25. Feb. 2025Entwöhnung und Aufklärung

Diagnostik von Nikotinabhängigkeit und Zigarettengebrauch

Die Diagnostik der Abhängigkeit von Nikotin und des Gebrauchs von Zigaretten basiert auf einer Kombination aus biochemischen Tests und Fragebögen. Diese Verfahren sind nicht nur für die individuelle Diagnostik relevant, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle in der Tabakentwöhnung und der gesundheitlichen Aufklärung. Sie helfen Rauchern, ihre Abhängigkeit besser zu verstehen und konkrete Schritte zur Beendigung ihres Konsums zu unternehmen.

Rauchen von Zigaretten im Aschenbecher, Café-Einstellung
Abbildung: AFFANYUDA/AdobeStock

Nikotinabhängigkeit ist nach den Kriterien des ICD-11 eine manifeste Suchterkrankung, die durch einen starken inneren Zwang zu rauchen, Toleranzentwicklung gegenüber Nikotin und fortgesetztes Rauchen trotz negativer Konsequenzen gekennzeichnet ist.1

Die Diagnostik erfolgt über verschiedene Verfahren, die eine genaue Einschätzung des Tabakkonsums sowie der Abhängigkeit ermöglichen. Dazu zählen insbesondere der Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit, die Messung von Cotinin, , die Kohlenmonoxidmessung sowie der Teerexpositionswert . Diese Methoden erlauben sowohl eine objektive Beurteilung des Rauchverhaltens als auch eine Einschätzung der gesundheitlichen Belastung durch Tabakkonsum.

1. Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit

Der Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit (FTND) ist ein validiertes Instrument zur Bestimmung des Schweregrads der Abhängigkeit.2 Er besteht aus sechs Fragen zum Rauchverhalten (siehe Tabelle).

Je nach Punktzahl (0–10) wird die Abhängigkeit als gering, mittel oder hoch eingestuft. Eine hohe Punktzahl (7–10) deutet auf eine starke Nikotinabhängigkeit hin, die eine professionelle Rauchentwöhnung erforderlich macht.3

Frage Antwort Punkte
Wie bald nach dem Aufwachen rauchen Sie Ihre erste Zigarette? Innerhalb von 5 Minuten 3
Nach 6–30 Minuten 2
Nach 31–60 Minuten 1
Nach mehr als 60 Minuten 0
Fällt es Ihnen schwer, an Orten nicht zu rauchen, an denen das Rauchen verboten ist? Ja 1
Nein 0
Welche Zigarette würden Sie am wenigsten missen wollen? Auf die erste am Tag 1
Auf andere 0
Wie viele Zigaretten rauchen Sie pro Tag? Weniger als 10 0
11–20 1
21–30 2
31 oder mehr 3
Rauchen Sie früher am Tag mehr als später? Ja 1
Nein 0
Rauchen Sie auch, wenn Sie krank im Bett liegen? Ja 1
Nein 0

2. Cotininmessung: Der biologische Nachweis des Tabakkonsums

Cotinin ist das Hauptabbauprodukt von Nikotin und gilt als der beste Biomarker zur Bestimmung der Nikotinaufnahme.4 Nikotin wird über die Lunge aufgenommen und erreicht in wenigen Sekunden das Gehirn. In der Leber wird es zu Cotinin abgebaut, das eine Halbwertszeit von etwa 16 bis 20 Stunden hat. Dadurch kann es auch noch Stunden bis Tage nach dem letzten Zigarettenkonsum im Blut, Urin oder Speichel nachgewiesen werden.

Die Cotininmessung erfolgt meist durch:

  • Bluttest: Liefert die genaueste Bestimmung des Nikotinkonsums.
  • Urinanalyse: Wird häufig in medizinischen Untersuchungen oder zur Kontrolle in Rauchstopp-Programmen eingesetzt.
  • Speicheltest: Praktikabel für Schnelltests und epidemiologische Studien.

Ein hoher Cotininspiegel weist auf regelmäßigen und hohen Nikotinkonsum hin, während niedrige Werte gelegentlichen oder passiven Rauchkontakt anzeigen können. Diese Methode eignet sich besonders zur Kontrolle von Rauchentwöhnungsprogrammen oder zur Diagnose verdeckten Rauchens. Der Cotinin-Test kann auch den Konsum von E-Zigaretten und anderen nikotinhaltigen Produkten nachweisen, da auch hier Nikotin aufgenommen und zu Cotinin metabolisiert wird.

3. Teerexpositionswert: Die Schadstoffbelastung durch Zigarettenrauch

Der bei der Verbrennung von Tabakprodukten entstehende Rauch enthält mindestens 7.000 chemische Verbindungen, darunter 250 bekannte Gifte und 73 nachweislich oder potenziell kanzerogene Stoffe.5

Der Teerexpositionswert (TEW) gibt an, in welchem Ausmaß eine Person toxischen Substanzen ausgesetzt ist, die beim Verbrennen von Tabak entstehen.6

Die Messung erfolgt durch chemische Analysen von Atemkondensat oder Filtermethoden, die die aufgenommene Teermenge auswerten.

Warum ist der Teerexpositionswert wichtig?

  • Er erlaubt eine Einschätzung des individuellen Krankheitsrisikos, insbesondere für Lungenkrebs und chronische Atemwegserkrankungen.
  • Er zeigt, ob eine Person tief inhaliert und dadurch mehr schädliche Substanzen aufnimmt.
  • Er wird oft mit der Cotininmessung kombiniert, um eine umfassendere Diagnose des Tabakkonsums zu erhalten.
  • Da alternative Nikotin- und Tabakprodukte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel keinen oder deutlich weniger Teer produzieren, ist der TEW für diese Produkte nicht anwendbar.

4. Kohlenmonoxidmessung: Sofortnachweis der Rauchbelastung

Kohlenmonoxid (CO) ist ein giftiges Gas, das durch die unvollständige Verbrennung von Tabak entsteht. Raucher haben erhöhte CO-Werte im Blut, wo Kohlenmonoxid primär an Hämoglobin gebunden ist. Dadurch reduziert es auch die Sauerstoffbindungsfähigkeit und Sauerstofffreisetzung von Hämoglobin und verschlechtert die Sauerstoffversorgung der Organe reduziert.7

Die Kohlenmonoxidmessung erfolgt mittels eines CO-Messgeräts, bei dem der Proband in ein Mundstück ausatmet. Die gemessene CO-Konzentration in der Ausatemluft gibt an, wie stark eine Person raucht und wie viel Kohlenmonoxid sich in ihrem Blut befindet.8

Typische CO-Werte:

  • Nichtraucher: 06 ppm
  • Gelegenheitsraucher: 7–15 ppm
  • Regelmäßige Raucher: 16–40 ppm
  • Stark abhängige Raucher: über 40 ppm

Die Kohlenmonoxidmessung hat den Vorteil, dass sie eine schnelle und nicht-invasive Methode ist. Sie eignet sich besonders zur Motivation in Rauchentwöhnungsprogrammen, da Raucher direkt beobachten können, wie ihr CO-Wert nach wenigen rauchfreien Tagen sinkt.

Der Nachweis des Konsums von E-Zigaretten und Tabakerhitzern über eine Kohlenmonoxid-Messung ist eingeschränkt möglich, da diese bei der Anwendung deutlich geringere Mengen an CO erzeugen.