Wie wirksam ist Sport als Therapie bei Depressionen?
Bewegung reduziert Symptome von Depression möglicherweise ähnlich gut wie eine Psychotherapie oder Antidepressiva.

Depression ist eine häufige Erkrankung. Als Standardbehandlungen gelten Antidepressiva und Psychotherapien. Viele Betroffene wünschen sich jedoch Alternativen – zum Beispiel gezielte körperliche Aktivität. Doch ist sportliche Betätigung bei einer Depression wirksam und sicher?
Einen aktuellen Überblick hierzu bietet der Cochrane-Review „Exercise for depression", veröffentlicht im Jänner 2026. Andrew Clegg (University of Lancashire) und ein neunköpfiges Team fassten die aktuelle Studienlage zusammen. Ihre Einschätzungen basieren auf 73 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die rund 5000 Personen rekrutiert hatten.
Studienaufbau und Interventionen
Alle Teilnehmenden waren mindestens 18 Jahre alt und litten an einer klinisch diagnostizierten Depression jeglichen Schweregrads. Studien zu postnataler Depression blieben ausgeschlossen.
Die untersuchten Bewegungsinterventionen umfassten ein breites Spektrum an Trainingsformen. Sie reichten von Ausdauertraining (z. B. Gehen, Joggen, Radfahren) über Krafttraining bis hin zu Kombinationen. Die Interventionen fanden sowohl im Gruppen- als auch im Einzelsetting statt.
Die Kontrollgruppen standen beispielsweise auf einer Warteliste oder erhielten ein Placebomittel. Einigen Studien verglichen die Effekte von Bewegung auch mit jenen von einer Psychotherapie oder von antidepressiver Medikation. Als primärer Endpunkt dienten depressive Symptome.
Effekte von Bewegung im Vergleich zu Kontroll- und Standardtherapien
Die aktuelle Studienlage stellt gezielter körperlicher Betätigung als Therapie ein recht positives Zeugnis aus. Es deutet sich an, dass Bewegung im Vergleich zu Inaktivität eine Verbesserung bewirkt. Auch gegenüber etablierten Behandlungsansätzen schneidet gezielte Bewegung offenbar durchaus passabel ab.
- Im Vergleich zu keiner Behandlung reduziert Bewegung möglicherweise die depressiven Symptome. Die standardisierte mittlere Differenz (SMD) beträgt −0,67 (95%-Konfidenzintervall −0,82 bis −0,52; 57 RCTs, 2189 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Das entspricht einer klinisch relevanten, also im Alltag spürbaren Verbesserung. - Im Vergleich zu psychotherapeutischen Interventionen zeigt sich wahrscheinlich kein bedeutsamer Unterschied in der Symptomreduktion (SMD 0,03; 95%-KI −0,16 bis 0,23; 10 RCTs, 414 Teilnehmende; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Das heißt, die Effekte von Sport und Psychotherapie sind vermutlich ähnlich. - Auch im Vergleich zu antidepressiver Medikation ergibt sich möglicherweise kein relevanter Unterschied bei der Reduktion depressiver Symptome (SMD −0,11; 95%-KI −0,33 bis 0,10; 5 RCTs, 330 Teilnehmende; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Demnach wirkt Sport vielleicht ähnlich gut wie Medikamente.
Auch für unerwünschte Ereignisse zeigte sich in den ausgewerteten Studien kein klarer Unterschied zwischen Bewegung und Vergleichsinterventionen; und die Akzeptanz der Therapie – gemessen als Anteil der Teilnehmenden, die die Intervention abschließen – dürfte ähnlich hoch sein.
Fazit und offene Fragen
Alles in allem ist Sport könnte eine wirksame Therapieform sein. Allerdings lassen sich auf Basis der aktuellen Studienlage keine robusten Empfehlungen ableiten.
Denn viele der eingeschlossenen Studien wiesen eine hohe Verzerrungsgefahr auf und hatten nur wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Längerfristige Effekte nach Behandlungsende waren in den eingeschlossenen Studien nur selten berichtet.
Zudem ist unklar, welche Art, Intensität und Dauer von Bewegung für welche Patientengruppen am wirksamsten ist. Für belastbare Einschätzungen sind also größere, methodisch hochwertigere Studien mit längerer Nachbeobachtung und diverseren Patientenpopulationen notwendig.

Cochrane Österreich ist die nationale Vertretung des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane, zu dem sich Gesundheitsfachleute aus über 130 Ländern zusammengeschlossen haben, um zuverlässige und unabhängige Evidenzsynthesen bereitzustellen. Cochrane Österreich wird vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds gefördert. Mehr Infos und Newsletter: www.cochrane.at
- Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS, Harris C, Smith CJ, Lightbody CE, Dwan K, Cooney GM, Mead GE, Watkins CL. Exercise for depression. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 1. Art. No.: CD004366. DOI: 10.1002/14651858.CD004366.pub7
- Faktencheck: Kann Sport gegen Depressionen helfen? - Universität für Weiterbildung Krems, 10.2.2026
