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Covid-19 Update 10.11.2021

Ö: Neuinfektionen auf Allzeit-Hoch; vielfach höhere Inzidenzen bei nicht Vollimmunisierten

Coronavirus Warnung

+++ Neuinfektionen erreichen ein Allzeit-Hoch von 11.398 – Inzidenzen bei nicht vollständig Geimpften um ein Vielfaches höher – Booster-Impfungen werden von der MedUni Wien untersucht – RK-Experte: Jeder wird sich mindestens ein Mal anstecken – Bergthaler: Politik müsste über akute „Brände“ hinausblicken +++

Neuinfektionen erreichen ein Allzeit-Hoch von 11.398

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist am Mittwoch, 10.11., mit 11.398 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden in Österreich ein neues Allzeit-Hoch erreicht worden. Der bisherige Höchststand von 9.943 Fällen vom Samstag, 6.11., wurde damit bei weitem übertroffen. Von Dienstag auf Mittwoch waren 23 Todesopfer zu beklagen. Beim 7-Tages-Schnitt hält Österreich mittlerweile bei 9.110 Infektionen pro Tag. 2.237 Menschen müssen mittlerweile wegen Covid-19 im Spital behandelt werden.

Die Belegung in den Krankenhäusern steigt weiter an. Seit Dienstag mussten 85 Personen mehr dort wegen SARS-CoV-2 medizinisch behandelt werden. Auf den Intensivstationen des Landes liegen derzeit 413 Patienten mit einer Infektion. Auch diese Zahl ging innerhalb eines Tages deutlich mit zehn Personen in die Höhe. Innerhalb einer Woche stieg die Belegung der Intensivbetten um 80 an.

Momentan laborieren 85.611 Menschen in Österreich an einer SARS-CoV-2-Ansteckung, das sind um 6.372 aktive Fälle mehr als tags zuvor. Die meisten Neuinfektionen gab es erneut in Oberösterreich mit enormen 3.424 Fällen. In Niederösterreich wurden 2.176, in Wien 1.587, in der Steiermark 1.222, in Tirol 951, in Salzburg 662, in Vorarlberg 588, in Kärnten 574 und im Burgenland, wo die Impfquote über 70 Prozent liegt, 214 Fälle registriert.

Die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt österreichweit mittlerweile bei 713,9. Aufgeschlüsselt nach Bundesländern liegt Oberösterreich auch hier an der Spitze mit 1.173,5. Danach folgen Salzburg, Niederösterreich und Vorarlberg (933,5, 741,3 bzw. 660,5). Anschließend kommen Kärnten (659,1), Tirol (645), die Steiermark (579,8), das Burgenland (476,3) und Wien (445,7).

Insgesamt wurden in den vergangenen 24 Stunden 597.686 PCR- und Antigenschnell-Tests eingemeldet. Davon waren 275.740 aussagekräftige PCR-Tests. Insgesamt wurden in Österreich seit Pandemiebeginn mehr als 127 Mio. Corona-Tests durchgeführt. Die Positiv-Rate der PCR-Tests beträgt derzeit 4,1 Prozent. Auch dieser 24-Stunden-Wert liegt über dem Schnitt der vergangenen Woche von 3,8 Prozent.

Seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 haben 11.577 Menschen mit einer Coronainfektion ihr Leben verloren. 23 Tote waren es innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Innerhalb einer Woche waren 177 Tote zu beklagen. Pro 100.000 Einwohner sind seit Beginn der Pandemie 129,6 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Seit Pandemiebeginn gab es in Österreich 911.175 bestätigte Fälle, 813.987 Personen haben eine Infektion hinter sich. (APA)

Inzidenzen bei nicht vollständig Geimpften um ein Vielfaches höher

Welchen Unterschied die Covid-19-Schutzimpfung macht, zeigt eine Gegenüberstellung der 7-Tages-Inzidenzen der Vollimmunisierten und der nicht bzw. nicht vollständig Geimpften. Der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) zufolge liegt in der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen die 7-Tages-Inzidenz (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner) bei den Immunisierten bei rund 250, bei den un- bzw. nicht zur Gänze Geschützten dagegen über 1.600.

In der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen klafft die Schere auch deutlich auseinander. Bei den unzureichend Geschützten liegt die Inzidenz fast bei 1.450, bei den Vollimmunisierten dagegen bei etwas über 350. Bei den über 60-Jährigen ist die Inzidenz der vollständig Geimpften bei etwas über 250, bei den un- bzw. nicht vollständig Geimpften bei fast 1.100.

Seit Anfang Oktober steigt das Durchschnittsalter der Infizierten wieder, in der vergangenen Woche lag es laut AGES bei 38,3 Jahren. Die höchste 7-Tages-Inzidenz hatten zwischen dem 1. und 8. November die 15- bis 24-Jährigen mit 984,3, knapp danach folgten die 6- bis 14-Jährigen mit 943,6, wobei zu berücksichtigen ist, dass in Österreich nur Kinder nach Vollendung ihres 12. Lebensjahres gegen Covid-19 geimpft werden. Außerdem wird in Schulen regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Die geringsten 7-Tages-Inzidenzen weisen Kleinkinder bis zum Alter von sechs Jahren (218,2) und Senioren im Alter jenseits von 85 auf (303,8). Die letzte Gruppe weist die höchste Impfquote auf. (APA)

Booster-Impfungen werden von der MedUni Wien untersucht

Der sogenannte Booster ist die dritte Impfung gegen das Coronavirus. Damit soll sichergestellt werden, dass der Antikörperschutz gegen SARS-CoV-2 aufrechterhalten wird. Um die genaue Wirkung und die Sicherheit dieser Drittimpfung zu untersuchen, führt die Medizinische Universität Wien eine großangelegte Studie durch, teilte sie in einer Aussendung am Montag, 8.11., mit (https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/news-im-november-2021/meduni-wien-untersucht-wirkung-der-corona-booster-impfungen/). Mindestens 5.000 Freiwillige soll die Stichprobe umfassen. Registrieren kann man sich in der Impfstraße im Austria Center Vienna.

„Wir wollen wissen, wie viele Menschen Impfreaktionen und Nebenwirkungen und in welcher Art zeigen und wie gut sie Antikörper entwickeln“, sagte Studienleiter Daniel Aletaha, Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. Neben der Wirksamkeit einzelner Impfstoffe werden auch weitere mögliche Einflussfaktoren untersucht, wie Alter, Geschlecht, Zeit seit der Grundimmunisierung, Vorerkrankungen, Medikation.

Die Studie umfasst drei Blutabnahmen, gemessen werden damit die Antikörper (Spike-Proteine) und ob bereits eine Infektion (Nukleokapside) durchgemacht wurde. „Alle, die an unserer Studie teilnehmen, bekommen die Ergebnisse der Blutproben zugesendet“, so Aletaha, „dadurch erhalten sie Gewissheit, ob und wie stark ihr Immunsystem auf die Impfung angesprochen hat.“ Dies ist auch das Ziel der Studie: Herauszufinden, welche Impfstoffkombinationen am effektivsten und sichersten einen Impfschutz gegen das Coronavirus aufbauen sowie welche Menschen generell besser oder schlechter auf die Impfung ansprechen. Teilnehmen können auch Genesene, die ihren zweiten Stich erhalten. (APA)

RK-Experte: Jeder wird sich mindestens ein Mal anstecken

Alle Menschen in Österreich werden sich (mindestens) ein Mal mit dem Coronavirus infizieren, lautet die „Langzeitprognose“ des Rotkreuz-Bundesrettungskommandanten Gerry Foitik. „Mit Impfschutz und regelmäßiger Auffrischung (wie häufig, ist unklar) ist das nicht angenehm, aber besser als ungeimpft, wo man ein unkalkulierbares Risiko nimmt“, warnte er auf Twitter und erneuerte den Aufruf zum Impfen.

„Bis alle Menschen geimpft werden können (auch Kinder jeden Alters), müssen wir ‚Durchseuchung‘ verhindern. Wir müssen dafür sorgen, dass weltweit alle Menschen geimpft werden können“, so Foitik weiter. Seine Prognose darüber hinaus: „Hygienemaßnahmen (auch saisonale) werden uns begleiten wie so vieles andere, an das wir uns gewöhnt haben (wie Brillen, WC-Papier oder meinetwegen Sonnencreme).“ In Kombination mit verbesserten Therapien würden „auch (geimpfte) Risikopatientinnen und -patienten“ nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 „weniger leiden müssen“. Zum Risiko von Langzeitschäden durch Covid-19 meinte Foitik, diese seien, weil sie erst langfristig sichtbar werden, noch nicht gut erfassbar. Unklar sei zudem, ob sie sich bei mehrmaliger Infektion verstärken. „Auch das spricht fürs Impfen“, sagte Foitik. Die Schäden, die durch die vierte Coronawelle gerade am Gesundheitswesen „und an den dort tätigen Menschen“ angerichtet würden, seien jedenfalls „gewaltig“ und „nachhaltig“ und werden „uns also noch lange beschäftigen“. Die durch die Coronakrise entstandenen „Gräben in der Gesellschaft“ müsse indes jede und jeder Einzelne „sofort beginnen zu füllen“, meinte er und verwies auf Werte wie Solidarität, Empathie und Toleranz. (APA)

Bergthaler: Politik müsste über akute „Brände“ hinausblicken

„Wir müssen uns eingestehen, dass uns die Pandemie nach wie vor noch im Griff hat“, sagte der Virologe Andreas Bergthaler im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung von APA-Science am Dienstagabend (9.11.). Das aktuelle Geschehen sei eine Art „Déjà-vu“ zum Vorjahr mit „unterschiedlichen Vorzeichen“. Seitens der Politik gelte aber auch diesmal, dass man sich zwar mit dem Löschen akuter „Brände“ beschäftigt, die Kapazitäten für mittel- und längerfristiges Denken aber scheinbar fehlen.

Trotz all der Hochstimmung in den vergangenen beiden Sommern sei klar gewesen, dass Covid-19 als Atemwegserkrankung im Herbst wieder zurückkommt. Heuer hatte man die Hoffnung, dass das Comeback durch die Impfungen möglichst stark gebremst wird. Offensichtlich reiche die Durchimpfungsrate in Österreich dazu aber eben noch nicht aus. „Das Problem ist alles andere als erledigt“, so der Wissenschafter vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Wieder dreht sich logischerweise nun alles um die akuten Fragen nach dem Drücken der aktuellen Infektionszahlen, möglichen Lockdowns und möglicher neuer Wörter dafür. Das sei leider nicht nur in Österreich so. „Aber eigentlich müssten wir uns jetzt Gedanken machen, wie wir mit unter Umständen zu erwartenden Wellen im Jänner, Februar oder März umgehen“, so Bergthaler.

Darüber hinaus brauche es die Auseinandersetzung damit, was passiert, wenn zwar die Impfungen und Behandlungen Fortschritte machen, das Virus sich aber ebenso weiterentwickelt. Hier müsse man auch in Richtung und über den Sommer 2022 hinaus denken, so der Forscher, der die Variantenentwicklung des SARS-CoV-2-Virus seit Beginn des vergangenen Jahres intensiv verfolgt.

Er habe den Eindruck, „dass da sehr wenig in die Zukunft gewandt passiert“. Das wäre aber gerade jetzt umso wichtiger. So sollte es politisch opportun werden, schon in der warmen Jahreszeit Maßnahmen zu setzen, um dann später in einer besseren epidemiologischen Position zu sein. Diese Aufgabe habe zum Beispiel die Stadt Wien heuer im Sommer trotz niedriger Zahlen „erstaunlich gut gemeistert“, so Bergthaler. Hier habe zumindest der Grundgedanke, dass die Pandemie „noch nicht vorbei ist“ präventiv offenbar etwas bewirkt. (APA)

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