PSA-Screening: Nutzen wahrscheinlich, Schäden weiter unzureichend erfasst
Systematische PSA-Screenings reduzieren offenbar die Prostatakrebs-spezifische Mortalität. Das legt ein aktualisierter Cochrane-Review mit fast 800.000 Teilnehmern nahe. Der absolute Nutzen bleibt allerdings klein. Relevante Schäden des Screenings sind weiterhin nur unzureichend untersucht.

Das systematische – also populationsbasierte und organisierte – PSA-Screening zielt darauf ab, asymptomatische Prostatakarzinome anhand des Prostata-spezifischen Antigens im Serum früh zu erkennen und dadurch die krebsspezifische Mortalität zu senken. Allerdings ist umstritten, ob der mögliche Nutzen für die Bevölkerung die Schäden durch Überdiagnose und Überbehandlung tatsächlich überwiegt.
Nun hat ein siebenköpfiges Autor:innenteam um Juan Franco (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Eu Chang Hwang (Chonnam National University, Südkorea) die Studienlage neu bewertet. Die Arbeit ist im Mai 2026 in Form eines aktualisierten Cochrane-Review erschienen. Die systematische Übersichtsarbeit umfasst sechs randomisiert-kontrollierte Studien. Durchgeführt wurden sie in Europa und Nordamerika mit 789.086 Teilnehmern im Alter von 45 bis 80 Jahren.
Mortalität sinkt vermutlich ein wenig
Gegenüber der Vorversion aus dem Jahr 2013 kommt der aktuelle Cochrane-Review zu einer veränderten Einschätzung. Denn die Analyse von fünf gepoolten Studien zeigt: Ein systematisches PSA-Screening könnte die Prostatakrebs-spezifische Mortalität leicht reduzieren (Rate Ratio 0,91; 95%-Konfidenzintervall 0,85–0,99; 721.607 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Ohne Screening sterben etwa 16 von 1.000 Männern an Prostatakrebs. Mit dem PSA-Screening sinkt dieser Wert vielleicht auf etwa 15 pro 1.000.
Die European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) – mit 23 Jahren Follow-up enthält sie wertvolle Langzeitdaten und ist die methodisch robusteste Studie im Review – wurde darüber hinaus separat ausgewertet. Diese Sensitivitätsanalyse kommt zum gleichen Befund, jedoch mit etwas stärkerem Effekt (Rate Ratio 0,87; 95%-KI 0,80–0,95; 162.236 Teilnehmer) und mittlerer Vertrauenswürdigkeit der Evidenz: also etwa 2 verhinderte Todesfälle pro 1.000 gescreente Männer.
Ein Vorteil für die Gesamtmortalität lässt sich allerdings nicht sicher ableiten. Das Screening hat darauf möglicherweise einen geringen oder sogar keinen Effekt (Rate Ratio 0,99; 95%-KI 0,97–1,00; 4 Studien; 675.121 Teilnehmer; niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Schäden und Überdiagnosen bleiben zentrale Probleme
Dem errechneten Nutzen in Form von verringerter Sterblichkeit durch Prostatakrebs steht ein deutlicher Diagnoseanstieg gegenüber. Ohne Screening werden laut ERSPC-Studie wahrscheinlich etwa 120 Prostatakarzinome pro 1.000 Männer diagnostiziert, mit Screening 156 pro 1.000 – also 36 zusätzliche Diagnosen pro 1.000 (Rate Ratio 1,30; 95%-KI 1,27–1,34; 1 Studie; 162.241 Teilnehmer; mittlere Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Die zusätzlichen Diagnosen betreffen vor allem lokalisierte Tumoren. Viele davon werden nie klinisch relevant, können aber dennoch psychische Probleme und Folgeeingriffe samt Komplikationen nach sich ziehen. Wie hoch diese Belastung tatsächlich ist, lässt sich anhand der aktuellen Studienlage nicht zuverlässig einordnen. Daten zu Überdiagnose und Überbehandlung sind weiterhin lückenhaft. Damit bleibt die Abwägung von Nutzen und Schaden schwierig.
Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse des Reviews nicht als Empfehlung für ein flächendeckendes Screening zu sehen, betont Erstautor Juan Franco. Vielmehr plädiert er für Shared Decision-Making: „Die Entscheidung für oder gegen ein Screening sollten der betroffene Mann und sein Arzt oder seine Ärztin immer gemeinsam treffen – mit einem guten Verständnis der möglichen Vorteile, aber auch der Risiken von Überdiagnosen und unnötigen Behandlungen.“
Details zu weiteren Endpunkten (z.B. Lebensqualität) und methodischen Einschränkungen (z.B. durch opportunistisches graues Screening) finden sich im originalen Cochrane-Review:
Franco JVA, Hwang EC, Jung JH, Vaimberg O, Ilic D, Cleves A, Dahm P. Prostate-specific antigen (PSA) test for prostate cancer screening. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 5. Art. No.: CD004720. https://doi.org//10.1002/14651858.CD004720.pub4

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- Franco JVA, Hwang EC, Jung JH et al. Prostate-specific antigen (PSA) test for prostate cancer screening. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2026;5:CD004720. DOI: 10.1002/14651858.CD004720.pub4
- Franco JVA, Wilt TJ, Dahm P. Addressing uncertainty in PSA screening and testing intervals: Practice does not reflect evidence or guidelines. BMJ. 2025;391:r2065. DOI: 10.1136/bmj.r2065
