4. Juli 2023EAN 2023

MS-Prognose: Ins Auge schauen und den Liquor analysieren

Zwei österreichische Studien, die im Rahmen des EAN-Kongresses in Budapest vorgestellt wurden, beschäftigten sich mit prognostischen Biomarkern für die Multiple Sklerose. Untersucht wurden einerseits Parameter der Netzhautdicke, andererseits Kappa-freie Leichtketten (κ-FLC) und Neurofilament-Leichtketten (sNfL) aus dem Liquor. Für beide konnte ein hoher Prädiktionswert für ungünstige Verläufe festgestellt werden.

Erkrankung des Neuronensystems
koto_feja/GettyImages

Die Multiple Sklerose zeigt im Verlauf starke individuelle Variabilität mit sehr unterschiedlicher Entwicklung von Behinderung. Prognostische Biomarker werden daher dringend benötigt, wie Priv.-Doz. Dr. Gabriel Bsteh von der Medizinischen Universität Innsbruck ausführt. Als geeigneter Biomarker kommt der Zustand der Netzhaut infrage. Die Dicke der peripapillären retinalen Nervenfaserschicht (Peripapillary Retinal Nerve Fiber Layer – pRNFL) sowie der makulären Ganglienzellschicht und inneren plexiformen Schicht gelten als etablierte Biomarker für neuroaxonale Schäden, wurden bislang jedoch nicht als Prädiktoren von Behinderungsprogression im Kontext einer klinischen Erstpräsentation einer schubförmig verlaufenden MS untersucht. Beide Parameter können mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) nicht-invasiv gemessen werden. Eine Studie der Med-Uni Innsbruck untersuchte nun prospektiv deren Aussagekraft. Dazu wurden bei 231 Patientinnen und Patienten innerhalb von 90 Tagen nach der MS-Diagnose mittels Spectral Domain OCT Scans der Netzhaut aufgenommen. Die Ergebnisse wurden mit der Entwicklung von Behinderung im Ausmaß eines bestätigten EDSS-Scores ≥3,0 (confirmed Expanded Disability Status Scale) korreliert und in einer multivariaten Analyse ausgewertet.  Die mediane Beobachtungszeit betrug 60 (12–93) Monate. Neben dem primären Endpunkt EDSS ≥3,0 wurden als sekundäre Endpunkte die Zeit bis zu einem weiteren Schub sowie die Zeit bis zum Auftreten von PIRA (progression independent of relapse activity) erhoben. Fast die gesamte Kohorte (87%) wurde in der Beobachtungszeit mit DMTs (krankheitsmodifizierenden Therapien) unterschiedlicher Effektivität behandelt.

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