22. Mai 2024Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2024

„Empfehlung zu Inaktivität ist ein Behandlungsfehler“

Dass Bewegungs- und Sporttherapie onkologischen Patientinnen und Patienten unter Berücksichtigung von Kontraindikationen empfohlen werden sollte, ist inzwischen allgemein akzeptiert. Das gilt auch für Personen mit fortgeschrittener Erkrankung und Knochenmetastasen, wenn initial eine professionelle Anleitung und Betreuung erfolgt.

Moderne Reha-Physiotherapie
zinkevych/AdobeStock

Bewegungstherapie sei inzwischen zu „einer Art Nebenwirkungsmanager“ in der Onkologie geworden, sagte Prof. Dr. Joachim Wiskemann, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Heidelberg. Der Wissenszuwachs zum Bewegungsmanagement sei enorm, was auch in einem deutlichen Anstieg von Publikationen zu dieser Thematik zum Ausdruck komme.

Neben der klaren Verbesserung von „Patient-Reported Outcomes“ (PRO) ergaben Beobachtungsstudien, etwa beim Mammakarzinom, aber auch bei anderen Entitäten, dass Bewegung ebenfalls im Zusammenhang mit einem verminderten Mortalitätsrisiko stehe. Man gehe derzeit von einer Reduktion des Sterblichkeitsrisikos um 30–45% aus, so Prof. Wiskemann. Dabei trügen vielfältige „Sport-Tumorinteraktionen“, aber auch positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System sowie die subjektiv-soziale Perspektive der Erkrankten zum günstigen Gesamteffekt bei. „Die Empfehlung zur Inaktivität ist ein Behandlungsfehler“, stellte Prof. Wiskemann klar.

Der Sportwissenschaftler und Sportpsychologe merkte allerdings an, dass sich die wissenschaftliche Evidenz für die Vorteile der Bewegungstherapie in der Onkologie bevorzugt auf das kurative Setting beziehe; in der fortgeschrittenen Situation sei die Evidenzlage deutlich schlechter. Dennoch gelte ganz klar: „Bewegungstherapie ist auch in palliativen Krankheitsstadien möglich“.

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Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum onko