17. März 2026Wenn der Nerv unter dem Gewicht leidet

BMI als unabhängiger Risikofaktor für Sulcus-ulnaris-Syndrom

Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) ist ein unabhängiger Risiko­faktor für die Entwicklung eines Sulcus-ulnaris-Syndroms. Das zeigt eine aktuelle schwedische Studie.

Woman in a living room standing and holding her painful elbow
Ljupco Smokovski/stock.adobe.com

Nach dem Karpaltunnelsyndrom ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom das zweithäufigste Nervenkompressions­syndrom. Dabei wird der N. ulnaris im Bereich des Ellbogens komprimiert. Das kann zu Taubheit, Parästhesien, Muskelschwäche und in schweren Fällen sogar zu einer Atrophie der Musculi interossei führen.

Die Prävalenz des Sulcus-ulnaris-Syndroms in der Allgemeinbevölkerung beträgt schätzungsweise 1–2%, ist jedoch bei Diabetes-Patientinnen und -Patienten wesentlich höher. Weitere Risikofaktoren mit robuster Evidenz sind Rauchen und Berufe mit hoher Arbeits- und Vibrationsbelastung.

In ihrer longitudinalen Kohortenstudie prüften Dr. Mattias Rydberg vom Skåne University Hospital in Malmö und Team einen weiteren möglichen Risikofaktor: einen hohen BMI. Dazu griffen sie auf Daten der „Malmö Diet and Cancer Study“ sowie des schwedischen Patienten­registers zurück.

Die Forschenden teilten die Studienteilnehmenden in normal­gewichtig (BMI <25kg/m2), übergewichtig (BMI 25–30kg/m2) und adipös (BMI >30kg/m2) ein. Zur Vermeidung eines Einflusses von Diabetes wurden Personen mit einer entsprechenden Diagnose ausgeschlossen.

Anstieg des Risikos um 7% pro zusätzlicher BMI-Einheit

Die Studienpopulation bestand aus über 23.000 Personen – mit einem medianen Follow-up von 25 Jahren. 0,8% entwickelten ein Sulcus-ulnaris-Syndrom. Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Rauchen, körperliche Arbeit, Hypertonie und Alkoholkonsum waren sowohl Übergewicht (HR 1,55; p < 0,01) als auch Adipositas (HR 2,23; p = 0,001) mit dem Auftreten eines Sulcus-ulnaris-Syndroms assoziiert – jeweils im Vergleich zu normalgewichtigen Personen. Bei Betrachtung des BMI als kontinuierliche Variable war ein Anstieg um 1 kg/m2 mit einer Risikozunahme von 7% verbunden (HR 1,07; p < 0,001).

Nach dem Kenntnisstand der Autorinnen und Autoren ist ihre Studie die erste Arbeit, die bei Personen ohne Diabetes die Auswirkungen eines erhöhten BMI auf ein Nervenkompressionssyndrom untersucht hat. Dabei bestätigte sich, das ein hoher BMI ein unabhängiger Risikofaktor für ein Sulcus-ulnaris-Syndrom ist. Eine Gewichtsabnahme könnte somit eine mögliche Therapieoption bei dieser Erkrankung sowie bei anderen Nervenkompressions­syndromen sein.