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Erster Konsensus zu atrialen Kardiomyopathien

Unter führender Mitwirkung der ESC wurde erstmals ein Konsensus-Dokument zu atrialen Kardiomyopathien erstellt und simultan in den Journalen EP-Europace, HeartRhythm und Journal of Arrhythmia publiziert.

Diese Erkrankungen sind von hoher klinischer Relevanz. „Atriale Kardiomyopathien tragen zur Entwicklung von Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung, und damit erheblich zum Schlaganfallrisiko bei“, kommentierte der Leiter der verantwortlichen Arbeitsgruppe, Prof. Dr. Andreas Götte von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Stethoscope with drawing of heart shape on black background

Vier Klassen von Myopathien definiert

Angesichts der Tatsache, dass es eine große Zahl von Publikationen über ventrikuläre Kardiomyopathien gibt, bislang aber keinen Konsensus zu den atrialen, bezeichnet Prof. Götte die Publikation als wichtigen Schritt zu besserer Forschung und Therapie in diesem Bereich. Das Dokument enthält erstmals eine klare Definition und Klassifikation der atrialen Kardiomyopathien. Definiert wird eine atriale Kardiomyopathie als „jeder den Vorhof betreffende Komplex struktureller, architektonischer, kontraktiler oder elektrophysiologischer Veränderungen, der das Potential klinisch relevanter Manifestationen hat.“
Eingeführt wurde auch ein EHRAS (EHRA/HRS/APHRS/SOLAECE) genanntes Klassifikationssystem, das basierend auf histologischen und pathologischen Befunden vier Klassen von Kardiomyopathien definiert. Dabei werden Veränderungen der Kardiomyozyten, Fibrose und jede andere Art der Infiltration berücksichtigt. Prof. Götte: „Das ist der erste Versuch, atriale Pathologien in diskrete Gruppe einzuteilen. Das System kann verwendet werden, um bei verschiedensten Krankheitsbildern die zugrundeliegende Pathologie zu beschreiben. Und letztendlich sollte es auch dabei helfen, kausale Therapien für Vorhofflimmern zu entwickeln und damit die Situation unserer Patienten zu verbessern.“ Auch auf mögliche Trigger für Vorhofflimmern wird eingegangen. Dazu zählen Mutationen, Herzinsuffizienz, Schlafapnoe, Alter, Medikamente, Hypertonie, Adipositas und Diabetes. Das Dokument enthält auch klinische Empfehlungen zur Vermeidung oder Verzögerung von Vorhofflimmern.

Unterschiedliche pathophysiologische Modelle in Diskussion

Auch Kontroversen zu Mechanismen im Zusammenhang mit Vorhofflimmern werden diskutiert. So ist beispielsweise nicht geklärt, ob das Flimmern durch kontinuierliche, zufällige Anregungen ausgelöst wird, oder ob es einzelne, mit hoher Frequenz fibrillierende „Rotoren“ gibt, die den Prozess in Gang halten. Unbestritten ist hingegen, dass Vorhofflimmern zu einem elektrischen Remodelling im Vorhof führt, das über kurze Zeit reversibel ist, bei Bestehen über Monate oder Jahre jedoch zu bleibenden Schäden führt.
Hingewiesen wird auch auf die Diskussion rund um potentielle Biomarker zur Prädiktion von Vorhofflimmern. Die Task Force nimmt hier einen kritischen Standpunkt ein und verweist darauf, dass die Evidenz für den klinischen Nutzen dieser Biomarker gegenwärtig sehr begrenzt ist. Empfohlen wird, Bildgebung für Screening und Follow Up von Patienten mit atrialen Kardiomyopathien einzusetzen. Die Echokardiographie ist die Methode der Wahl für das Screening und weitere Beobachtung, wenn die Morphologie und Funktion des linken Vorhofs im Mittelpunkt stehen. Herz-CT kann eingesetzt werden, um vor einer Ablation nach etwaigen Thromben im Vorhof zu suchen.

Das Konsensusdokument wurden erstellt von einer gemeinsamen Task Force der European Heart Rhythm Association (EHRA) als Zweig der European Society of Cardiology (ESC), der Heart Rhythm Society (HRS), der Asia Pacific Heart Rhythm Society (APHRS), und der Sociedad Latinoamericana de Estimulacion Cardiaca y Electrofisiologia (SOLAECE).

  • Aktuelle Registerdaten zum Vorhofflimmern werden am ESC 2016 im Rahmen der Session „Registries Atrial Fibrillation“ am 29. August um 8:30h präsentiert.

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