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Mikroben beeinflussen Gewicht

Wie Mikrobiome im Darm auf Nahrung reagieren, dürfte einer aktuellen Studie zufolge genetisch determiniert sein. Unser Erbgut beeinflusst also, welche Arten von Mikroben in unserem Körper leben und  ob wir dick oder dünn sind.

Durch eine Gewichtszunahme werden die Stoffwechselleistung und die bakterielle Gemeinschaft im Magen-Darm-Trakt beeinflusst.

Eine in der Fachzeitschrift “Cell” veröffentlichte Studie beschreibt, wie mithilfe einer Sequenzierung der Gene von Mikroben, die im Stuhl von Zwillingen gefunden wurden, festgestellt werden konnte, welche Arten von Bakterien im menschlichen Darm leben und wie diese den Organismus beeinflussen.

Sowohl die Genetik eines Menschen als auch das Mikrobiom im Darm beeinflussen metabolische Phänotypen. Forscher der Cornell University verglichen Mikrobiota von mehr als 1.000 Stuhlproben der britischen TwinsUK Kohorte, darunter befanden sich 416 Zwillingspaare. Die Wissenschaftler identifizierten etliche mikrobielle Taxa, deren Häufigkeiten von der Genetik des Wirts beeinflusst wurden.

Die Studie ergab, dass das am meisten vererbte Taxon, die Familie Christensenellaceae, gleichzeitig mit anderen erblichen Bakterien und methanogenen Archaea auftritt.

Zudem reichterten sich Christensenellaceae und deren Partner bei Probanden mit einem niedrigen Body-Mass-Index an. Ein mit Übergewicht assoziiertes Mikrobiom wurde hingegen mit Christensenella minuta, einem kultivierten Mitglied der Christensenellaceae, verändert und in keimfreie Mäuse transplantiert. Eine Änderung durch Christensenella minuta reduzierte die Gewichtszunahme und veränderte das Mikrobiom der Empfängermäuse.

Die Forscher gehen nun davon aus, dass die Genetik des Wirts die Zusammensetzung des humanen Darm-Mikrobioms auf eine Weise beeinflusst, die sich auf den Wirtsstoffwechsel auswirkt.

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Diese Arbeit geht Hand in Hand mit früheren Arbeiten, vor allem mit einer im September veröffentlichten Studie, die zeigt, wie eine hohe Population der Darmmikrobe Clostridium ramosum mit Hilfe einer fettreichen Ernährung in einer größere Gewichtszunahme resultiert.

Ruth Ley, die leitende Autor der neuen Studie, erklärte in einer Stellungnahme der Cornell University, dass es bislang keinen direkten Beweis gegeben habe, dass alles im menschlichen Darm unter genetischem Einfluss stehe. Nun habe sich aber gezeigt, dass die Mikrobenpopulation im Darm nicht nur durch menschliche DNA beeinflusst werde, sondern einige Mikroben auch einen Schutz gegen Fettleibigkeit bieten, während andere eine Gewichtszunahme fördern.

AuchTim Spector vom Kings College London erklärte, dass die Ergebnisse zeigen würden, dass bestimmte Gruppen von Mikroben, die im Darm leben, vor Fettleibigkeit schützen würden. Zudem werden durch deren Anzahl die Gene beeinflusst. Das humane Mikrobiom repräsentiere auch ein aufregendes, neues Ziel zur Bekämpfung von Adipositas.

>> British Gut Project

Julia K. Goodrich, Jillian L. Waters, Angela C. Poole, Jessica L. Sutter, Omry Koren, Ran Blekhman, Michelle Beaumont, William Van Treuren, Rob Knight, Jordana T. Bell, Timothy D. Spector, Andrew G. Clark, Ruth E. Ley
Human Genetics Shape the Gut Microbiome
Cell, Volume 159, Issue 4, 6 November 2014, Pages 789–799, DOI: 10.1016/j.cell.2014.09.053

Quelle: Kings College London, Cornell University

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