Rauchstopp in der Schwangerschaft: Was hilft?
Psychosoziale Interventionen erhöhen wahrscheinlich die Rauchstopp-Rate in der Schwangerschaft. Für vulnerable Bevölkerungsgruppen bleibt die Evidenz allerdings lückenhaft.

Rauchen in der Schwangerschaft zählt zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen für maternale und neonatale Komplikationen. Viele Schwangere möchten aufhören zu rauchen. Welche psychosozialen Interventionen tatsächlich wirksam sind, war bislang nur eingeschränkt geklärt.
Zu dieser Fragestellung hat Isabella Freijah (University of Melbourne) gemeinsam mit sieben Autorinnen und Autoren einen Cochrane-Review aktualisiert. Die systematische Übersichtsarbeit erschien im April 2026 und basiert auf der Auswertung von 127 randomisierten, Cluster-randomisierten und quasi-randomisierten Studien mit 47.361 schwangeren Teilnehmerinnen, die noch rauchten oder dies gerade aufgegeben hatten.
Breites Spektrum psychosozialer Interventionen
Die eingeschlossenen Studien wurden überwiegend in Hocheinkommensländern durchgeführt, vor allem in den USA und Großbritannien.
Analysiert wurde die Wirksamkeit von sechs Interventionstypen:
- Verhaltensberatung
- Gesundheitsaufklärung
- finanzielle Anreize
- Biomarker-Feedback (z.B. Ultraschall zum Gesundheitszustand des Kindes, Cotinin-Messung im Urin als Hinweis auf Nikotin-Exposition)
- soziale Unterstützung
- Bewegungsprogramme
Durchgeführt wurden die Interventionen in diversen Settings, etwa im niedergelassenen Bereich oder in Kliniken. In den Kontrollgruppen erfolgte meist die Standardversorgung, also eine kurze Beratung zu den Risiken des Rauchens.
Etwa die Hälfte der Studien rekrutierte Frauen aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen. Elf Studien schlossen überwiegend ethnische Minderheiten ein, vier wurden mit Frauen aus indigenen Bevölkerungsgruppen durchgeführt. Postpartale Outcomes wurden überwiegend bis fünf Monate nach der Geburt erfasst.
Wirksamkeit von Verhaltensberatung und Incentives am besten belegt
Primärer Endpunkt war Rauchfreiheit in der Spätschwangerschaft, bevorzugt biochemisch validiert.
Psychosoziale Maßnahmen – unabhängig vom Interventionstyp – erhöhen laut aktueller Studienlage die Wahrscheinlichkeit der Rauchfreiheit vermutlich in klinisch relevantem Ausmaß (Risk Ratio 1,41; 95%-Konfidenzintervall 1,30–1,54; 117 Studien; 33.694 Teilnehmerinnen; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz): Die Abstinenzrate stieg von etwa 12% in den Kontrollgruppen auf rund 17% in den Interventionsgruppen. Auch in den ersten fünf postpartalen Monaten bleibt der Effekt psychosozialer Interventionen wahrscheinlich bestehen (RR 1,33; 95%-KI 1,18–1,50; 42 Studien; 11.977 Teilnehmerinnen; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Bei der Betrachtung einzelner Interventionstypen zeigten sich deutliche Unterschiede. Die robustesten Effektschätzungen zeigten sich für Verhaltensberatung im Vergleich zur Standardbetreuung (RR 1,51; 95%-KI 1,26–1,82; 32 Studien; 12.920 Teilnehmerinnen; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz) sowie für finanzielle Anreize im Vergleich zu alternativen Interventionen (RR 2,03; 95%-KI 1,38–2,98; 7 Studien; 1.837 Teilnehmerinnen; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Auch Gesundheitsaufklärung könnte die Abstinenzrate eventuell erhöhen (RR 1,62; 95%-KI 1,22–2,14; 10 Studien; 2.137 Teilnehmerinnen; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Biomarker-Feedback im Vergleich zur Standardbetreuung (RR 2,17; 95-%-KI 0,79–5,92; 4 Studien; 442 Teilnehmerinnen; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz) und soziale Unterstützung im Vergleich zu weniger intensiven Maßnahmen (RR 1,21; 95-%-KI 0,93–1,58; 7 Studien; 781 Teilnehmerinnen; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz) beeinflussen vielleicht die Abstinenzrate, aber die Datenlage ist zu dünn für gesicherte Aussagen. Bewegungsprogramme bewirken wahrscheinlich keinen relevanten Unterschied bei der Rauchfreiheit (RR 1,20; 95-%-KI 0,72–2,01; 1 Studie; 785 Teilnehmerinnen; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Hinweise auf bessere neonatale Outcomes
Psychosoziale Interventionen könnten sich auch günstig auf neonatale Outcomes auswirken. Die eingeschlossenen Studien deuten zum Beispiel darauf hin, dass das Geburtsgewicht im Mittel höher liegt. Auch Aufnahmen auf eine neonatologische Intensivstation könnten reduziert sein, die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bleibt hierfür jedoch niedrig. Details zu weiteren kindlichen Outcomes sind dem Cochrane-Review zu entnehmen.
Evidenzlücken bei vulnerablen Gruppen
Trotz methodischer Einschränkungen stützt der aktualisierte Cochrane-Review die Einschätzung, dass strukturierte Verhaltensberatungen und finanzielle Anreizsysteme in der Schwangerschaft wahrscheinlich hilfreich sind, um höhere Abstinenzraten erzielen. Offen bleibt jedoch, welche Interventionen speziell für ethnische Minderheiten und indigene Bevölkerungsgruppen geeignet sind und wie gut sich die Ergebnisse aus kontrollierten Studien in die Routineversorgung übertragen lassen.

Cochrane Österreich ist die nationale Vertretung des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane, zu dem sich Gesundheitsfachleute aus über 130 Ländern zusammengeschlossen haben, um zuverlässige und unabhängige Evidenzsynthesen bereitzustellen. Cochrane Österreich wird vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds gefördert. Mehr Infos und Newsletter: www.cochrane.at
Freijah I et al., Psychosocial interventions for supporting women to stop smoking in pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 4. Art. No.: CD001055. DOI: 10.1002/14651858.CD001055.pub6. Accessed 23 June 2026.
