15. Sep. 2026Risiko für Tachyarrhythmie

Herz aus dem Takt nach akutem Gichtanfall

Der Zusammenhang zwischen Gicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Eine Studie liefert nun Hinweise, dass ein akuter Gichtanfall auch kurzfristig mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden ist.

Electrocardiogram with cardiac arrhythmia.
Horacio Selva/stock.adobe.com

Insbesondere das Risiko für Tachyarrhythmien wie Vorhofflimmern, Vorhofflattern sowie supraventrikuläre und ventrikuläre Tachykardien scheint bei Patienten mit Gicht erhöht zu sein. Ein Team rund um den Rheumatologen Prof. Dr. Edoardo Cipolletta, Marche Universitätsspital in Ancona und Universität Nottingham, wollte nun wissen, ob die akute systemische Entzündung während eines Gichtanfalls auch kurzfristig das Risiko für tachykarde Herzrhythmusstörungen erhöht.

Grundlage der Untersuchung waren Daten aus der Primär- und Sekundärversorgung bzw. aus Sterberegistern in England und Schweden. Die Fragestellung untersuchten die Forscher anhand verschachtelter Fall-Kontroll-Studien (nested case-control-studies) und Analysen von Fallreihen mit Selbstkontrolle (self-controlled case-series analyses). Als Gichtanfall definierten sie eine ärztlich dokumentierte Gichtkonsultation mit entsprechender Therapie (NSAR, Colchicin oder Kortikosteroide), eine explizite Dia­gnose eines Gichtanfalls oder eine Hospitalisierung wegen Gicht. Als Endpunkt galt die erstmalige Diagnose einer Tachyarrhythmie.

CAVE: Vorhofflimmern nach Gichtanfall

Die Ergebnisse zeigten konsistent in beiden Ländern einen signifikanten Zusammenhang zwischen einem kürzlich aufgetretenen Gichtanfall und dem Risiko einer neu diagnostizierten Tachyarrhythmie.

Patienten mit einer entsprechenden Herzrhythmusstörung hatten signifikant häufiger innerhalb der vorausgehenden 30 Tage einen Gichtanfall erlitten als vergleichbare Patienten ohne Tachyarrhythmie. In England lag die adjustierte Odds Ratio bei 1,41, in Schweden bei 1,71.

Besonders ausgeprägt war die Assoziation für Vorhofflimmern und Vorhofflattern. Diese Formen der Rhythmusstörung machten mehr als 80% aller diagnostizierten Tachyarrhythmien aus.

Die ergänzende Analyse von Fallreihen mit Selbstkontrolle bestätigte diese Beobachtung. Hier zeigte sich ein um 44% erhöhtes Risiko für Tachyarrhythmien innerhalb der ersten 30 Tage nach einem Gichtanfall in England. In Schweden war das Risiko sogar ein mehr als vierfach erhöht. Auch im Zeitraum von 31 bis 60 Tagen blieb das Risiko erhöht, bevor es anschließend wieder auf das Ausgangsniveau zurückkehrte.

Patienten für das Thema sensibilisieren

Gicht-Patienten sollten auf diese vorübergehende Gefahr nach einem akuten Anfall aufmerksam gemacht werden. Sie sollten speziell Beschwerden wie Palpitationen, Herzrasen, Schwindel, Leistungsminderung oder Dyspnoe zeitnah abklären lassen.

Vorhofflimmern war die häufigste beobachtete Arrhythmie. Daher erscheinen eine sorgfältige Anamnese, Pulskontrolle sowie gegebenenfalls ein EKG als sinnvolle diagnostische Maßnahmen in den Wochen nach einem Gichtanfall.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass nur etwa 1–2% der Patienten mit neu diagnostizierter Tachyarrhythmie in den vorangegangenen 30 Tagen einen dokumentierten Gichtanfall hatten.

Aus den vorliegenden Daten lässt sich noch keine generelle Empfehlung für ein routinemäßiges Screening aller Gicht-Patienten ableiten. In jedem Fall bestärken die Ergebnisse die klinische Bedeutung einer konsequenten Gichttherapie. Ob eine optimale Gichtkontrolle tatsächlich das Auftreten von Tachyarrhythmien verhindern kann, müssen künftige Studien untersuchen.