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Dänemark: Keine COVID-19-Impfung mehr für Kinder und Jugendliche

Die dänische Gesundheitsbehörde hat das COVID-19-Impfprogramm für unter 18-Jährige eingestellt. Konkret ist die Erstimpfung gegen SARS-CoV-2 seit 1. Juli 2022 und die Zweitimpfung ab 1. September – bis auf wenige Ausnahmen – nicht mehr möglich. Begründet wird dies damit, dass Omikron nur „sehr selten“ einen schweren Verlauf bei Kindern und Jugendlichen nach sich ziehe. In Österreich hingegen empfiehlt das Nationale Impfgremium (NIG) die 3. Impfung ab 5 Jahren „spätestens ab Schulbeginn“.

Bereits am 15. Mai hat die Gesundheitsbehörde „Sundhedsstyrelsen“ in Dänemark das allgemeine COVID-19-Impfprogramm „für die laufende Saison“ abgeschlossen. Allerdings kündigte die Behörde an, das Programm für einige Zielgruppen in der Herbst- und Wintersaison 2022/23 wieder aufzunehmen. Kinder und Jugendliche werden aber nicht mehr dabei sein.

Denn sie würden nur „sehr selten schwer“ an COVID-19 erkranken, heißt es auf der Website (aktualisiert am 22. Juni): Daher sei ab dem Juli 2022 für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren die 1. Impfung und ab dem 1. September 2022 die 2. Impfung nicht mehr möglich. Lediglich Kinder mit „besonders erhöhtem Risiko“ für einen schweren Verlauf hätten „nach individueller Einschätzung durch einen Arzt“ noch die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Auch bei Erwachsenen sind die Dänen eher zurückhaltend mit den Impfempfehlungen. Seit dem Abschluss der Impfsaison Mitte Mai werden keine Impfeinladungen mehr versendet. Auch Jugendliche, die inzwischen 18 Jahre alt wurden und zuvor zwei Impfungen erhalten haben, werden nicht zum 3. Stich eingeladen. Wenn dennoch jemand impfen gehen will, sei dies unter bestimmten Voraussetzungen möglich, u.a. müssen mindestens drei Monate seit der zweiten Injektion vergangen sein.

Völlig ungeimpfte Erwachsene: Impfbeginn erst im Herbst empfohlen

Für völlig Ungeimpfte wird nur die 1. und 2. Impfung empfohlen und das auch nicht sofort: „Generell empfehlen wir ungeimpften Personen, die Impfserie im Herbst zu beginnen.“ Konkret startet das Impfprogramm wieder am 1. Oktober 2022, nur in Pflegeheimen und bei besonders gefährdeten älteren Menschen soll der Start für den Booster (4. Stich) um den 15. September herum sein. Ansonsten plant die dänische Gesundheitsbehörde vorerst, Personen ab 50 Jahren eine Auffrischungsimpfung (4. Stich) anzubieten – sowie auch Menschen unter 50 mit stark geschwächtem Immunsystem, sofern sie „nach ärztlicher Einschätzung“ von einer Impfung profitieren würden. In Österreich empfiehlt das Nationale Impfgremium (NIG) schon länger den vierten Stich, und zwar ab 60 Jahren seit 10.08.2022 (vorher ab 65 Jahren) sowie Risikopersonen unter 60 Jahren.

Viertimpfung in Dänemark ab Oktober für über 50-Jährige geplant

Warum im Herbst wieder geimpft werden muss, begründet die Behörde wie folgt: Dänemark habe eine sehr hohe Bevölkerungsimmunität erreicht, sowohl wegen der hohen Impftreue als auch wegen der vielen COVID-19-Infektionen. Aber man müsse damit rechnen, dass die Immunität mit der Zeit nachlasse und im Herbst/Winter COVID-19 wieder aufflammen werde. Daher wolle man jene Menschen, die am stärksten von einem schweren Verlauf bedroht sind, impfen, um sie zu schützen – falls sie sich anstecken. Angeboten werden die mRNA-Impfstoffe Comirnaty® von Pfizer oder Spikevax® von Moderna, mit denen die überwiegende Mehrheit der Menschen in Dänemark bereits geimpft wurde.

Dänemark gehört jedoch zu den wenigen EU-Ländern (neben Österreich, Deutschland, Finnland und Bulgarien, siehe Bericht hier), die den inaktivierten Ganzvirusimpfstoff „VLA2001“ von Valneva bestellt haben. Auch auf der Website der dänischen Gesundheitsbehörde heißt es: Die Entwicklung neuer Impfstoffe schreite schnell voran, die dänische Gesundheitsbehörde werde diesen Herbst neu bewerten, welche Impfstoffe im Programm angeboten werden sollen. Da Valneva aber vorerst nur für 18- bis 50-Jährige zugelassen worden ist, wird eine neue Bewertung dänische Kinder und Jugendliche auch nicht betreffen.

NIG: Immunkompetente ab 5 Jahren Drittimpfung spätestens zu Schulbeginn

Die Risiko-Nutzen-Einschätzung der COVID-19-Impfung für unter 18-Jährige fällt in Österreich deutlich anders aus. Das NIG betont in seinen am 10.08.2022 aktualisierten Empfehlungen* „für immunkompetente Personen ab 5 Jahren“ eine 3. Impfung ab 6 Monate nach der 2. Impfung im Schema 2+1. Und: „Bei Kindern von 5–11 Jahren soll diese 3. Impfung spätestens zu Schulbeginn erfolgen.“

Für die 3. Impfung empfiehlt das NIG vorzugsweise mRNA-Impfstoffe, es könne jedoch auf Wunsch, nach Impfnebenwirkungen etc. auch jeder andere verfügbare Impfstoff entsprechend der Alterszulassung und unter Berücksichtigung etwaiger Gegenanzeigen eingesetzt werden (off label). Für Erwachsene sind dies neben den mRNA-Impfstoffen auch Vaxzevria® von AstraZeneca und Jcovden® von Janssen. Für Kinder von 5–11 wird nur Comirnaty® empfohlen, für 12- bis 17-Jährige aber auch Nuvaxovid® von Novavax (off label).

142 Kinder mit PIMS/MIS-C in Österreich – bis September 2021

Die COVID-19-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche begründet das oberste Impfgremium wie folgt: Kinder und Jugendliche erkranken im Vergleich zu Erwachsenen zwar „selten schwer“ an COVID-19, dennoch sind auch bei ihnen Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe durch COVID-19-Pneumonie oder Hyperinflammationssyndrom (PIMS, MIS-C) beobachtet worden. Auch Zahlen gibt das NIG an: Bis September 2021 wurden in Österreich 142 Fälle eines Hyperinflammationssyndrom bei Kindern und Jugendlichen gemeldet (= 0,14 Prozent bei zirka 100.000 SARS-CoV-2-Infektionen). Die jährlichen Hospitalisierungsraten lagen bei Kindern ab 5 Jahren bei 1:2.000–1:5.000. Das NIG weist zudem darauf hin, dass Kinder und Jugendliche auch nach milden und asymptomatischen Verläufen unter Long Covid leiden können.

Freilich beziehen sich diese österreichischen Zahlen nicht auf die Omikron-Varianten – just jene, mit denen die dänische Gesundheitsbehörde ihren Impfstopp bei Kindern und Jugendlichen argumentiert hat. Wir fragten daher beim Gesundheitsministerium bzw. NIG nach, welche Begründung im Vergleich zur dänischen Gesundheitsbehörde zur unterschiedlichen Risiko-Nutzen-Einschätzung geführt haben.

BMSGPK: Möglichkeit einer Impfung Kindern & Jugendlichen „keinesfalls“ vorenthalten

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) wiederholt im Wesentlichen, was in den NIG-Empfehlungen steht: „Kinder und Jugendliche erkranken im Vergleich zu Erwachsenen zwar selten schwer an COVID-19, dennoch sind auch bei Kindern und Jugendlichen in Österreich Todesfälle, schwere Krankheitsverläufe sowie die Lebensqualität teils stark beeinträchtigende Langzeitfolgen durch eine COVID-19-Infektion beobachtet worden, sodass dieser Altersgruppe keinesfalls die Möglichkeit einer Impfung vorenthalten werden darf.“

Basierend auf den derzeitigen Zulassungen werde seitens des NIG für alle Personen ab 5 Jahren der Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer empfohlen und „als Alternative dazu steht für alle Personen ab 12 Jahren auch der Impfstoff Nuvaxovid® der Firma Novavax zur Verfügung“. Was den allgemeinen Impfstopp für unter 18-Jährige bzw. die Begründung der dänischen Gesundheitsbehörde dazu betrifft, bleibt das österreichische Ministerium sehr vage: „Auch in Dänemark ist im Rahmen eines ärztlichen Gesprächs die Indikation zur Impfung zu erörtern und selbstverständlich auch entsprechend darüber aufzuklären.“

*Aktuelle Empfehlungen und Impfschemata aller sechs COVID-19-Impfstoffe unter: https://www.sozialministerium.at/Corona/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung—Fachinformationen.html

Hier geht es direkt zu den Empfehlungen (PDF)

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