29 Frauen wurden drei Schwangerschaften bei diagnostischen Untersuchungen bei Verdacht auf Malignität, aber vor der definitiven Diagnose identifiziert. 18 Schwangerschaften wurden während der Behandlung und sieben nach der Krebsdiagnose, aber vor Therapiebeginn diagnostiziert.

Die Autoren appellieren, dass Ärzte und Patientinnen sich auch zum Thema Verhütung während der Krebsdiagnose und Krebsbehandlung Gedanken machen sollten, auch wenn man mittlerweile wisse, dass es möglich sei, Patientinnen während der Schwangerschaft mit Chemotherapie und Strahlentherapie zu behandeln. Dennoch sei es besser, diese Situation, wenn möglich, zu vermeiden. Peccatori merkte an, dass die Diskussion über eine wirksame Empfängnisverhütung für Onkologen im Umgang mit jungen Krebspatientinnen eine hohe Priorität habe. Die Inzidenz der ungeplanten Schwangerschaft während der Krebstherapie bleibe wohl ein seltenes Ereignis, dennoch sollten die hohe emotionale Wirkung einer ungeplanten Schwangerschaft und die möglichen Folgen in Bezug auf die Behandlungs-Modifikation mehr wirksame Interventionen in diesem Bereich nach sich ziehen.

Cancer during pregnancy: A case-control analysis of mental development and cardiac functioning of 38 children prenatally exposed to chemotherapy

Long-term neuropsychological and cardiac follow-up of children and adults who were antenatal exposed to radiotherapy


Sentinel lymph node biopsy for breast cancer treatment during pregnancy – on behalf of the International Network of Cancer, Infertility and Pregnancy (INCIP) and the German Breast Group (GBG)


Unplanned pregnancy during cancer treatment – on behalf of the International Network of Cancer, Infertility and Pregnancy (INCIP)

>> International Network on Cancer, Infertility and Pregnancy – INCIP

Quelle: European Society for Medical Oncology

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