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Rheuma und SARS-CoV-2

«Keine Schwierigkeiten bei Biologika und COVID-19-Erkrankung»

Orale Glukokortikoide erwiesen sich als Risikofaktor.

Obwohl Patienten mit rheumatischen Erkrankungen eine höhere Infektanfälligkeit aufweisen, hat Immunsuppression per se keinen wesentlichen Einfluss auf eine Infektion mit SARS-CoV-2. Ein Risiko hingegen stellt der Einsatz von Glukokortikoiden dar.

Patienten mit Rheuma werden mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionserkrankungen in Verbindung gebracht.1 „In erster Linie handelt es sich dabei um Gelenksinfektionen sowie Infektionen der Knochen, Haut und Weichteile, aber auch der Respirationstrakt ist ein Ort mit dem höchsten Infektionsrisiko“, informiert Univ.-Prof. Dr. Stefan Winkler, Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin I, MedUni Wien.

Risiko Glukokortikoide

Anhand der ersten Patientenserien aus Wuhan2 wurden die Risikogruppen für eine COVID-19-Erkrankung definiert: schlecht eingestellter Diabetes mellitus, Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen, chronische Lungenerkrankungen etc. „Der immunsupprimierte Patient wurde aber nicht als der klassische COVID-19-Patient bestätigt“, ergänzt Winkler. Immunsuppression bzw. Immundefizienz spielen somit eine geringe Rolle für eine COVID-19-Infektion.3

„Risikofaktoren für Rheuma-Patienten sind jedoch orale Glukokortikoide mit einer Odds Ratio zwischen 14 und 21.4 Im Vergleich dazu weisen Biologika kein Risiko für Hospitalisierungen oder Mortalität auf“, so Winkler weiter.

Anhand des kürzlich im Zusammenhang mit COVID-19 gegründeten globalen Registers für Rheuma-Patienten (COVID-19 Global Rheumatology Alliance physician-reported registry) konnte bestätigt werden, dass neben den anderen wichtigen Faktoren wie Alter, Bluthochdruck, Lungenerkrankung und Diabetes mellitus, Glukokortikoide (≥ 10 mg, klarer Dosiseffekt) ein Risiko für Hospitalisierungen darstellen.5

Keine Rolle spielten hingegen Biologika, Antirheumatika oder Hydrochloroquin. Günstig erschien der Einsatz von TNF-alpha-Blockern: Sie boten weder ein Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion noch für einen schwereren Verlauf. Dass Glukokortikoide, nicht aber TNF-alpha-Blocker mit einem ungünstigen Verlauf von COVID-19 assoziiert sind, bestätigt auch das SECURE-IBD-Register für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.6 Auch bei Lupus erythematodes wurde kein Einfluss von Immunsuppressiva auf den Schweregrad einer COVID-19-Erkrankung nachgewiesen.7

Winkler abschließend: „Keine Schwierigkeiten bei Biologika und einer COVID-19-Erkrankung sehen auch die American Academy of Dermatology (AAD) und die ÖGR – weder hinsichtlich Anfälligkeit noch für einen schwereren Verlauf.“

Referenzen:
  1. Doran et al., Arthritis & Rheumatism 2002; 46:2287–2293
  2. Huang C et al., Lancet 2020; 395:497–506
  3. Guan WJ et al., N Engl J Med 2020; 382(18):1708–1720
  4. Braunisch MC et al., Z Rheumatol 2020; 1–8
  5. Gianfrancesco M et al., Ann Rheum Dis 2020; 0:1–8
  6. Brenner EJ et al., Gastroenterology 2020; 159(2):481–491
  7. Gartshteyn Y et al., Lancet rheumatol 2020; 2(8):e452–e454

„COVID-19 und Rheuma“, Vortrag in der Session „Rheumatologie meets Infektiologie“, virtueller Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR), 26. November 2020

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