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Gurgeltest in Schulen startet

Corona-Pandemie: „Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung?“

Er ist derzeit als Experte sehr gefragt, weil er große Projekte zum SARS-CoV-2-Nachweis an Schulen koordiniert: Univ.-Prof. Dr.Dr.h.c. Michael Wagner, Mikrobiologie-Dekan an der Uni Wien und Mitentwickler der Gurgeltests, die jetzt auch in einer Kooperation zwischen Bildungsministerium und Stadt Wien bei Corona-Verdacht an Wiener Schulen eingesetzt werden. Unabhängig davon werden für das vermutlich weltweit größte Schulmonitoring bis zu 15.000 Kinder samt Lehrer an 250 Schulen rekrutiert und zehnmal im Schuljahr getestet. Das große Gurgeln begann am 28. September und soll endlich Fakten zur Verbreitung des neuartigen Coronavirus in Schulen schaffen. Denn eines ist schon fix, „Kinder spielen eine Rolle in der Pandemie, wir wissen nur nicht, wie groß diese ist“, sagt Wagner im medonline-Interview.

medonline: Herr Professor, für viele eine rhetorische Frage: Ist das SARS-CoV-2 Virus wirklich so gefährlich? 

Michael Wagner: Es ist gefährlich, weil es zu Beginn der Pandemie kaum Immunität – es gibt Hinweise auf eine gewisse T-Zellen-vermittelte Kreuzimmunität durch andere Common-Cold-Coronaviren – in der Bevölkerung gab und sich somit vermutlich jeder infizieren kann. Es gibt noch keine Impfung und es ist von Mensch zu Mensch ansteckender, als man zunächst gedacht hatte, auch wenn es weniger ansteckend als Masern oder Windpocken ist. Was es auch gefährlich macht, ist, dass das Virus wie ein Chamäleon ist. Bei vielen Menschen treten keine oder kaum Symptome auf, andere erkranken schwer oder sterben sogar, aber auch asymptomatische Personen können andere infizieren. Die Mortalität ist höher als bei der saisonalen Grippe und es können sich auch mehr infizieren, weil wir bei der saisonalen Influenza gegenüber vielen Stämmen Immunität und zusätzlich eine Impfung haben.

Können Sie das belegen? Ist der Infizierten-Verstorbenen-Anteil (IFR – Anteil der Todesfälle unter allen Infizierten unter Einschluss nicht diagnostizierter Fälle) von SARS-CoV-2 tatsächlich höher als bei einer saisonalen Influenza?

Ja, bei einer schwereren saisonalen Grippe – abgesehen von der Hongkong-Grippe Ende der 60er – beträgt die IFR 0,1 Prozent und darunter. Bei SARS-CoV-2 gehen die meisten gegenwärtigen Schätzungen von 0,3 bis 1 Prozent aus. Der tatsächliche Wert hängt auch stark vom Gesundheitssystem und von der Behandlung ab, bei der es bedeutende Fortschritte gibt. Die genaue IFR ist daher ein Moving Target.

Es gibt eine interessante Diskussion darüber, dass die Schwere der COVID-19-Erkrankung auch mit der Virendosis bei der Infektion korreliert. Das könnte erklären, warum Krankenschwestern und Ärzte – häufig vor allem am Beginn der Pandemie, als es einen Mangel an Schutzausrüstung gegeben hat – viele extrem schwere und auch tödliche Verläufe hatten. Wenn dies tatsächlich so wäre, würde dies ein zusätzliches Argument für das Tragen von Masken sein, da auch nicht perfekt schützende Masken die aufgenommene Virenmenge reduzieren.

Sie haben auf der Pressekonferenz von Bildungsminister Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann am 17.08.2020 (siehe https://medonline.at/10057995/2020/rote-corona-ampel-bedeutet-notbetrieb-in-schulen/) gesagt, dass auch gesunde Kinder und junge Erwachsene schwer erkranken und sterben können, auch wenn dies selten der Fall ist. Gibt es da Daten?

Bei den Jungen sind es ganz wenige, die sterben und sie haben meistens Vorerkrankungen. In den USA sind bislang 109 Kinder an COVID-19 gestorben und in Österreich gibt es bisher nur einen Todesfall unter 34 Jahren. Diese Daten zeigen, dass Todesfälle in dieser Personengruppe wirklich sehr selten sind, auch wenn die Statistik der Familie, die es betrifft, natürlich nicht hilft. Was aber bisher in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt wird, sind die Long-Covid-Fälle, also die Langzeitfolgen, die man noch nicht wirklich einschätzen kann.

Was weiß man bisher zu Long Covid?

COVID-19 ist nicht nur eine Atemwegserkrankung, sondern eine systemische Erkrankung, die Herz, Nervensystem und andere Bereiche des Körpers betreffen und dort auch bei scheinbar milden Verläufen Langzeitfolgen nach sich ziehen kann. Man hat zum Beispiel im CT Lungenveränderungen gesehen, die erstaunlich lange persistieren, sich dann aber doch zurückzubilden scheinen, wie eine neue Studie aus Innsbruck zeigt. Man beobachtet auch gehäuft Fälle, die dem Chronic-Fatigue-Syndrom ähneln, etwas das man schon von SARS als Post-SARS-Syndrom kannte und das auch vereinzelt nach anderen viralen Erkrankungen auftritt. Es gibt erste Hinweise auf durch SARS-CoV-2 ausgelöste Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes und auch einen ersten Fall von Parkinson, der bei einem 45-jährigen Mann nach einer SARS-CoV-2-Infektion aufgetreten ist. Das Auftreten von Autoimmunkrankheiten ist keine untypische Folge von Viren- und auch Bakterieninfektionen, aber da wir in einer frühen Phase der Pandemie sind, fehlen noch Studien, die das Risiko von COVID-19-Patienten für solche Folgeerkrankungen quantitativ beschreiben.

Im Vergleich zur Influenza scheint bei SARS-CoV-2 der Anteil derer höher zu sein, die noch Wochen danach mit den Folgen zu tun haben: manche können kaum hinausgehen, haben Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksverlust, Herzproblematiken usw. Man sieht Long Covid auch bei Asymptomatischen und Oligosymptomatischen. Es scheint so zu sein, dass bei schweren COVID-Verläufen die Wahrscheinlichkeit für Long Covid deutlich erhöht ist – ein weiterer Grund, die Zahl schwer Erkrankter so gering wie möglich zu halten. Und man weiß noch nicht, wie lange die COVID-19-Langzeitfolgen wirklich anhalten und ob diese vollständig reversibel sind. Dafür ist die Pandemie noch nicht alt genug.

Was möchten Sie also jungen Menschen mitgeben?

Junge Menschen haben ein gewisses persönliches Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken bzw. Langzeitfolgen davonzutragen. Zudem tragen sie gerade massiv zur Verbreitung des Virus bei und haben somit durch ihr Verhalten eine große Verantwortung, mitzuhelfen, vulnerable Gruppen zu schützen und auch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu begrenzen.

Was sagen Sie zur aktuellen Diskussion, dass Kinder unter zehn Jahren keine oder kaum eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen?

Wenn die Schutzmaßnahmen unzureichend sind, können sich auch Kinder unter zehn Jahren leicht infizieren und andere Menschen anstecken. In einem Sommercamp in Georgia, USA, haben sich zum Beispiel innerhalb von wenigen Tagen 51 von 100 Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren infiziert. Es gibt auch Studien die zeigen, dass infizierte Kleinkinder vergleichbare und sogar teilweise höhere Virenlasten im Rachen haben als infizierte Erwachsene. Die Viren die Kinder ausscheiden sind infektiös und natürlich stecken Kinder auch andere Personen an, waren aber in den meisten Studien unterrepräsentiert, weil in vielen Ländern relativ schnell die Schulen geschlossen wurden oder die Schulkinder fast gar nicht getestet worden sind, so wie in Schweden. Viele Kinder werden auch darum nicht getestet, weil sie häufig oligo- oder asymptomatisch sind und somit unter dem Radar laufen.

Bei welchen Symptomen sollen nun Eltern Kinder zuhause lassen und kann man das Kind mit Schnupfen in die Schule schicken?

Eltern und auch Ärzte können ohne einen Test nicht mit Sicherheit erkennen, ob ein Kind COVID-19 hat oder eine banale Erkältung. Im Prinzip kann jedes respiratorisches Infektionssymptom auf COVID-19 hinweisen. Schnupfen ist aber nicht das Standardsymptom von COVID-19, weder bei Erwachsenen noch bei Kindern. Bei Kindern sind interessanterweise gastrointestinale Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfall neben Husten und Fieber relativ häufig, bei Erwachsenen treten dazu auch Geruchs- und Geschmacksverlust und Kurzatmigkeit oft auf. Die Frage ist, wo ziehe ich meine Grenze? Natürlich sollte man Kinder nicht in die Schule schicken, die ein häufiges Symptom von COVID-19 haben, also Bauchschmerzen, Durchfall, Husten, Fieber. Will man vorsichtig sein, müsste man sie bei Schnupfen auch zuhause lassen, das ist aber wegen der Häufigkeit auch eine Frage der Praktikabilität.

Zwei Ihrer vier Kinder sind noch schulpflichtig. Wie haben Sie Homeschooling und Beruf im Frühjahr unter einen Hut gebracht?

Wir waren in einer privilegierten Situation. Meine Frau ist auch Mikrobiologin und wir konnten beide im Homeoffice arbeiten und haben es uns als Familie gut einteilen können. Es waren zum Teil auch meine älteren Söhne da, die sonst in München sind.

Auch in Schweden hatten Gymnasiasten (ab 16) und Studierende Homeschooling. In den Schulen dürften aber bei Corona-Fällen des Personals die Kinder gar nicht getestet worden sein.

Ja, hier hat Schweden eine Riesenchance verpasst, mehr über die Rolle von Kindern und Schulen bei der Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu lernen. Selbst wenn Lehrer nachweislich an COVID-19 erkrankt waren, wurden die Schüler in ihren Klassen nicht getestet. Es gibt jetzt gerade auch relativ große Schulcluster in Deutschland, Dänemark und Belgien. Es fehlt jedoch national wie international ein systematischer Überblick über das Infektionsgeschehen an den Schulen. Genau das wollen wir mit dem österreichweiten Schulmonitoring-Projekt herausfinden, das ich auf der wissenschaftlichen Seite koordiniere: Wir ziehen eine repräsentative Stichprobe mit bis zu 15.000 Kindern und ihren Lehrern aus ganz Österreich, die wir zehnmal im Schuljahr mittels vier kombinierten PCR-Tests auf eine SARS-CoV-2-Infektion testen. Das Bildungsministerium koordiniert die Logistik an den Schulen und den Transport, die Schulärzte nehmen die Gurgelproben und wir untersuchen diese im Labor. An der Studie sind die MedUnis Graz, Linz, Innsbruck und die Universität Wien beteiligt.

Wann geht es mit dem Gurgeln los?

Wir haben am 28. September begonnen und ich möchte alle Lehrer, Eltern und Kinder aufrufen, sich an der Studie zu beteiligen. Es ist eine einmalige Chance: Das Kind gurgelt in der Schule, es sind nur ein paar Minuten Aufwand alle drei Wochen. Dafür bekommen sie regelmäßig kostenlos Testergebnisse und tragen dazu bei, dass wir die Rolle der Kinder bei der Verbreitung besser verstehen und die Politik Daten hat, um gegebenenfalls die Schutzmaßnahmen an den Schulen anpassen zu können. Selbstverständlich werden wir bereits im Laufe der Studie auch der Bevölkerung die Zwischenergebnisse in Form eines Dashboards zur Verfügung stellen.

Aber jetzt wird ja trotzdem versichert, dass von Schulen kaum Cluster ausgehen.

Da Kinder oft asymptomatisch sind und bislang wenig getestet wurden, ist die Rolle der Schulen bei der Pandemie nicht ausreichend verstanden. In Israel haben Schulen wesentlich zur zweiten Welle beigetragen, in manchen anderen Ländern scheinen sie hingegen bislang eine kleinere Rolle gespielt zu haben – hier besteht einfach noch ein großer Forschungsbedarf – es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass Schulen zumindest das Infektionsgeschehen in der Gesellschaft spiegeln und nicht von diesem abgekoppelt werden können.

Da Kinder selten schwer an COVID-19 erkranken, geht es vor allem darum, dass sie andere Personen mit einem höheren Risiko eines schweren Verlaufs anstecken können. Ein Problem hierbei ist, dass Kinder als Indexfälle vermutlich oft übersehen werden: Sie haben nur milde oder keine Symptome, tragen das Virus ohne aufzufallen nach Hause und werden auch nicht getestet. Bis die Eltern erkranken, zum Test gehen, dieser ausgewertet ist und das Contact Tracing beginnt, sind die Kinder schon wieder PCR-negativ und es scheint dann so, dass sie sich nicht einmal bei den Eltern anstecken.

Sind Kinder denn genauso ansteckend wie Erwachsene?

An COVID-19 erkrankte Kinder haben ja oft nur schwache Symptome, deswegen husten sie auch weniger und scheiden somit weniger Tröpfchen und Aerosole aus. Sie haben auch ein geringeres Atemvolumen und husten auf niedriger Höhe. Das bewirkt, dass sie weniger Viren ausscheiden bzw. die Tröpfchen schneller zu Boden sinken. Das kann schon dazu führen, dass sie im Schnitt weniger Menschen anstecken, obwohl ihre Virenlast im Rachen genauso hoch wie bei Erwachsenen ist. Sobald aber vor allem im Herbst und Winter Doppelinfektionen mit Erkältungsviren auftreten, kann es zu stärkerem Husten kommen und die Kinder würden dann auch vermehrt SARS-CoV-2 ausscheiden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Test, wenn ein anderes Kind aus der Klasse positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde?

Die Kinder sollten in Quarantäne geschickt und getestet werden. Die Kinder in der Klasse sind dann ja K1-Personen und sollten mit einem PCR-Test untersucht werden, um herauszufinden, ob sie sich infiziert haben. Idealerweise wird hierfür, wie gerade in Wien, das Gurgelverfahren eingesetzt. Ein negativer Test beweist aber noch nicht, dass sich niemand angesteckt hat – hierfür müsste der Test nach ein paar Tagen wiederholt werden.

Der Gurgeltest wird jetzt auch durch mobile Teams für Verdachtsfälle in Wiener Schulen eingesetzt, wie VP-Bildungsminister Heinz Faßmann und SP-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker überraschend am 22.09.2020 bekanntgegeben haben. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee eines Gurgeltests gekommen, Sie machen ja eigentlich Mikrobiom-Forschung?

Im März haben sich eine Gruppe von Wissenschaftlern aus verschiedenen Institutionen in Wien zur Vienna COVID-19 Detection Initiative (VCDI; https://www.maxperutzlabs.ac.at/vcdi) zusammengeschlossen, um mit smarten Testverfahren einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten. Johannes Zuber (u.a. MedUni Wien, Anm. d. Red.) aus dem VCDI-Team hatte dann die Idee, anstelle der Abstriche Gurgeln zu verwenden, da man hierfür kein medizinisches Fachpersonal benötigt und es schmerzfrei ist. Wir haben dies dann in Zusammenarbeit mit der Klinik Favoriten an Patienten ausgetestet und dabei herausgefunden, dass Gurgeln vergleichbare Ergebnisse wie der Abstrich liefert. Ich habe daraufhin Minister Faßmann vorgeschlagen, die Gurgelprobenahme bei Kindern einzusetzen und habe ein Schulpilotprojekt in Wien initiiert, bei dem Gurgeln mit Hilfe eines großen Teams an elf Schulen erfolgreich ausgetestet wurde.

In der „Presse“ (https://www.diepresse.com/5863204/schulstart-mit-risiken-kinder-sind-keine-bremsklotze-der-infektion, 06.09.2020) haben Sie sich – wie auch schon die Österreichische Ärztekammer und Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes – für eine Maskenpflicht auch im Unterricht ausgesprochen, warum?

Weil es aus mikrobiologischer Sicht einfach Sinn macht. Das neuartige Coronavirus wird über Tröpfchen und Aerosole über die Luft übertragen und Masken bieten hier einen gewissen Schutz. Ich bin mir aber bewusst, dass ich das als Mikrobiologe empfehle, nicht als Bildungswissenschaftler. Am Ende muss die Politik entscheiden.

Zudem sollte aus mikrobiologischer Sicht in der Schule alles, was die Aerosolbildung verstärkt, wie Schreien, Singen und Sport, vermieden oder ins Freie verlegt werden. Regelmäßiges und ausreichend langes Lüften der Klassenzimmer ist sehr wichtig. In manchen Schulen in Wien läuten die Schulglocke alle 20 Minuten, um an das Lüften zu erinnern – ich finde dies eine gute Maßnahme. Allerdings muss man im Winter darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit in den Klassenzimmern nicht abfällt, da dies die Verbreitung von Viren fördert. Gegebenenfalls müsste hier über eine gezielte Luftbefeuchtung nachgedacht werden.

In Israel hat der zweite landesweite Lockdown am 18.09.2020 begonnen, ein Teil der Cluster dürfte von Schulen ausgegangen sein. Können wir in Österreich einen neuerlichen Lockdown noch verhindern?

In Israel waren Schulen der Ort, wo man sich am zweitleichtesten angesteckt hat – nach dem eigenen Haushalt. Ich glaube, wir können den zweiten Lockdown verhindern, wenn wir die Maßnahmen ernst nehmen. Vielen meiner Kollegen die im Ausland unterwegs sind fällt auf, dass die Maßnahmen in anderen Ländern von der Bevölkerung ernster genommen werden und zum Teil auch strenger sind als in Österreich. Ich glaube, es muss sich jeder auch ein Stück weit freiwillig einschränken, damit die Schulen offen bleiben können. Der Verzicht muss natürlich nicht absolut sein, aber jeder sollte überlegen, welche Treffen in Innenräumen mit anderen Personen wirklich notwendig sind. Dies bedeutet für einen begrenzten Zeitraum eine andere Art des Lebens, um den Kindern Bildung zu ermöglichen und um die Gesundheit und Arbeitsplätze vieler zu schützen.

Wie gehen Sie damit um, dass selbst vermeintliche Experten bei Corona vom Boden der Evidenz abheben und Masken ablehnen, sogar Ärzte? Kennen Sie auch solche Kollegen?

Persönlich nicht. Man muss sich immer bewusst sein, dass dies nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Fachleute ist, die sich in diese Richtung äußern. Deren Äußerungen werden nur in den (sozialen) Medien überproportional stark geteilt und erfahren darum viel zu viel Aufmerksamkeit. Ich glaube, dass unter den Corona-Leugnern und Verharmlosern viele sind, die sich sehr schwer tun, mit der durch die Pandemie ausgelösten Unsicherheit und der veränderten Welt umzugehen, und die durch die Masken immer an diese Situation erinnert werden und dadurch Angst und Wut bekommen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Universität Wien

Zur Person
Michael Wagner

Univ.-Prof. Dr.Dr.h.c. Michael Wagner ist Leiter des Zentrums für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft an der Universität Wien, Distinguished-Professor am Zentrum für mikrobielle Lebensgemeinschaften an der Universität Aalborg, Dänemark, und Gastprofessor für Ingenieurwissenschaft an der Universität Oxford, UK. Er ist Gründungsmitglied der „Vienna COVID-19 Detection Initiative“ (VCDI, https://www.maxperutzlabs.ac.at/vcdi), die die Gurgelmethode vorgeschlagen hat und er koordiniert an der VCDI die Projekte, die Testungen an Schulen zum Ziel haben.

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