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COVID-19-Schutzimpfung

EMA empfiehlt Booster ab 18 Jahren, Impfdurchbrüche in Österreich steigen an

Arzt in persönlichem Schutzanzug oder PSA injiziert Impfstoff, um die Immunität einer Patientin zu stimulieren, bei der das Risiko einer Coronavirus-Infektion besteht. Coronavirus, Covid-19 und Impfkonzept

Die Europäische Arzneimittelbehörde gab am 04.10.2021 grünes Licht für Booster gegen SARS-CoV-2 mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Allen Menschen ab 18 Jahren solle eine Auffrischung angeboten werden – frühestens ein halbes Jahr nach der zweiten Dosis. Das Nationale Impfgremium (NIG) hatte den dritten Stich Mitte August für Risikogruppen und Ältere off label empfohlen, was bisher eher zögerlich umgesetzt wurde. Unterdessen stiegen die Impfdurchbrüche deutlich an, samt Hospitalisierungen vor allem von älteren Menschen. Doch genaue Zahlen fehlen – noch.

Künftig würden die Menschen in Österreich „per Brief“ über den dritten Stich informiert, kündigte Österreichs Sozial- und Gesundheitsminister Dr. Wolfgang Mückstein (Grüne) am 1. Oktober 2021, an. An diesem Tag machte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, die aktuell durch die Mitgliedstaaten tourt, Station in Wien. Im Austria Center Vienna riefen die Kommissarin und der Gesundheitsminister zur Impfung auf. Denn selbst der beste Impfstoff könne das Virus nur bekämpfen, „wenn er auch verimpft wird“, betont Kyriakides als größte Herausforderung die Impfskepsis. Sie begrüße daher die Maßnahmen in Österreich sehr, wie etwa leicht zugängliche Impfungen in Supermärkten und bei Sportveranstaltungen.

Bis zu 4,6 Milliarden Impfdosen für EU gesichert

An Impfstoff mangelt es nicht. Die Europäische Kommission hat laut Kyriakides im Rahmen der gemeinsamen EU-Impfstoffstrategie bisher bis zu 4,6 Milliarden Impfstoffdosen gesichert. Nach Österreich geliefert wurden 15.888.053 Dosen, davon sind laut E-Impfpass 10.895.077 Dosen verimpft – macht eine Differenz von knapp 5 Millionen Dosen, wobei von den Impfstellen rund 1,2 Millionen vorbestellt und auch großteils schon in den Impfstellen vor Ort sind (Stand 06.10.2021, https://info.gesundheitsministerium.at/).

Österreich habe mittlerweile 71 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren vollständig geimpft, informiert Mückstein, und somit das EU-Ziel von 70 Prozent erreicht. In der Gesamtbevölkerung sei vor wenigen Tagen die 60-Prozent-Grenze überschritten worden. „Nun befinden wir uns im Endspurt und müssen in einem gemeinsamen Kraftakt die verbliebenen Unentschlossenen davon überzeugen, dass sie sich selbst und ihre Liebsten vor einer Infektion mit dem Coronavirus und damit möglicherweise vor einer schweren Erkrankung schützen“, sagt Mückstein, jetzt zähle jeder Stich.

Und das dürfte angesichts deutlich steigender Zahlen an Impfdurchbrüchen auch für den dritten Stich gelten (siehe Info-Kasten). Am Montag war es tatsächlich so weit: Die dritte Impfung komme für Menschen ab 18 Jahren in Betracht und solle „frühestens“ sechs Monate nach Verabreichung der zweiten Dosis erfolgen, erklärte die EMA in Amsterdam. Zugelassen werde vorerst der Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Die Prüfung entsprechender Studien mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna sei noch nicht abgeschlossen.

EMA: Organtransplantierte Booster ab 28 Tagen nach der 2. Dosis

Für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem empfiehlt die EMA eine Auffrischungsimpfung mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna – und zwar mit einem Abstand von mindestens 28 Tagen nach der zweiten Corona-Impfung. Es habe sich gezeigt, dass eine dritte Dosis dieser Impfstoffe bei Patienten, die eine Organtransplantation erhalten hatten, die Fähigkeit zur Bildung von Antikörpern gegen das Virus verstärkt.

Das NIG hatte am 17. August 2021 für diese Gruppen (Immunsupprimierte, Personen mit Vorerkrankungen und besonders hohem Risiko etc.) und Bewohner von Altenheimen bzw. über 65-Jährige sowie für Personen, welche eine Dosis Impfstoff von Janssen und zwei Dosen Impfstoff von Astra Zeneca bekommen haben, die dritte Dosis (zweite bei Janssen) „frühestens 6 bis spätestens 9 Monate“ off label empfohlen. Alle anderen – auch Gesundheits- und Pflegepersonal und pädagogisches Personal – sollten erst nach 9–12 Monaten eine Auffrischung erhalten.

NIG: „Kann“-Bestimmung für Gesundheitspersonal: ab 6 Monaten

Am 29. September 2021* besserte das oberste Impfgremium nach: Auch dem Gesundheits- und Pflegepersonal sowie dem pädagogischen Personal „kann“ eine Auffrischung „ab 6 Monaten“ und „soll“ ab 9–12 Monaten eine weitere Dosis angeboten werden. Für Janssen-Geimpfte wurde eine zweite Dosis bereits im Mindestabstand von 28 Tagen empfohlen (off label), vorzugsweise mit einem mRNA-Impfstoff.

Nun wird abermals eine Aktualisierung angekündigt: „Das Nationale Impfgremium beschäftigt sich regelmäßig mit den neuen Daten und wird sich daher auch in den kommenden Tagen zu den aktuellen Empfehlungen der europäischen Behörden äußern“, hieß es am Montag in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

*https://www.sozialministerium.at/dam/jcr:6cce0185-da10-41c9-ac64-4950c07b84fe/COVID-19-Impfungen_Anwendungsempfehlung_des_Nationalen_Impfgremiums_Version_5.1_(Stand%2029.09.2021).pdf
via https://www.sozialministerium.at/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung—Fachinformationen.html

Impfdurchbrüche steigen – aber wie viele liegen im Spital?  

Seit 3. August 2021 veröffentlicht die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES regelmäßig Berichte zu Impfdurchbrüchen (auf https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/). Die Analysen zeigen einen steigenden relativen Anteil an Impfdurchbrüchen: Gab es bis Mitte August 2.871 Impfdurchbrüche (knapp 2 Prozent aller symptomatischen Covid-Fälle seit 1. Februar 2021) sind es im Bericht von vergangener Woche mit 13.075 Impfdurchbrüchen knapp 7 Prozent. Davon entfallen fast 3.000 auf über 60-Jährige und rund 9.900 auf 18–59-Jährige und nur rund 200 auf Jugendliche. Update (07.10.2021): Im kurz nach Redaktionsschluss erschienenen Bericht vom 5. Oktober sind die Impfdurchbrüche innerhalb einer Woche um 2.400 auf 15.477 geklettert (knapp 8 Prozent), davon 3.600 über 60-Jährige (von 11 auf knapp 13 Prozent), rund 11.700 unter 60-Jährige sowie 234 Jugendliche (1,3 Prozent).  

Die AGES gibt seit einiger Zeit auch die Impfdurchbrüche der jeweils letzten vier Kalenderwochen an: Demnach sind bereits sechs von zehn aller symptomatischen Covid-Fälle bei über 60-Jährigen in den letzten vier Wochen Impfdurchbrüche (61 Prozent in KW39), bei den 18–59-Jährigen sind es bereits 28 Prozent (32 Prozent in KW39), bei den Jugendlichen knapp 5 Prozent (4 Prozent in KW39).  

Zu den Hospitalisierungen gibt es seit dem Bericht vom 22.09.2021 keine Aktualisierungen mehr (damals wurden 250 Hospitalisierungen angegeben, davon 211 über 60 Jahre alt). Es findet sich lediglich ein Hinweis seit dem Bericht von vergangener Woche, dass die Daten „auf Grund verzögerter Übermittlung der Informationen zur Krankenhausaufnahme unzuverlässig niedrig“ seien – sie würden so bald als möglich aktualisiert. 

Dass jedoch überwiegend ältere Personen hospitalisiert werden, zeigt die AGES-Analyse vom 7. September: Von 401 über 60-Jährige mit Impfdurchbrüchen musste jeder Sechste (67 Personen) ins Spital. Zudem hat am 04.10.2021 ein internes Dokument der Ampel-Kommission, das der APA vorliegt, für Aufsehen gesorgt. Demnach sind bundesweit bereits 17 Prozent der Patienten auf Covid-Intensivstationen vollständig geimpft, auf Normalstationen sogar drei von zehn Patienten. In Kärnten sind derzeit elf Patienten intensivpflichtig, drei davon vollständig geimpft (rund ein Viertel), wie die APA am Dienstag dieser Woche berichtet, von den 51 Patienten auf Normalstation ist ein Drittel vollständig geimpft. Als Grund vermutet man „eine negative Wechselwirkung mit anderen Medikamenten und Vorerkrankungen“. 

In Oberösterreich – dem Bundesland mit der aktuell höchsten 7-Tages-Inzidenz (205,0) sind laut Krisenstab des Landes 12,5 Prozent auf den Intensivstationen „vollständig immunisiert“ und auf der Normalstation ist rund ein Drittel vollständig geimpft (37 von 114). Was die Umsetzung der NIG-Empfehlung von Mitte August betrifft, dürfte es in Oberösterreich sehr zögerlich vorangehen. Der Krisenstab gab bekannt, dass bisher 2.408 Menschen in Alten- und Pflegeheimen den dritten Stich erhalten haben. (Zum Vergleich: Bis Mitte/Ende Februar wurden etwas mehr als 22.000 Menschen in Alten- und Pflegeheimen geimpft.) 

Auch bei Jüngeren steigt der relative Anteil der Impfdurchbrüche, wie ein riesiger Kindergarten-Cluster in Bad Hall, Oberösterreich, zeigt: Mehr als 20 Kinder und zehn Betreuerinnen sind laut einem aktuellen Bericht in den „OÖNachrichten“ (https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/das-hat-sich-ausgebreitet-wie-ein-lauffeuer;art4,3470218) infiziert, acht der Betreuerinnen waren vollständig geimpft. 

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