13. März 2025ECCO 2025

Entzündliche Darmerkrankungen: Was eine pflanzenbasierte Diät gesund macht

Kann eine gezielte pflanzenbasierte Ernährung Morbus Crohn und Colitis ulcerosa positiv beeinflussen? Zwei Forscherinnen präsentierten am ECCO vielversprechende Ergebnisse zur Rolle gesunder pflanzlicher Lebensmittel und fermentierbarer Ballaststoffe.

Besonders gesunde pflanzliche Lebensmittel und hohe Ballaststoffanteile machen die pflanzenbasierte Ernährung bei IBD gesund.
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Besonders hohe Ballaststoffanteile machen die pflanzenbasierte Ernährung bei IBD gesund.

„Insbesondere westliche Diäten werden immer wieder mit entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) in Verbindung gebracht“, sagt Dr. Judith Wellens, Universitätsklinikum Leuven, Belgien, am ECCO 2025 (1). Präklinische Studien würden zeigen, dass pflanzenbasierte Ernährung das Darmmikrobiom positiv verändert, erklärt Dr. Wellens. " Allerdings enthalten viele für IBD empfohlene Diäten – zum Beispiel die Crohn’s Disease Exclusion Diet – tierische Bestandteile. Das ist sowohl für Patienten als auch für Ärzte verwirrend.“

"Gesunde" versus "ungesunde" pflanzenbasierte Ernährung

Dr. Wellens untersuchte den Einfluss gesunder und ungesunder pflanzenbasierter Ernährungsweisen (z.B. stark verarbeitete pflanzliche Lebensmittel) auf das IBD-Risiko bei Hochrisikopatienten. Sie analysierte Daten von 187.888 Teilnehmern der UK Biobank und 341.539 Probanden der EPIC-IBD-Kohorte aus acht europäischen Ländern. Die Teilnehmer führten 24-Stunden-Ernährungsprotokolle (UK Biobank) bzw. Food Frequency Questionnaires (EPIC).

Die Studie definierte drei Arten pflanzenbasierter Ernährung. Zunächst betrachteten die Forscher alle pflanzlichen Lebensmittel mit dem Plant-Based Food Index (PDI). Dann erstellten sie einen Gesundheits-Index, der die Diäten in gesund und ungesund unterteilte.

  • Gesunde pflanzenbasierte Ernährung umfasste viel Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.
  • Ungesunde Ernährung beinhaltete viele verarbeitete Lebensmittel, Zucker und raffinierte Kohlenhydrate.

Das primäre Ergebnis war das Auftreten von IBD (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa).

"Pudding-Veganer" ohne Schutz

Ein hoher Konsum pflanzenbasierter Lebensmittel allein bot keinen Schutz vor IBD. Personen mit hohen Werten beim „gesunden“ PDI hatten jedoch ein niedrigeres Risiko für entzündliche Darmerkrankungen.

In der UK Biobank-Kohorte entwickelten 925 Teilnehmer während eines medianen Follow-Ups von 11,6 Jahren eine IBD.

Teilnehmer mit hohen „gesunden“ PDI-Werten hatten ein um 25% reduziertes IBD-Risiko (29% in der EPIC-Kohorte). Probanden mit hohen „gesunden“ PDI-Werten hatten zudem ein um 50% niedrigeres Risiko für eine schlechte IBD-Prognose, einschließlich IBD-bezogener Operationen.

Hohe „ungesunde“ PDI-Werte waren mit einem um 48% höheren IBD-Risiko verbunden (54% in der EPIC-Kohorte). Für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ergaben sich ähnliche Ergebnisse.

Dr. Wellens betonte, dass Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen von pflanzenbasierter Ernährung profitieren können. Eine gezielte Ernährungsberatung sei jedoch notwendig, um die Qualität der Nahrung sicherzustellen und schädliche pflanzliche Lebensmittel zu vermeiden.

Fermentierbare Ballaststoffe als Prävention bei Hochrisikopersonen

Zu den aktiven Inhaltsstoffen in pflanzlichen Lebensmitteln zählen fermentierbare Ballaststoffe. Diese löslichen Ballaststoffe werden im Kolon von Darmbakterien fermentiert, wobei kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Butyrat, Acetat und Propionat entstehen, die entzündungshemmend wirken und die Darmgesundheit fördern.

Zu den fermentierbaren Ballaststoffen gehören:

  • Inulin (z.B. in Zwiebeln, Knoblauch, Chicorée)
  • Beta-Glucan (z.B. in Hafer)
  • Pektin (z.B. in Äpfeln, Zitrusfrüchten)
  • Fructo-Oligosaccharide (FOS, z.B. in Bananen, Spargel)

"Epidemiologische Studien haben einen hohen Ballaststoff-Intake mit einem reduzierten Risiko für Morbus Crohn in Verbindung gebracht" sagt Dr. Catherine McShane, Universität Toronto (2). Sie stellte die Ergebnisse aus dem GEM-Projekt vor, einer prospektiven Kohortenstudie mit über 2.600 Teilnehmern zur Identifikation von Risikofaktoren für Morbus Crohn.

Dabei handelt es sich um gesunde Erwachsenen mit einem familiären Risiko für Morbus Crohn. Die Probanden wurden mittels Food Frequency Questionnaire (FFQ) zu ihrem Ernährungsverhalten befragt. Zusätzlich wurden biologische Analysen zu ihrer Darmgesundheit durchgeführt, darunter

  • Ein Darmpermeabilitätstest über die Lactulose-Mannitol-Ratio
  • Die Überprüfung von fäkalem Calprotectin als Marker für Darmentzündungen
  • Die Analyse von Stuhlproben mittels 16S rRNA-Sequenzierung, um die Mikrobiom-Zusammensetzung zu untersuchen.

Weniger Darmentzündungen mit fermentierbaren Ballaststoffen

Seit 2008 entwickelten 76 Personen aus der Studienpopulation Morbus Crohn. Die Analyse zeigte, dass eine hohe Zufuhr bestimmter Ballaststoffe, insbesondere Inulin und Beta-Glucan, mit einem niedrigeren Risiko für Morbus Crohn verbunden war.

Personen mit hoher Ballaststoffzufuhr wiesen bessere Werte bei der Darmbarriere und subklinischer Entzündung auf.

Zudem verbesserten sie das Darmmikrobiom, indem sie entzündungsfördernde Bakterien wie Ruminococcus gnavus reduzierten, das mit einem höheren Risiko für Morbus Crohn in Verbindung steht.