20. März 2026Musiktherapie und kognitive Verhaltenstherapie

Telecare bei Angst nach Krebserkrankung

Kann Musiktherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie mithalten, wenn es um die Reduktion von Angstsymptomen bei Krebsüberlebenden geht? Dieser Frage sind Forscher aus den USA in einer Studie nachgegangen.

Telemedizin: Musiktherapie und kognitive Verhaltenstherapie online
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Angst ist bei Krebspatienten ein häufiger Begleiter. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität und geht oft auch Hand in Hand mit anderen Symptomen wie Fatigue. Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist eine etablierte Therapieform, aber nicht alle haben Zugang dazu oder sprechen darauf an. Musiktherapie hat sich in einem Cochrane-Review (1) als wirksames Instrument bei Angst und Fatigue bei Menschen mit Krebs im "akuten Setting" erwiesen.

7 wöchentliche Online-Sitzungen

Wissenschaftler um Dr. Kevin Liou vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York gingen nun der Frage nach, ob Musiktherapie – auch längerfristig – Angst bei Krebsüberlebenden lindern kann. Ziel der randomisierten klinischen Studie MELODY (2) war es, die Nichtunterlegenheit der Musiktherapie gegenüber CBT unter Beweis zu stellen. Beide Interventionen wurden ausschließlich telemedizinisch angeboten.

Eingeschlossen waren 300 Krebsüberlebende mit klinisch relevanten Angstsymptomen. Sie waren zu rund 75% weiblich, hatten ihre aktive Krebsbehandlung bereits abgeschlossen und befanden sich in einer stabilen Krankheitsphase.

Die Angstsymptome erfasste man anhand der "Hospital Anxiety and Depression Scale – Anxiety subscale" (HADS-A), die einen 7-teiligen Selbstbeurteilungs-Fragebogen zur Messung von Angstzuständen v. a. bei körperlich kranken Menschen darstellt (Punktzahl 0 bis 21). Einschlusskriterium war ein HADS-A-Score von ≥ 8.

Die Patienten erhielten entweder sieben wöchentliche Online-Sitzungen Musiktherapie oder kognitive Verhaltenstherapie .

  • Die Musiktherapie kombinierte rezeptive Verfahren (z.B. musikgeleitete Entspannung) mit aktiven Elementen wie kollaborativem Songwriting, das auf die emotionale Verarbeitung belastender Erfahrungen abzielte.
  • Die kognitive Verhaltenstherapie folgte einem standardisierten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Protokoll mit Psychoedukation, kognitiver Umstrukturierung, Entspannungsverfahren und verhaltensbezogenen Strategien.

Musiktherapie war CBT nicht unterlegen

Primäre Endpunkte waren Veränderungen im HADS-A-Score nach acht Wochen (Ende der Intervention) und nach 26 Wochen (Follow-up). Als Nichtunterlegenheitsgrenze legten die Forscher einen Wert von 0,35 Standardabweichungen fest, basierend auf der minimal klinisch relevanten Differenz von 1,7 Punkten.

Sekundäre Endpunkte umfassten Fatigue, depressive Symptome, Schlafstörungen, Schmerz, kognitive Beeinträchtigungen sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Nach acht Wochen reduzierte sich der HADS-A-Wert im Mittel um 3,12 Punkte in der Musiktherapie-Gruppe und um 2,97 Punkte in der CBT-Gruppe. Der Unterschied lag klar innerhalb der definierten Nichtunterlegenheitsgrenze.

Die Angstreduktion hielt auch noch nach 26 Wochen in beiden Gruppen an (–3,31 vs. –3,00 Punkte), ebenfalls ohne klinisch relevante Unterschiede. Insgesamt erreichten rund 70% der Teilnehmer in beiden Gruppen eine klinisch bedeutsame Verbesserung der Angstsymptome.

Beide Interventionen führten zudem zu vergleichbaren Verbesserungen in allen sekundären Endpunkten. Darunter waren Fatigue, depressive Symptome, Schlafqualität, Schmerz, kognitive Funktion und physische sowie psychische Lebensqualität. Die Einnahme von Angst-Medikamenten blieb über den Studienverlauf stabil und unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.

Die Behandlungsadhärenz war hoch, mit etwas besseren Abschlussraten in der Musiktherapie-Gruppe. Subgruppenanalysen deuteten darauf hin, dass Musiktherapie unabhängig vom Bildungsniveau und von der Zeit seit der Krebsdiagnose wirksam war. Die Effektivität der kognitiven Verhaltenstherapie hingegen fiel bei höherem Bildungsgrad größer aus und reduzierte sich mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur Diagnose .

Fazit

Alles in allem sprechen die Ergebnisse der MELODY-Studie dafür, Musiktherapie als gleichwertige evidenzbasierte Alternative zur CBT in der psychosozialen Versorgung von Krebsüberlebenden zu berücksichtigen und damit das therapeutische Angebot zu erweitern.