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Nasale Impfstoffe in Entwicklung; häufige Darmsymptome infolge von Covid

Coronavirus Warnung

+++ Schnupfen statt Stechen mit nasalen Impfstoffen – Covid-19 verursacht bei 60 Prozent der Patienten auch Darmsymptome – Relativ gute Prognose bei Lungenschäden – Hinweise auf Ursachen für Herzmuskelentzündung nach Impfung Corona-Prognose deutet auf weiteren Anstieg hin – Valneva warnt vor Scheitern von weiterem Impfstoffprojekt +++

Schnupfen statt Stechen mit nasalen Impfstoffen

Coronaviren verbreiten sich bekanntermaßen vor allem durch die Luft und gelangen in der Regel zunächst in Nase, Rachen und Lunge. Daher erscheint es logisch, direkt dort, in den Schleimhäuten, auch mit der Bekämpfung der Erreger zu beginnen und eine Infektion bestenfalls ganz zu vermeiden. Tatsächlich arbeiten Forscher schon lange an Schleimhaut-Impfstoffen. Diese sollen direkt in die Nase verabreicht beziehungsweise inhaliert werden.

Die Schleimhautimpfstoffe sollen eine Immunität direkt am Eintrittsort, der Oberfläche der Schleimhäute von Nase und Hals, von Sars-CoV-2 aufbauen und die Erreger dann zügig bekämpfen. Anfang September wurden zwei Präparate in Indien und China zugelassen. Dutzende weitere Kandidaten befinden sich in Entwicklung, einige werden bereits in klinischen Studien getestet.

Der Impfstoff des chinesischen Herstellers CanSinoBIO wird inhaliert und ist als Booster zugelassen. Das indische Präparat, entwickelt vom Unternehmen Bharat Biotech, ist auch für die Grundimmunisierung zugelassen und wird in die Nase verabreicht. Beide Präparate beruhen auf abgeschwächten Adenoviren.

Die Hoffnung ist, dass die in den Schleimhäuten aufgebaute Immunität auch für längere Zeit vor Ansteckung schützt und die Weitergabe des Erregers bremst. Bisher gibt es vergleichsweise wenig Erfahrung mit der Messung der Immunität in Schleimhäuten, viele Fragen sind noch offen

Einige Studien zu Schleimhaut-Impfstoffen sind aber im Laufen, in den USA ist etwa das Pharmaunternehmen Codagenix weit vorangeschritten. Eigenen Angaben zufolge testet es sein Präparat in einer klinischen Studie der fortgeschritteneren Phase II/III in Zusammenarbeit mit dem Serum Institut of India im Rahmen eines WHO-Projekts.

In Deutschland arbeitet der Biologe Emanuel Wyler in einem Team mit Wissenschaftlern der Charité unter Federführung der FU Berlin an einem Nasenspray-Impfstoff, der genau wie der Impfstoff von Codagenix auf abgeschwächten Coronaviren basiert. Der Vorteil hierbei ist, dass dem Immunsystem ein vollständiges Virus präsentiert wird – und nicht nur einzelne Eiweiße wie in den meisten anderen der derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe. Man erhofft sich davon einen besseren Schutz auch vor neu auftauchenden Varianten.

Ergebnisse aus Tierversuchen verliefen demnach erfolgreich: Der Impfstoff rief bei Hamstern eine effektive Immunantwort hervor, nach zwei Dosen hätten die Tiere nach einer gezielten Infektion mit dem Coronavirus fast keine Anzeichen einer Erkrankung und sehr geringe Entzündungswerte gezeigt. Als Booster nach einer vorangegangenen mRNA-Impfung schützte der Nasen-Impfstoff besser als zwei mRNA-Impfstoff-Dosen allein.

Ein speziell bei einem intranasal verabreichten Impfstoff zu berücksichtigender Sicherheitsaspekt betrifft die Nähe zu den Gesichtsnerven. Der nasale Grippeimpfstoff eines Schweizer Pharmaunternehmens wurde 2001 vom Markt genommen, nachdem sich Fälle von Gesichtslähmung bei Geimpften häuften.

Aber braucht man solche Impfstoffe in der Corona-Pandemie überhaupt noch? Schließlich ist in vielen Ländern die Immunität in der Bevölkerung dank der Impfungen und als Folge der Infektionen mittlerweile deutlich angestiegen. Der Epidemiologe Klaus Stöhr ist skeptisch. Ihm zufolge ist eine Zulassung in allen Altersgruppen „extrem unwahrscheinlich“ – ein weit verbreiteter Einsatz aber nötig, um die Viruszirkulation zu stoppen oder die Entstehung von Immunflucht-Varianten zu verhindern.

Der Immunologe Leif Erik Sander kann sich eine gezielte Anwendung der Impfstoffe in besonderen Personengruppen oder besonderen Situationen hingegen gut vorstellen, etwa bei Pflegeheimbewohnern zur regelmäßigen Auffrischung der Immunität. Auch für Menschen mit starker Spritzenangst seien nasale Impfstoffe interessant, so Wyler. Er weist allerdings auch auf die hohen Hürden hin, den ein Schleimhautimpfstoff mit Blick auf die Zulassung nehmen muss. Er müsse sich gegen alle auf dem Markt befindlichen Impfstoffe durchsetzen, „er muss einfach besser sein“. (APA/dpa/red)

Covid-19 verursacht bei 60 Prozent der Patienten auch Darmsymptome

Infektionen mit SARS-CoV-2 greifen hauptsächlich die Lunge an, können aber auch andere Organe wie den Darm schädigen: Bei rund 60 Prozent der Patienten wurden Auswirkungen auf den Verdauungstrakt festgestellt. Neue Erkenntnisse dazu von Forschenden der MedUni Wien könnten die Grundlage für weiterentwickelte Behandlungsstrategien bilden. Sie wurden im „International Journal of Molecular Sciences“ publiziert (https://doi.org/10.3390/ijms231810451 https://www.mdpi.com/1422-0067/23/18/10451#stats_id).

Im Fokus des wissenschaftlichen Teams unter der Leitung von Diana Mechtcheriakova vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung stand die Untersuchung von Besonderheiten und Gemeinsamkeiten in der Auswirkung von Covid-19 auf Lunge und andere Organe. Es stellte sich heraus, dass pulmonal und gastrointestinal ein unterschiedlicher molekularer Mechanismus abläuft. Während bei Corona-Infektionen der Lunge klassische Reaktionen des Immunsystems auftreten, zeigen sich im Magen-Darm-Trakt Folgen in Zusammenhang mit dem Leber- und Fettstoffwechsel.

Bei bis zu 60 Prozent der Covid-Kranken treten demnach gastrointestinale Symptome auf, die mit einer längeren Krankheitsdauer und/oder einem schlechteren Verlauf verbunden sein können. „Unsere Erkenntnisse können die Identifizierung neuer Biomarker und Behandlungsstrategien von Covid-19 vorantreiben, welche die spezifischen Reaktionen bei Manifestationen außerhalb der Lunge berücksichtigen“, kündigte Diana Mechtcheriakova, Leiterin der Forschungsgruppe Molekulare Systembiologie und Pathophysiologie der MedUni Wien, Folgestudien an. (APA)

Relativ gute Prognose bei Lungenschäden

Lungenschäden infolge einer Covid-19-Erkrankung bilden sich zu einem guten Teil zurück. Die Regeneration des Lungengewebes erreicht aber nach sechs Monaten ein Plateau. Insgesamt sieht die Prognose für die Betroffenen relativ gut aus. Dies sagte am Dienstag, 27.9., die Innsbrucker Pneumologin Judith Löffler-Ragg bei einer Online-Pressekonferenz aus Anlass der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG).

Covid-19 bleibt jedenfalls ein Thema, wie bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Tagung erklärt wurde. Es geht für die Lungenfachärzte jetzt zunehmend um Patienten, die längerfristig an den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion leiden (Long Covid und Post Covid). Sie treten laut Löffler-Ragg offenbar unabhängig davon auf, wie schwer die Erkrankung selbst verlaufen ist. „Erschöpfung, neuro-kognitive Beeinträchtigungen und Kurzatmigkeit sind die häufigsten Beschwerden“, sagte die Expertin.

Die Häufigkeit langanhaltender Beschwerden nach Covid-19 ist laut den vorliegenden internationalen Studien sehr unterschiedlich. „Die Prävalenz liegt zwischen wenigen Prozent bis mehr als 50 Prozent“, sagte Judith Löffler-Rag. In einer Patientengruppe (hospitalisiert) der Innsbrucker Universitätsklinik mit einem Anteil von 25 Prozent an ehemaligen Intensivpatienten zeigte noch jeder Zweite nach einem Jahr Symptome. Die Lungenspezialistin: „Aus pneumologischer Perspektive berichten bis zu 30 Prozent der Post-Covid-Betroffenen von Kurzatmigkeit und Husten. Im Innsbrucker ‚Kollektiv‘ waren es nach zwölf Monaten 22 Prozent, die noch an Kurzatmigkeit und Husten litten.“ In China (Wuhan) nahm dieser Anteil innerhalb von zwei Monaten schließlich auf 14 Prozent ab.

Fazit: Die Lunge regeneriert sich auch nach schweren Schäden durch Covid-19 zumeist recht gut. Nach sechs Monaten ist aber zumeist eine Stagnation des Heilungsprozesses zu bemerken. Auch wenn beispielsweise in Computertomografie-Untersuchungen bleibende Veränderungen im Gewebe festzustellen sind, bedeutet das zumeist keine Minderung der Lebensqualität, so die Expertin. Nur in Einzelfällen müsse eine Lungentransplantation erfolgen oder es bleibt eine Abhängigkeit von künstlicher Sauerstoffzufuhr erhalten. Reha-Maßnahmen inklusive Atmungsphysiotherapie und Ausdauertraining helfen jedenfalls.

Durch Covid-19 nur vorübergehend abgenommen hat die Häufigkeit von akuten Komplikationen bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Das war in den vergangenen zwei Jahren laut dem Linzer Pneumologen Bernd Lamprecht vor allem durch das Maskentragen wegen SARS-CoV-2 und damit auch durch die Verhinderung anderer Atemwegsinfektionen bedingt. Solche „Exazerbationen“ führen bei COPD-Patienten oft zu Spitalsaufenthalten und können auch nachhaltig eine Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes auslösen. Laut einer spanischen Beobachtungsstudie fiel die Exazerbationsrate bei COPD-Patienten während der Pandemie kurzfristig auf etwa ein Viertel des Ausgangswertes, um schließlich mit dem Aufheben der Hygienemaßnahmen wieder deutlich zu steigen.

Laut Lamprecht sollten gerade COPD-Patienten weiterhin, zumindest während der Jahreszeit mit vermehrten Atemwegsinfektionen, Masken tragen. Weiters sei ein umfassender Impfschutz gegen Influenza, Pneumokokken und Keuchhusten (Pertussis) sowie Covid-19 dringend anzuraten. An neuen Therapiemöglichkeiten bei COPD dürften in nächster Zukunft auch monoklonale Antikörper (Anti-Interleukin-33) hinzukommen, welche die bei COPD krankhaft vermehrte Schleimproduktion in den Bronchien bremsen. Auch Verfahren zur Verödung verengter Bronchien infolge der chronischen Erkrankung sind in Entwicklung. (APA/red)

Hinweise auf Ursache für Herzmuskelentzündungen nach Impfung

Forscher haben Hinweise darauf gefunden, was die Ursache für Herzmuskelentzündungen nach Corona-Impfungen sein könnte. Eine solche Nebenwirkung ist äußert selten und heilt meist problemlos, trat aber dennoch statistisch gehäuft bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern nach Immunisierungen mit mRNA-Impfstoffen auf.

Ein Forscherteam aus Deutschland und Israel hat nun einen neuen Mechanismus bei der Entstehung sogenannter Myokarditiden aufgedeckt, wie die Universität des Saarlands in Homburg berichtete, die an den Untersuchungen beteiligt war. Die Studie wurde im „New England Journal of Medicine“ als Kurzbericht publiziert.

Es wurden Blutproben von Patienten analysiert, von denen meist auch eine Herzmuskelbiopsie nach einer Myokarditis vorlag. Insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern konnten dabei sogenannte Autoantikörper gegen einen zentralen körpereigenen Entzündungshemmer (Interleukin-1-Rezepetor-Antagonist) nachgewiesen werden. Dadurch werde die Wirkung entzündungsfördernder Botenstoffe begünstigt, wie Lorenz Thurner vom José-Carreras-Center des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg berichtete. (APA/dpa)

Corona-Prognose deutet auf weiteren Anstieg hin

Dass die Corona-Pandemie kurz vor ihrem Ende steht, ist zumindest dem österreichischen Prognosekonsortium zufolge nicht in Sicht. Im Gegenteil: Laut der Prognose vom Mittwoch, 28.9., steigen die Fallzahlen in Österreich, und das spiegelt sich mittlerweile auch eindeutig in den heimischen Spitälern wider. Dass sich dieser Trend in den nächsten Wochen umkehrt, ist laut Konsortium nicht zu erwarten.

Demnach steigen die vorliegenden Parameter der Fallzahlen in allen Altersgruppen „substanziell“ an, das würden auch die letztverfügbaren Abwasserdaten bestätigen, so das Konsortium. „Diese Entwicklung entspricht der erwarteten Beschleunigung des Infektionsgeschehens durch saisonale Einflüsse (ein vergleichsweise kühler September) und höheren Kontakthäufigkeiten in Schule und Arbeitsplatz seit dem Ende der Urlaubszeit. Auch fehlende mitigierende Maßnahmen wie Schultests und Quarantänepflicht tragen zu der Dynamik bei“, schrieb das Konsortium. Genaue Zahlen zur Inzidenz für die kommenden sieben Tage werden seit einigen Wochen aufgrund der geringeren Testungen und damit unklarer Dunkelziffer der Neuinfektionen nicht mehr prognostiziert.

Eine genauere Prognose gibt es allerdings für die zu erwartende Auslastung in den Krankenhäusern: Demnach werden für den letzten Prognosetag, den 12. Oktober, 1.200 bis 1.963 durch Covid- Patienten belegte Betten auf den heimischen Normalstationen erwartet. Der Mittelwert liegt demnach bei 1.535 Betten. Am gestrigen Dienstag (27.9.) waren es bereits 1.291 Spitalspatienten, 75 davon auf Intensivstationen. Diese Zahl könnte bis 12. Oktober auf bis zu 120 steigen, so das Konsortium. Der Mittelwert wurde mit 93 Intensivpatienten am 12. Oktober angenommen. (APA)

Valneva warnt vor Scheitern von weiterem Impfstoffprojekt

Der französisch-österreichische Biotechkonzern Valneva wird womöglich keinen zweiten Anlauf für einen Covid-19-Impfstoff nehmen. Valneva befinde sich zwar in laufenden Gesprächen mit einem potenziellen Partner über einen Impfstoff der zweiten Generation, diese könnten aber mehrere Monate dauern und möglicherweise nicht erfolgreich sein, warnte Valneva am Montag, 26.9. Das Unternehmen werde nur einen solchen Impfstoff herstellen, wenn es die erforderliche Finanzierung erhalte.

Der Totimpfstoff von Valneva gegen Covid-19 war Ende Juni in der EU zugelassen worden, das Unternehmen musste auf dem Weg dorthin aber zahlreiche Rückschläge einstecken. Die Europäische Kommission schrumpfte den Liefervertrag wenige Wochen später drastisch auf bis zu 2,5 Millionen Dosen von einst 60 Millionen, unter anderem wegen Verzögerungen im Zulassungsverfahren und einer geringeren Impfstoffnachfrage, die durch ein Überangebot an Vakzinen in der EU verursacht wurde. Die Produktion wurde von Valneva inzwischen gestoppt. (APA/Reuters)

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