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Wie schädlich sind Transfettsäuren?

Die deutsche LURIC-Studie ergab, dass sich in geringen Konzentrationen im Blut vorhandene Transfettsäuren (TFA) bei den Probanden auch dann nicht schädlich auf den menschlichen Organismus auswirken, wenn die Fette aus industrieller Produktion stammen.

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Die Auswertung der deutschen LURIC-Studie ergab zur Überraschung der Forscher, dass höhere Konzentrationen von Transfettsäuren aus der industriellen Lebensmittelproduktion nicht mit einer höheren Gesamt-Mortalität korrelierten.


Entgegen früherer Annahmen wirken sich Transfettsäuren (TFA), wenn sie in geringen Konzentrationen im Blut vorhanden sind, auch dann nicht schädlich auf den menschlichen Organismus aus, wenn die Fette aus industrieller Produktion stammen. Die Auswertung der deutschen LURIC-Studie ergab zur Überraschung der Forscher, dass höhere Konzentrationen von Transfettsäuren aus der industriellen Lebensmittelproduktion nicht mit einer höheren Gesamt-Mortalität korrelierten. Die Resultate widersprechen jenen vergleichbarer US-amerikanischer Studien, nach denen hohe Spiegel von industriell produzierten Transfettsäuren unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus führen können. Der Unterschied könnte womöglich auf die insgesamt deutlich niedrigeren TFA-Spiegel der deutschen Studienteilnehmer zurückgeführt werden.

Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health (LURIC) StudyIm European Heart Journal wurden neue Resulate der Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health (LURIC) Studie veröffentlicht, die von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und der Ludwig Maximilians Universität München (LMU) durchgeführt wurde.

LMU-Forscher und das Team um Marcus Kleber von der Universitätsmedizin Mannheim eruierten anhand der Daten der LURIC-Kohorte, ob es bei einer Ernährungsweise, die eine hohe Aufnahme industrieller Transfettsäuren mit sich bringt, eine unbedenkliche TFA-Konzentration für den Menschen gibt und ob Transfettsäuren aus der Lebensmittelproduktion und natürliche Transfettsäuren die Gesundheit unterschiedlich beeinflussen.

Im Zuge der LURIC-Studie wurden von 1997 bis 2000 insgesamt 3.316 Probanden rekrutiert, die eine Koronarangiographie erhielten. Die Teilnehmer wurden knapp zehn Jahre lang nachbeobachtet. In dieser Zeit verstarben rund 30 Prozent der Patienten.

Die beteiligten Wissenschaftler untersuchten mit dem HS-Omega-3 Index® die Konzentrationen von fünf Transfettsäuren in den Erythrozyten, die als Marker für den jeweiligen Anteil natürlicher und industriell erzeugter Transfettsäuren dienten, und analysierten die ermittelten TFA-Gehalte  hinsichtlich der jeweiligen Krankengeschichten, Todesfälle und Todesursachen. Das Ergebnis beeinflussende Faktoren wie Rauchen, Body Mass Index (BMI), Hypertonie, Diabetes mellitus und die Einnahme von Cholesterinsenkern wurden in der statistischen Analyse berücksichtigt.

Höhere Konzentrationen industrieller Transfettsäuren korrellierten nicht mit höherer Gesamtmortalität

Bei den Probanden waren höhere TFA-Konzentrationen in den Erythrozyten mit einem höheren Gehalt an LDL-Cholesterin und einem niedrigeren BMI, einem geringeren Gehalt bestimmter anderer Blutfette und einem niedrigeren Diabetesrisiko assoziiert. Zur Überraschung der Forscher gingen höhere Konzentrationen der industriellen Transfettsäuren nicht mit einer höheren Gesamtmortalität einher.

Vergleichbare US-amerikanische Studien hatten ergeben, dass hohe Spiegel industriell produzierter Transfettsäuren unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus führen können. Die deutschen Wissenschaftler vermuten die insgesamt deutlich niedrigeren TFA-Spiegel der deutschen Studienteilnehmer als Ursache für die unterschiedlichen Ergebnisse bei deutschen und US-amerikanischen Probanden. So lag der TFA-Anteil in den Erythrozyten der LURIC-Probanden bei durchschnittlich unter einem Prozent, während aus den USA in einem vergleichbaren Zeitraum Durchschnittswerte von über 2,6 Prozent berichtet wurden.

Die LURIC-Auswertung ergab darüber hinaus, dass Transfettsäuren natürlichen Ursprungs in den Erythrozyten mit einer niedrigeren Gesamtmortalität verbunden waren.

Marcus Kleber von der Universitätsmedizin Mannheim erklärte in einer Aussendung, dass die niedrigen Spiegel von Transfettsäuren aus der Lebensmittelproduktion, die in der LURIC-Studie gefunden wurden, kein Risiko für die Gesundheit darstellen dürften

Marcus E. Kleber, Graciela E Delgado, Stefan Lorkowski, Winfried März, Clemens von Schacky
Trans Fatty Acids and Mortality in Patients referred for Coronary Angiography – The Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health Study
European Heart Journal, First published online: 22 September 2015, DOI: 10.1093/eurheartj/ehv446

Quelle: Universitätsmedizin Mannheim

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