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Kinder und Corona

Studie zu Covid-19: Kinderärzte testen 1.800 Wiener Schüler

Zu Covid-19-Infektionen bei Schulkindern gibt es kaum Daten. Dann machen wir was, dachten sich zwei Kinderärzte. Tatsächlich konnten Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi von der MedUni Wien und Dr. Thomas Frischer vom Wilhelminenspital die Bildungsdirektion Wien als Partner gewinnen. Die groß angelegte Studie – von Mai bis Juni sollen 1.800 Schüler daran teilnehmen – umfasst sowohl PCR-Tests als auch Antikörpertests. Bisher konnte rund ein Drittel rekrutiert werden, zeigt sich Dr. Szepfalusi im Gespräch mit medonline zufrieden. Unterdessen sorgen immer wieder Ausbrüche an Schulen – zuletzt in Oberösterreich – für Schlagzeilen. Bis jetzt habe es aber „keine Superspreading-Events“ in Schulen gegeben, beruhigt die AGES.

„Weil wir Wissenschaftler sind“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien, seine Motivation eine derartige Studie gemeinsam mit Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Thomas Frischer, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Wilhelminenspitals, Wiener Gesundheitsverbund (vormals Krankenanstaltenverbund, KAV, Anm.), zu initiieren. Selbst europaweit gebe es keine sicheren Informationen, wie es um Covid-19-Infektionen bei Schulkindern bestellt sei, konstatiert der Kinderarzt.

Auch, dass Kinder nicht „spreaden“ würden, wie Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann (VP) wie berichtet den vorgezogenen Wegfall der Maskenpflicht schon Anfang Juni mit Öffnung der Oberstufe begründet hat, könne man „überhaupt nicht ausschließen, wir wissen es einfach nicht“, sagt Szepfalusi auf Nachfrage. Aufschluss über durchgemachte und bestehende Infektionen soll nun eine Stichprobe von 1.800 Schülern der rund 240.000 Schulkinder in Wien aus allen zwölf Schulstufen geben, um die gesamte Population repräsentativ abbilden zu können.

Bildungsdirektion Wien sucht Schüler aus

Hier kommt die Bildungsdirektion Wien ins Spiel: Diese suche die Schulen aus und lade zur Teilnahme an der Studie ein, erklärt der Pädiater. Bisher konnte schon etwa ein Drittel rekrutiert werden, ist er zuversichtlich, bis Ende Juni 1.800 Teilnehmer gefunden zu haben. Sollten Schulen (etwa durch Elternanfragen), die bisher keine Einladung erhalten haben, Interesse an der Studie haben, können sich diese an die Bildungsdirektion wenden.

Wer sich entschlossen hat, die Einladung anzunehmen, bekommt einen Termin an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU), da dort wegen der Corona-bedingten Sperre derzeit genug Platz sei, um die Tests durchzuführen: eine Blutabnahme für die Antikörperbestimmung sowie ein Rachenabstrich bzw. ein Nasen-Rachen-Abstrich für die PCR. Bei der Covid-19-Kinderstude seien nur Kinderärzte im Einsatz: „Wir machen das sehr schonend und haben wirklich viel Erfahrung“, versicherte Frischer in einem APA-Gespräch Mitte Mai. Er sollte recht behalten.

„Nasen-Abstrich nicht angenehm, aber Ärzte nett“

„Das war toll organisiert, alle waren sehr freundlich“, berichtet die Mutter eines Volksschulkindes gegenüber medonline. Ihre Tochter hatte noch nie eine Blutabnahme gehabt, auch natürlich keinen Nasen-Rachen-Abstrich, jedoch sei alles gut über die Bühne gegangen. „Der Nasen-Abstrich war aber nicht angenehm“, fällt ihr die Tochter ins Wort. Nichtsdestotrotz bezeichnet die Sechsjährige die Ärzte als „nett“. Unter den Kindern sei Covid-19 schon ein Thema, manche hätten auch Angst, berichtet die junge Mutter, die die Einladung der Bildungsdirektion sofort angenommen habe: „Damit wir es wissen.“

Seit kurzem weiß sie zumindest, dass ihr Kind den Virus derzeit nicht hat, das Ergebnis des PCR-Tests fiel negativ aus. Gedulden muss sie sich jedoch noch, ob ihre Tochter SARS-CoV-2 sich schon vorher eingefangen hat und womöglich eine stille Covid-19-Infektion durchgemacht sowie Antikörper gebildet hat. Die Ergebnisse bzw. Analysen der Antikörpertests sollen im Sommer vorliegen, jedenfalls vor dem Schulstart im Herbst, sagt Szepfalusi, der hofft, weiterhin „mit gutem Wind“ in die Endphase der Studie zu kommen. Die Frage, ob bisher schon Schüler der Studie positiv getestet wurden, bejaht er: „Es gab schon Fälle, aber sehr wenige.“ Ist ein PCR-Test positiv, werden die Eltern und die Gesundheitsbehörden sofort verständigt und entsprechend nach den Vorgaben reagiert.

AGES: Keine „Superspreader“ bis jetzt

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bestätigte auf Nachfrage, dass es seit Beginn der Corona-Krise bis zum 29.05.2020 von 355 Clustern lediglich vier im Zusammenhang mit Schulen oder Kindergärten mit insgesamt nur 23 Fällen gegeben hat. Ähnlich wie Faßmann betont die AGES, allerdings mit einem entscheidenden Präfix, „bis jetzt keine Superspreading-Events in Schulen“ geortet zu haben, „einzelne Einträge schon“.

Um seriöse Aussagen treffen zu können, kündigte die AGES an, die Phase vor dem Lockdown Mitte März mit der Phase ab Mitte Mai (die ersten Schulöffnungen) bis Ende Juni zu vergleichen. Gefragt zu Ausbrüchen außerhalb Wiens in den Bundesländern, konkret zuletzt in Oberösterreich, wollte man keine Angaben machen und verwies auf die Landesebene.

OÖ: Vier infizierte Schüler an zwei Schulen

In Oberösterreich sorgten vergangenes Wochenende gleich mehrere Covid-19-Fälle an zwei Schulen für Schlagzeilen in den „OÖNachrichten“: Demnach hatten sich drei Schwestern sowie ein weiteres Familienmitglied an der Volksschule St. Georgen an der Gusen, Bezirk Perg, sowie eine Schülerin der Otto-Glöckel-Schule (NMS) in Linz mit dem Virus angesteckt. Für Ärger bei Eltern und Lehrer sorgte der Umgang der Behörden mit der Situation: In St. Georgen an der Gusen waren 70 der 170 Schüler und neun der 20 Lehrer getestet worden, alle negativ, dennoch mussten ein Großteil der Schüler sowie alle Lehrer in 14-tägige Quarantäne.

An der Linzer Mittelschule wurden hingegen nur acht Schüler getestet, hieß es im Bericht, und nur fünf von sechs Lehrern, die Kontakt zur Schülerin hatten, vom Magistrat Linz informiert und befragt. Laut der Tageszeitung waren diese Lehrer nur einen Tag in Quarantäne (Samstag) und mussten am Montag, 08.06.2020, wieder unterrichten. Für Verärgerung sorgte auch, dass das erkrankte Mädchen noch vergangenen Mittwoch den Unterricht besucht hatte, obwohl ihr Bruder schon in der Vorwoche positiv getestet worden war.

Verweis auf Bundesrichtlinien, Lage unter Kontrolle

Der Krisenstab des Landes Oberösterreich informierte auf Anfrage von medonline, dass die Testungen in St. Georgen an der Gusen „anhand der klaren Containment-2.0.-Richtlinien des Bundes“ verlaufen seien, die Kontaktpersonen seien getestet worden. Was Linz betreffe, ergab das Kontaktpersonenmanagement, dass acht Kinder und sechs Lehrkräfte „abgesondert und getestet“ wurden. Nähere Details seien mit Stand Dienstagnachmittag noch nicht bekannt gewesen.

Wie es den Kindern gehe und ob sie hospitalisiert werden mussten, dazu könne man aus Datenschutzgründen keine näheren Angaben machen. Wichtig ist dem Krisenstab aber: „Wir appellieren insbesondere an die Eigenverantwortung der Menschen, Hygiene- und Schutzvorschriften weiter einzuhalten und den Abstand zu anderen zu halten. Die Lage ist unter Kontrolle. Das Kontaktpersonenmanagement läuft bei neuen Fällen grundsätzlich sehr gut.“

Falsche Angaben des Rätsels Lösung

Am Mittwoch, 10.06.2020, klärte sich auch die Situation an der Otto-Glöckel-Schule: Der erwachsene Bruder, der nicht im Haushalt der Schülerin wohnt, hatte falsche Angaben gemacht und doch Kontakt zur Schwester gehabt. „Als Behörde müssen wir uns auf die Angaben von Verdachtspersonen verlassen können, weil wir sie nicht verifizieren können“, wird Dietmar Nemeth, Direktor der Gesundheitsbehörde der Stadt Linz, in den „OÖNachrichten“ zitiert. Dass die Lehrer schon am Montag wieder unterrichten mussten, begründete auch Nemeth in dem Bericht mit den „strengen Vorgaben“ des Bundes: Die Lehrer hätten laut ihren Angaben keinen unmittelbaren Kontakt zur Schülerin, die nur einen Tag mit Mundschutz in der Schule war, gehabt. Drei von 14 Testergebnissen lagen bis Dienstag vor, sie waren negativ.

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