Menü Logo medONLINE.at

Onkologische Versorgung sichern

Jetzt müssen die Weichen für die onkologische Versorgung der Zukunft gestellt werden, fordert OeGHO-Präsident Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg. Das betrifft sowohl Finanzierung als auch Struktur.

Immer mehr Krebspatienten werden zunächst in Zentren und später ambulant behandelt. Die Finanzierungsmodelle spiegeln das noch nicht wider.

Immer mehr Krebspatienten werden zunächst in Zentren und später ambulant behandelt. Die Finanzierungsmodelle spiegeln das noch nicht wider.

Von „hochspannenden Zeiten in der Hämatoonkologie“ schwärmte Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, im Vorfeld der Frühjahrstagung der Fachgesellschaft in Wien Mitte März. Gleichzeitig forderte der Onkologe die politischen Verantwortungsträger auf, „den Kopf nicht in den Sand zu stecken“ und frühzeitig auf die Veränderungen in der Demographie, der damit verbundenen Epidemiologie und in der onkologischen Therapie zu reagieren.

Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg  Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie

Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie

Mittlerweile stünden Substanzen zur Verfügung, die „epochale Verbesserungen“ gebracht hätten. Kongresspräsident Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger, Med­Uni Wien, erwähnte die Immuntherapie und die zellbasierte Therapie. Als Beispiel nennt Samonigg das bis vor Kurzem noch in der Regel letal verlaufende, metastasierte Melanom. Dieses stehe mittlerweile an der Schwelle zu einer behandelbaren chronischen Krankheit. Das gelte auch für viele andere Krebsentitäten. Die boomende personalisierte Krebstherapie benötigt allerdings geeignete Rahmenbedingungen, so die Onkologen: Dazu gehört einerseits die technische Infrastruktur für Genanalyse und die Verarbeitung der enormen Datenmengen, andererseits steigen auch die Kosten für Personal und die neuen Therapeutika.

Gestiegene Medikamentenausgaben

In Österreich sei man (noch) in der glücklichen Lage, dass neue Medikamente rasch für die Patienten zur Verfügung stünden. Die österreichische Onkologie stehe im internationalen Vergleich hier sehr gut da, bekräftigt die OeGHO und hofft, dass dies auch so bleibt. Allerdings sind in den vergangenen fünf Jahren laut einer Auswertung von IMS Health die Kosten für onkologische Medikamente um 39 Prozent gestiegen. 471 Mio. Euro wurden 2015 im stationären Bereich ausgegeben. Ein weiterer Anstieg um sechs bis acht Prozent pro Jahr sei zu erwarten. Die Hauptgründe ortet IMS-Health-Geschäftsführerin Mag. Erika Sander in der Volumensteigerung bei geschützten Marken und bei kostenintensiven neuen Therapien.

Nicht enthalten sind in der von IMS Health genannten Summe allerdings die von der Sozialversicherung finanzierten Onkologika. Laut Hauptverband betrugen die Kosten für antineoplastische Mittel und endokrine Therapien (exkl. Ebetrexat) im vergangenen Jahr 220 Mio. Euro (2013 waren es noch 181 Mio. Euro). Die Kosten für Onkologika gelte es aber in die richtige Relation zu setzen, meinte Samonigg. Nur 0,1 Prozent des BIP würden für hospitale onkologische Arzneimittel aufgewendet. Samonigg stellte hier die rhetorische Frage: „Ist da wirklich Panik angesagt, dass wir uns das in Zukunft nicht mehr leisten können?“

Spezialisierung führt zu Zentrenbildung

Ein effizienter Umgang mit vorhandenen Ressourcen sei daher unabdingbar. „Kein Weg führt daran vorbei“, dass Krebspatienten in Zukunft verstärkt in Zentren behandelt werden müssen, bekräftigte Samonigg. Das Wissen über alle Krebserkrankungen und Therapien könne nicht in allen (kleinen) Häusern vorhanden sein: „Das kann kein Onkologe alleine wissen.“ Gleichzeitig seien zentrale Einrichtungen kostengünstiger zu führen als kleinere. Die Versorgung von Krebspatienten müsse auf verschiedenen Stufen erfolgen, das sehe auch der Österreichische Strukturplan Gesundheit so vor.

Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger  MedUni Wien

Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger
MedUni Wien

An der Spitze stehen dabei die Universitätskliniken und im Speziellen die Comprehensive Cancer Centers in Wien, Graz und Innsbruck, wo die Anbindung an Forschung und klinische Studien gegeben sei. Das werde man den Patienten und ihren Angehörigen auch erklären müssen, die sich in der Regel eine wohnortnahe Versorgung wünschen. Über die Anbindung von kleineren Häusern an große Zentren sei ebenso nachzudenken wie über den Einsatz von webbasierten Tumorboards oder mobilen Onkologie-Teams. Jäger berichtete über die Versorgung von Krebspatienten in Nordschweden. Die lokalen Ärzte seien im intensiven Austausch mit den Spezialisten in den onkologischen Zen­tren des Landes.

Mehr Personal in den Ambulanzen

Die Chronifizierung von Krebserkrankungen und der Trend zum tagesklinischen Setting auch in der Onkologie führt dazu, dass der Ambulanzbetrieb hochgefahren werden muss. Das sei allerdings mit einem höheren Personalaufwand v.a. in der Pflege verbunden, weil mehr Patienten in der gleichen Zeit behandelt werden, berichtete Jäger. Noch verhindere aber das bestehende Verrechnungsmodell diese notwendigen Modifikationen. Es bedürfe also auch Veränderungen in den Finanzierungsmodellen, forderte Samonigg.

Die Grenzen zwischen dem intra- und extramuralen Bereich müssten überwunden werden, das gelte auch für die Finanzierung der medikamentösen Therapie. Es sei für Spitalserhalter und Sozialversicherung wichtig, die Probleme gemeinsam zu lösen und „nicht den kleinsten sondern den größten gemeinsamen Nenner zu finden“. Hier müssten die Verantwortlichen aufhören, in „LKF- bzw. GKK-Töpfen“ zu denken. Ein gemeinsamer Pool für teure Therapien wäre eine Möglichkeit.

Von Mag. Silvia Jirsa