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ÖGP 2018

Asthma bronchiale beim älteren Patienten

Asthma bronchiale wird in aller Regel als Erkrankung der Kindheit und Jugend wahrgenommen. Doch sie kann auch ältere Menschen (be)treffen, wie Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums, Wien, im Rahmen der diesjährigen ÖGP-Jahrestagung ausführte. (CliniCum pneumo 6/18)

Ungeachtet seiner nicht zu unterschätzenden Häufigkeit bestehen beim Thema Asthma bronchiale im Alter erhebliche Evidenzlücken. Es ist davon auszugehen, berichtete Wantke, dass Asthma bronchiale im Alter unterdiagnostiziert und unterbehandelt ist.1,2 Zumindest zwei Phänotypen sind bekannt, nämlich das „Long Standing Asthma bronchiale“ und das „Late Onset Asthma bronchiale“. Dabei ist ein später Erkrankungsbeginn bei Asthma bronchiale nicht selten. So zeigte beispielsweise eine Befragung von fast 1.500 Asthmapatienten im Alter über 70 Jahre, dass rund 20 Prozent der älteren Asthmatiker erst jenseits des 65. Lebensjahres erkrankten. Was auch Vorteile zu haben scheint. Denn in diesem Kollektiv wiesen die Patienten mit spätem Erkrankungsbeginn eine bessere Lungenfunktion auf als früh Erkrankte mit entsprechend langer Krankheitsdauer. Auch die Dyspnoe war in der Gruppe der Späterkrankten weniger ausgeprägt.3

Risiko Exazerbationen

Auch Hospitalisierungen wegen Asthma bronchiale sind bei älteren Menschen keine Seltenheit und ab einem Alter über 65 Jahre in etwa wieder so häufig wie bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren – und damit deutlich häufiger als um die Lebensmitte.4 Der Hintergrund sind gefährliche Exazerbationen bei älteren Asthmapatienten. Die Mortalitätsrate infolge Asthma bronchiale steigt ab der Lebensmitte bis zu den 80- bis 90-Jährigen deutlich an – wobei die asthmabedingte Mortalität generell und in allen Altersgruppen seit den 1980er Jahren abnimmt.

Unterschiedliche Symptomatik

Klinisch kann sich das Asthma bronchiale der Senioren substanziell von der Symptomatik junger Asthmapatienten unterscheiden. So werden Atemnot und Bronchokonstriktion im Alter oft weniger deutlich empfunden. Gleichzeitig sind Lungencompliance und Atemmuskelkraft vermindert. Die resultierende Dyspnoe wird durch physische Passivität kompensiert. Beim „Long Standing Asthma bronchiale“ liegt häufig eine weiter fortgeschrittene, weniger reversible Erkrankung vor. Nicht allergische Asthma-Auslöser spielen mit zunehmendem Lebensalter eine immer wichtigere Rolle. Als Kardinalsymptome des Asthma bronchiale im höheren Lebensalter sind Ruhedyspnoe, Thoraxenge am Morgen und Erwachen durch nächtlichen Husten zu nennen.5 Das Nicht-Empfinden der Obstruktion ist ein altersspezifisches Phänomen und betrifft Gesunde ebenso wie Asthmapatienten, wie eine Studie mit Metacholin-Provokation zeigen konnte.6

Aggravierende Komorbiditäten

Ein besonderes Problem bei älteren Asthmapatienten stellen aggravierende Komorbiditäten dar, die von Arthritis und Arthrose über Diabetes melitus bis zu kardiovaskulären Erkrankungen reichen. Beim schweren Asthma bronchiale älterer Patienten werden besonders häufig psychiatrische Komorbiditäten, aber auch rezidivierende respiratorische Infekte, gastroösophagealer Reflux und Schlafapnoe-Syndrom beobachtet. Ein niedriger BMI erhöht das Mortalitätsrisiko.7

Inhalationstechnik im Fokus

In der Therapie des Asthma bronchiale bestehen bei älteren Patienten die gleichen Empfehlungen wie bei jüngeren, wobei die Effektivität der inhalativen Therapie mit dem Alter abnimmt, was nicht selten am suboptimalen Umgang mit dem Inhaler liegt. Besonderes Augenmerk sollte bei älteren Patienten auf die Inhalationstechnik gelegt werden.

Auch Allergien keine Seltenheit

Obwohl nicht allergische Asthma-Ursachen mit dem Alter an Bedeutung gewinnen, sind auch allergische Erkrankungen im höheren Lebensalter keine Seltenheit. Als Symptome, die ältere Patienten ins Allergieambulatorium führen, nannte Wantke Rhinokonjunktivitis, Urticaria/Angiödem und bereits an dritter Stelle die Dyspnoe. Bei diesen Patienten handelt es sich nicht nur um späte Diagnosen. Denn Neusensibilisierung im höheren Lebensalter ist keine Seltenheit. Am häufigsten sind Gräser die Allergenquelle, gefolgt von Bäumen und Katzen.8

Referenzen:
1 Hanania NA et al.: Asthma in the elderly: Current understanding and future research needs – a report of a National Institute on Aging (NIA) workshop. J Allergy Clin Immunol 2011; 128(3 Suppl):S4–24;
2 Baptist AP, Busse PJ: Asthma Over the Age of 65: All‘s Well That Ends Well. J Allergy Clin Immunol Pract 2018; 6(3):764–773;
3 Zureik M, Orehek J: Diagnosis and severity of asthma in the elderly: results of a large survey in 1,485 asthmatics recruited by lung specialists. Respiration 2002; 69(3):223–8;
4 Stupka E, deShazo R: Asthma in seniors: Part 1. Evidence for underdiagnosis, undertreatment, and increasing morbidity and mortality. Am J Med 2009; 122(1):6–11;
5 Bellia V et al.: Aging and disability affect misdiagnosis of COPD in elderly asthmatics: the SARA study. Chest 2003; 123(4):1066–72;
6 Connolly MJ et al.: Reduced subjective awareness of bronchoconstriction provoked by methacholine in elderly asthmatic and normal subjects as measured on a simple awareness scale. Thorax 1992; 47(6):410–3;
7 Boulet LP: Influence of comorbid conditions on asthma. Eur Respir J 2009; 33(4):897–906;
8 Law M et al.: Changes in atopy over a quarter of a century, based on cross sectional data at three time periods. BMJ 2005; 330(7501):1187–8

Wissenschaftliche Session im Rahmen der 42. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Linz, 18.10.18

 

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