19. Jän. 2026Rauchstopp und gute Blutzuckereinstellung helfen bei der Sepsisprävention

Risiko für Sepsis bei Typ-2-Diabetes verdoppelt

Typ-2-Diabetes könnte das Risiko für Sepsis verdoppeln, zeigt eine große bevölkerungsbasierte Studie aus Australien. Rauchen, hoher Blutzucker und andere chronische Erkrankungen tragen zusätzlich zur Entwicklung einer Sepsis bei Menschen mit Typ-2-Diabetes bei. Besonders gefährdet sind jüngere Personen sowie Männer.

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Sepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation von Infektionen jeder Art. Sie geht mit Organversagen und hoher Sterblichkeit einher und gehört weltweit zu den führenden Todesursachen. Mehrere Studien legten bereits einen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Sepsis nahe. Eine neue Auswertung der Australischen Fremantle Diabetes Study Phase II liefert nun aktuelle Daten.

Die Studie unter Leitung von Prof. Dr. Wendy A. Davis von der University of Western Australia, Fremantle, Australien, untersuchte 1.430 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes aus einer multiethnischen australischen Stadt mit 157.000 Einwohnern.

Für jede Person mit Diabetes matchte das Forscherteam vier Kontrollpersonen ohne Diabetes nach Alter, Geschlecht und Postleitzahl (insgesamt 5.720 Personen). Das mittlere Alter lag bei 66 Jahren, 52% waren Männer. Die Nachbeobachtung erfolgte über verknüpfte Gesundheitsdaten bis zum erstmaligen Auftreten einer dokumentierten Sepsis, einer Diabetes-Diagnose (in der Vergleichsgruppe ohne Typ-2-Diabetes), bis zum Tod oder zum Ende des Jahres 2021.

Bereits zu Studienbeginn zeigte sich ein Unterschied: 2,0% der Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes hatten zuvor eine Sepsis erlitten, in der Vergleichsgruppe ohne Diabetes waren es 0,8%. Während der im Mittel zehnjährigen Beobachtungszeit entwickelten 11,8% der Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes eine Sepsis, gegenüber 5,0 % in der Kontrollgruppe. Nach Adjustierung relevanter Störfaktoren verdoppelte Typ-2-Diabetes das Risiko für eine Sepsis.

Jüngere mit Diabetes besonders gefährdet

Besonders auffällig war der Effekt in der Altersgruppe von 41 bis 50 Jahren. Hier war das Sepsisrisiko bei Vorliegen eines Typ-2-Diabetes rund 14,5-fach erhöht. Das zeigt, dass Sepsis nicht nur ein Problem hochbetagter, multimorbider Menschen ist, sondern auch jüngere Erwachsene mit Diabetes betreffen kann.

In der Gruppe mit Typ-2-Diabetes identifizierten die Forschenden mehrere unabhängige Risikofaktoren für eine spätere Sepsis: Dazu zählten höheres Alter, männliches Geschlecht und eine australische indigene Herkunft.

Indigene Studienteilnehmende hatten ein etwa dreifach höheres Risiko, bei Rauchenden lag eine 83%ige Risiko­erhöhung vor. Wichtige modifizierbare Faktoren waren aktuelles Rauchen, erhöhte Nüchternglukose, die Behandlung mit Insulin sowie diabetesbedingte Komplikationen wie die distale symmetrische Polyneuropathie und zerebrovaskuläre Erkrankungen. Auch ein erhöhter Ruhepuls sowie höhere Spiegel des Herzinsuffizienzmarkers NT-proBNP waren mit einem gesteigerten Sepsisrisiko assoziiert.


Pathophysiologisch kommen laut Autorinnen und Autoren mehrere Mechanismen infrage. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Funktion des Immunsystems.

Zudem treten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes bestimmte Infektionen häufiger auf, etwa Harnwegs- und Haut­infektionen oder Pneumonien. Diese können leichter in eine Sepsis übergehen. Vaskuläre Schäden und Neuropathien verschlechtern zudem die Prognose.

Ein kausaler Zusammenhang lässt sich jedoch nicht beweisen, da die Studie beobachtend angelegt war. Nicht erfasste Einflussfaktoren könnten die Ergebnisse mitbestimmt haben. Außerdem könnten die Studienteilnehmenden insgesamt gesünder gewesen sein als Nichtteilnehmende.

Davis WA et al., EASD 2025, Abstract 1193