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DGPPN-Kongressbericht: Innovative Konzepte und Forschung in der Psychiatrie

© iStockphotoGenetische Forschung könnte die medikamentöse Therapie von Gedächtnisstörungen realistischer werden lassen. Für Depressionen wurde Ceramid als möglicher Therapieansatz identifiziert.

„Psychiatrische Erkrankungen sind menschenspezifisch. In der Forschung ist es daher notwendig, nicht nur Tiermodelle, die manchmal irrelevant sind, zu verwenden“, betont Prof. Dr. Andreas Papassotiropoulos, Direktor der Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften, Universitäre Psychiatrische Klinken Basel. Tiermodelle seien zudem ungeeignet, die Wirkungsweise von Medikamenten wie beispielsweise Antidepressiva darzustellen. Diesem Problem versucht der Wissenschaftler mit humangenetischer Forschung beizukommen.

Biologische Domänen

Die Forschung auf rein klinischer Basis erweist sich in der Psychiatrie als problematisch. „Neben einem großen Spektrum an Erkrankungen existiert eine ausgeprägte biologische und phänotypische Heterogenität“, so Papassotiropoulos. So könne ein Patient mit der Diagnose einer Major Depression nach dem DSM-IV sowohl unter signifikantem Gewichtsverlust, Insomnie und psychomotorischer Agitation leiden, ein anderer mit derselben Diagnose unter signifikanter Gewichtszunahme, Hypersomnie und psychomotorischer Verlangsamung. Zudem spielt Komorbidität eine Rolle. Als Beispiel für biologische Heterogenität nennt der Experte die Diagnose „Autismus“. „Es gibt keine einzelne Region des Gehirns, die nicht mit Autismus assoziiert wurde“, weiß Papassotiropoulos. Ebenso kann eine Reihe unterschiedlicher emotionaler und kognitiver Domänen gestört sein. Dies führt dazu, dass die Diagnose „Autistic Disorder“ nach dem DSMIV letztendlich 2027 mögliche Symptomkombinationen bietet (McPartland et al., 2012).
Darüber hinaus sind die meisten psychiatrischen Erkrankungen nicht dichotom, sondern repräsentieren Extreme einer Normalverteilung von Symptomen in der gesunden Bevölkerung oder von neurokognitiven Domänen, bei denen extreme Ausformungen zu einer psychiatrischen Erkrankung beitragen können (z.B. Lichtenstein et al., 2009; Kendler und Gardner, 1998).
„Eine Lösung für diese Problematik für die Forschung stellt die Rückführung psychiatrischer Diagnosen in biologisch sinnvolle Domänen dar“, schlägt Papassotiropoulos vor. Diese sollten einige Kriterien erfüllen: Sie sollten physiologische Domänen abbilden – zum Beispiel kognitive oder emotionale Domänen, die bei psychiatrischen Erkrankungen gestört sind. Sie sollten spezifische untersuchbare neuronale Korrelate aufweisen und heritabel sein (Papassotiropoulos & de Quervain, 2011).

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