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Malaria: Gefahr von Superbugs durch Antibiotika

Mosquitos mit einer durch Penicillin und Streptomycin beeinträchtigten Darmflora scheinen noch effektivere Malaria-Überträger zu sein.

Foto: WHO/S. Hollyman

Manche Antibiotika stören die Darmflora von Mücken. Dies scheint die Insekten zu noch effektiveren Malaria-Überträgern zu machen.

Antibiotika stören bekanntlich die humane Darmflora. Im Fachmagazin Nature Communications beschreiben Wissenschaftler um Mathilde Gendrin vom Imperial College London, dass sich auch die Darmbakterien von Mosquitos der Sorte Anopheles gambiae, die sich an mit Antibiotika angereichertem, menschlichem Blut laben, verändern können.

Die Forscher verfütterten Mücken Blut von mit dem Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum infizierten Kindern. Einige Proben wurden mit einem Antibiotika-Cocktail aus Penicillin und Streptomycin angereichert, andere mit einer Kontroll-Lösung. Jene Mücken, die das mit Antibiotika versetzte Blut saugten, tendierten danach eher zur Aufnahme der Parasiten als die Mücken der Kontrollgruppe.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Insekten aus dem Kontakt mit den zwei untersuchten Antibiotika gewissermaßen profitierten, denn sie lebten länger und bekamen mehr Nachkommen als die anderen Mücken in den Tests.

Gendrin räumt ein, dass es zu früh sei, von den beiden in der Studie untersuchten Antibiotika Rückschlüsse auf andere Antibiotika zu ziehen. Es sei auch möglich, dass diese keinerlei Wirkung auf Malaria haben oder sogar gegenteilige Effekte bewirken und vor Malaria schützen. So wird beispielsweise Doxycyclin zur Malaria-Prävention eingesetzt.

George Christophides, einer der Autoren, geht davon aus, dass die Interaktion zwischen Antibiotika und der Malariaübertragung durch Mücken nicht nur für Patienten mit Malaria, sondern auch für jene mit HIV oder Tuberkulose bedeutsam sein könnte, da bei diesen Erkrankungen über Monate hinweg Antibiotika verabreicht werden. Aufgrund der hohen Prävalenz von Tuberkulose und HIV in Malariagebieten versuchen Christophides und seine Kollegen nun herauszufinden, wie sich die Antibiotika-Einnahme auf die Malaria-Transmission auswirkt. Es lässt sich nämlich nicht ausschließen, dass aus Mosquitos womöglich “Superbugs” werden könnten. Zudem möchten sie untersuchen, welche Effekte Antibiotika auf die Darmbakterien von Mücken haben.

Christophides rät Ärzten zu einer Kombination mit Atovaquon, wenn sie Malaria-Patienten Penicillin und Streptomycin verschreiben. Mit Atovaquon könne nämlich sowohl die Malaria behandelt als auch deren Übertragung blockiert werden. Dies könne vor allem für kleine Kinder bedeutsam sein. Zudem sei es wichtig, jene Antibiotika zu identifizieren und auszuwählen, die keine Malaria-Transmission fördern.

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Mathilde Gendrin, Faye H. Rodgers, Rakiswendé S. Yerbanga, Jean Bosco Ouédraogo, María-Gloria Basáñez, Anna Cohuet, George K. Christophides
Antibiotics in ingested human blood affect the mosquito microbiota and capacity to transmit malaria
Nature Communications 6: 5921, Published 06 January 2015, doi:10.1038/ncomms6921

Quelle: Scientific American

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