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EAU 2019: Potenz nach Prostatektomie – kein Grund für Jubel

Radikale Prostatektomie führt auch bei nervenerhaltender Operation bei einem erheblichen Prozentsatz der Patienten zu erektiler Dysfunktion. Aktuelle Daten legen nahe, dass die RPE-Ergebnisse in dieser Hinsicht nicht besser werden. Vor allem beklagen Experten aber die schwammige Datenlage und das Fehlen verbindlicher Outcome-Parameter.

Die Angaben in der Literatur zur Häufigkeit erektiler Dysfunktion schwanken stark und bewegen sich im Falle der RPE zwischen 26 und 100% bzw. für die Strahlentherapie zwischen 8 und 85%. Prof. Dr. Suks Minhas vom University College London weist allerdings auf die unzureichende Qualität der erhobenen Daten sowie auf erhebliche Unterschiede zwischen randomisierten, kontrollierten Studien und Beobachtungen im klinischen Alltag hin. Man habe die Definitionen von Kontinenz und Potenz über die Jahre systematisch aufgeweicht, um der radikalen Prostatektomie den Schrecken zu nehmen. So definiere man beispielsweise Männer als potent, die nach Prostatektomie mithilfe von PDE5-Inhibitoren einen SHIM (sexual health inventory for men) über 17 erreichen. Dies könne man allerdings, so Minhas, nur sehr eingeschränkt als normale sexuelle Funktion bezeichnen. Angesichts der willkürlichen Definitionen von Potenz sei auch der Vergleich zwischen Studien und damit zwischen operativen Methoden schwierig. In diesem Sinne seien auch die hohen Potenzraten, die mit roboterassistierter Prostatektomie berichtet werden, mit Vorsicht zu genießen. Ein gänzlich ernüchterndes Bild zeichnet eine rezente, am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York durchgeführte Studie, die bei mehr als 2.000 in einem Zeitraum von zehn Jahren von erfahrenen Operateuren offen oder minimalinvasiv durchgeführten Prostatektomien keine Verbesserung der erektilen Funktion post OP feststellen konnte.1 Minhas fordert in diesem Sinne Studien mit objektiven, validierten Outcome-Parametern hinsichtlich der Potenz post OP. Diese seien erforderlich, um Methoden vergleichen zu können.

Verfahren der fokalen Ablation wie dem hochintensiven fokussierten Ultraschall (high intensity focused ultrasound, HIFU) wird eine im Vergleich zur radikalen Prostatektomie weniger ungünstige Wirkung auf die Potenz nachgesagt. Allerdings stelle sich hier – auch wenn alle noch offenen onkologischen Fragestellungen außer Acht gelassen werden – ein ähnliches methodisches Problem wie im Falle der RPE, so Prof. Dr. Vicenzo Ficarra aus Messina: Es fehlen die verlässlichen Daten. Zwar wird von 80–100% potenten Patienten nach fokaler Ablation berichtet2, doch könne man diese Daten anhand der aktuellen Datenlage und der Qualität der publizierten Studien derzeit nur als „vielversprechend, aber preliminär“ bezeichnen, während elf klinische Studien, die sich auf validierte Outcome-Parameter stützen, aktuell noch im Laufen sind.

Prof. Dr. Francesco Montorsi aus Mailand weist in diesem Zusammenhang auf die aktuellen EAU-Guidelines hin, die von 25–75% impotenten Patienten nach radikaler Prostatektomie sprechen und keine Aussage zu funktionellen Outcomes nach fokaler Therapie enthalten. Für einen Vergleich zwischen der fokalen Therapie und der roboterassistierten Prostatektomie fehlen laut EAU derzeit die Daten.

Referenzen

1 Capogrosso P et al.: Are We Improving Erectile Function Recovery After Radical Prostatectomy? Analysis of Patients Treated over the Last Decade. Eur Urol. 2019 Feb; 75(2): 221–22

2 Valerio M et al.: New and Established Technology in Focal Ablation of the Prostate: A Systematic Review. Eur Urol. 2017 Jan; 71(1): 17–34

Quelle: EAU Guidelines Controversies part II: „Male sexual health – Focal therapy vs. Robotic surgery for prostate cancer: Reported sexual function outcomes are misleading and require standardisation in guidelines“, Barcelona, 16. März 2019

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