Menopause: Unterschätzte neurologische Zusammenhänge
Die Menopause rückt zunehmend in den Fokus der Neurologie, da ihre hormonellen Veränderungen auch das Gehirn beeinflussen. Studien zeigen Zusammenhänge mit neurologischen Erkrankungen wie Migräne und neurodegenerativen Leiden.

Eine Umfrage unter europäischen Neurologen verdeutlicht den Nachholbedarf bei geschlechtsspezifischen Fragestellungen: Rund 60 Prozent fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet, frauenspezifische Aspekte in ihrer Praxis zu berücksichtigen. Eine Vortragsreihe beim EAN widmete sich daher den neurologischen Folgen der Menopause – und den Lücken in der Forschung.
Migräne und hormonelle Veränderungen
Dass Migräne eng mit hormonellen Veränderungen verknüpft ist, gilt mittlerweile als gut belegt. "Viele glauben, dass die Migräne mit Eintritt in die Menopause vollständig verschwindet", erklärte Dr. Anna Szewczyk-Józefczak von der Medizinischen Universität von Lublin. Doch Studien widersprechen: Eine norwegische Bevölkerungsstudie (1) zeigt, dass fast die Hälfte der betroffenen Frauen auch nach der Menopause Migräne hat, wenn auch seltener.
Rund jede zehnte Frau entwickelt Migräne sogar erst nach dem 50. Lebensjahr. Besonders häufig treten hochfrequente Kopfschmerzen in der Perimenopause auf, vor allem bei Depressionen oder Medikamentenübergebrauch, wie eine weitere Untersuchung (2) zeigte.
- Bugge NS et al. Migraine through puberty and menopausal transition-data from the population-based Norwegian Women and Health study (NOWAC). J Headache Pain. 2025 Jun 20;26(1):145. doi: 10.1186/s10194-025-02083-3.
- Martin VT et al. Perimenopause and Menopause Are Associated With High Frequency Headache in Women With Migraine: Results of the American Migraine Prevalence and Prevention Study. Headache. 2016 Feb;56(2):292-305. doi: 10.1111/head.12763.
- Lisabeth LD et al. Age at natural menopause and risk of ischemic stroke: the Framingham heart study. Stroke. 2009 Apr;40(4):1044-9. doi: 10.1161/STROKEAHA.108.542993.
- Zhu D et al. Type of menopause, age of menopause and variations in the risk of incident cardiovascular disease: pooled analysis of individual data from 10 international studies. Hum Reprod. 2020 Aug 1;35(8):1933-1943. doi: 10.1093/humrep/deaa124.
- Kremer C et al. European Stroke Organisation guidelines on stroke in women: Management of menopause, pregnancy and postpartum. Eur Stroke J. 2022 Jun;7(2):I-XIX. doi: 10.1177/23969873221078696.
Quelle: The neurological face of menopause: Rethinking migraine, stroke and Parkinson’s in postmenopausal women. EAN 2026, 27. - 30. Juni 2026, Genf
