3. März 2026Psychische Gesundheit

Neues Masterstudium für Psychotherapie am Start

Das neue Masterstudium im Fach Psychotherapie ab Herbst 2026 soll einen Beitrag zu einer besseren Versorgungssituation leisten. Denn fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung (23%) ist von psychischen Erkrankungen betroffen, doch die Versorgung hält mit dem tatsächlichen Bedarf nicht Schritt.

Masterstudium (Symbolbild)
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Die POPP-Studie (Prozess und Outcome in Psychotherapeutischen Praxen), an der zwischen 2020 und 2024 163 Patienten und 87 Psychotherapeuten teilnahmen, hat gezeigt, wie wirksam Psychotherapie im realen Alltag ist. Depressive und Angstsymptome gehen deutlich zurück, Funktionsfähigkeit und Lebenszufriedenheit steigen. Klinisch relevante Verschlechterungen treten nur selten auf.

Wichtige Rolle der Psychotherapie

Assoz. Prof. Priv.-Doz. DI Dr. Elke Humer, Professorin für Biopsychosoziale Gesundheit an der Universität für Weiterbildung in Krems und Koautorin der POPP-Studie, bringt die Ergebnisse auf den Punkt: „Die Studie zeigt: Psychotherapie ist eine der wirksamsten Interventionen für psychische Gesundheit und ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems.“

Da der überwiegende Teil der Psychotherapien in Österreich in den niedergelassenen Praxen stattfinde, unterstreiche die Studie die Bedeutung der Psychotherapie und der Berufsgruppe der Psychotherapeuten, so Prof. Humer. Psychotherapie ist bei zahlreichen psychischen Erkrankungen die Methode der ersten Wahl und einer ausschließlich psychopharmakologischen Behandlung überlegen.

Derzeit stehen in Österreich rund 13.000 Psychotherapeuten und 3000 Personen in Fachausbildung unter Lehrsupervision als Nahversorger für psychische Gesundheit zur Verfügung, wie Mag. Barbara Haid, MSc, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), berichtet. Dem gegenüber steht ein steigender Bedarf. Man sehe in den letzten Jahren eine Zunahme an depressiven Störungen, Belastungssymptomen, Ängsten, Stress und Schlafstörungen. Gleichzeitig seien Patienten heute aber auch besser informiert und kämen oft bereits mit digitalen Selbstdiagnosen wie Traumafolgestörung oder ADHS in die psychotherapeutische Praxis. „Ob das tatsächlich zutrifft, müssen wir durch sorgfältige Diagnose abklären“, betont Mag. Haid.

Neues Masterstudium ab Herbst 2026

Um flächendeckend eine ausreichende psychosoziale Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, braucht es aber viel mehr Psychotherapeuten, als derzeit verfügbar sind. Daher ist es von größter Bedeutung, dass die Psychotherapie-Ausbildung auf neue Beine gestellt worden ist. Ab Oktober dieses Jahres wird in Österreich erstmals ein ordentliches Masterstudium Psychotherapie angeboten, das einen einschlägigen Bachelor-Abschluss (z.B. Psychologie, Sozialarbeit) voraussetzt und vom Wissenschaftsministerium voll finanziert ist. An sieben Standorten in ganz Österreich (Salzburg, Linz, Klagenfurt, Graz, Innsbruck, Wien, Krems) stehen insgesamt 500 Studienplätze zur Verfügung.

In die Entwicklung des Rahmencurriculums waren alle universitären Psychologie-Institute sowie die Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck eingebunden. Eine Herausforderung bestand darin, alle vier psychotherapeutischen Hauptorientierungen (Psychoanalytisch-Psychodynamische, Humanistische, Systemische und Verhaltenstherapeutische Orientierung) unterzubringen. Dabei setzen die einzelnen Standorte unterschiedliche Schwerpunkte, erläutert Univ.-Prof. Dr. Thomas Probst, Professor für Psychotherapie und Psychologie an der Universität Salzburg sowie Sprecher Psychotherapie im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie (ÖGP).

„Mit dem neuen Masterstudium werden zudem zahlreiche neue Professuren geschaffen, was auch ein Booster für die Forschung sein wird, und Universitätsambulanzen nach dem bereits bewährten Salzburger Vorbild werden gegründet“, ergänzt Prof. Probst.

Eine Bewerbung für das Masterstudium Psychotherapie ist ab sofort bis 7. April 2026 möglich. Bis dahin muss ein Selbsteinschätzungs-Fragebogen ausgefüllt und ein Kostenbeitrag überwiesen werden. Der bundesweit einheitliche Aufnahmetest findet am 6. Juli 2026 statt. Die Quote für Bewerber mit österreichischem Maturazeugnis beträgt wie beim Medizinstudium 75%.

Dritter Ausbildungsabschnitt und präventive Arbeit

Nach dem viersemestrigen Masterstudium folgt dann der dritte Abschnitt – die postgraduelle psychotherapeutische Fachausbildung bei einer psychotherapeutischen Fachgesellschaft. Hier ist dann schon psychotherapeutisches Arbeiten unter Supervision möglich. Nach der Approbationsprüfung können sich die Absolventen in die Berufsliste für Psychotherapeuten eintragen lassen. Diese dritte Phase muss derzeit noch privat finanziert werden. Wünschenswert wäre auch hier die Finanzierung aus öffentlicher Hand, so Prof. Humer.

Von der höheren Zahl an Absolventen erhofft man sich auch, dass die Psychotherapeuten sich dann nicht mehr vorrangig mit der „Reparaturmedizin“ beschäftigen, wie dies derzeit der Fall ist, sondern sich verstärkt auch der Prävention widmen können. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist der Bedarf daran sehr groß. Das zeigt das enorme Interesse an Projekten wie Mental Health Days oder Gesund aus der Krise.

Weiterer Ausbau von Psychotherapie als Kassenleistung

„Mit der neuen Ausbildung ist jedenfalls ein großer Wurf gelungen, wir schließen hier endlich internationale Standards an“, zeigt sich auch Andreas Huss, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), erfreut. In den letzten Jahren hat die ÖGK viel Geld investiert, um das Angebot für Psychotherapie als Kassenleistung erweitern. Gleichzeitig hat sie Maßnahmen zur Harmonisierung in ganz Österreich gesetzt. Die flächendeckende Psychotherapie auf Kassenkosten für alle Versicherten müsse aber noch weiter ausgebaut werden, denn „die psychosoziale Versorgung darf nicht vom Konto oder vom Wohnort des einzelnen Patienten abhängen“, betont Huss.

PK des ÖBVP „Psychotherapie: Next Level“, Salzburg und online, 26.2.2026