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Presidential Symposium 3

ESMO 2018: Initiale Immuntherapie verlängert das Überleben bei Kopf-Hals-Tumoren

Pembrolizumab ist nicht nur deutlich verträglicher gegenüber der Standardchemotherapie, sondern verlängert das Gesamtüberleben bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren und PD-L1-Expression ≥1 Prozent. Und das trotz niedrigerer Ansprechraten, bei gleichem progressionsfreiem Überleben.

Die Phase-III-Studie KEYNOTE-048 zeigte ein signifikant längeres Gesamtüberleben (OS) mit Pembrolizumab im Vergleich zur Standardtherapie (bestehend aus 5-Fluoruracil mit Cis- oder Carboplatin und Cetuximab) bei PD-L1-positiven (Combined Positive Score, CPS, ≥20) metastasierten Kopf-Hals-Tumoren (14,9 vs. 10,7 Monate, HR 0,61; p=0,0007). Diese Auswertung basiert auf Daten von 300 Patienten, die eine Standardtherapie erhielten und 301 Patienten, die Pembrolizumab erhielten. Das mediane Follow-up lag bei 11,7 und 10,7 Monaten.

Ein Ansprechen zeigte sich bei 23,3 vs. 36,1 Prozent der Patienten im Pembrolizumab- vs. Standard-Arm. Die mediane Ansprechdauer betrug 20,9 vs. 4,5 Monate. Es gab keinen Unterschied im progressionsfreien Überleben (PFS; HR 0,99).

Ähnliche Ergebnisse wurden bei Patienten mit einem CPS ≥1 erzielt. Das OS lag bei 12,3 vs. 10,3 Monaten unter Pembrolizumab vs. Chemotherapie (HR 0,78; p=0,0086). 19,1 vs. 34,9 Prozent sprachen auf die Therapie an. Die mediane Ansprechdauer lag bei 20,9 vs. 4,5 Monaten. Auch hier unterschied sich das PFS nicht (HR 1,16).

Eine weitere Auswertung derselben Studie verglich die Standardtherapie (bestehend aus 5-Fluoruracil mit Cis- oder Carboplatin und Cetuximab) mit einer neuen Kombination aus Pembrolizumab und platinbasierter Chemotherapie bei 281 vs. 278 Patienten. Das mediane Follow-up lag bei 13 vs. 10,7 Monaten. Die Kombination verlängerte das OS auf 13 vs. 10,7 Monate (HR 0,77; p=0,0034). Die Ansprechrate lag bei 35,6 vs. 36,3 Prozent. Das PFS unterschied sich nicht (HR 0,92).

Pembrolizumab alleine war erwartungsgemäß weniger toxisch als die Standardtherapie, während die Kombination mit Chemotherapie eine ähnlich hohe Toxizität wie die Standardtherapie zeigte.

„Patienten leben länger, wenn sie eine initiale Therapie mit Pembrolizumab hatten“, sagt Erstautorin Prof. Dr. Barbara Burtness, Programmleiterin für Kopf-Hals-Tumoren am Yale Cancer Center, New Haven, US. Siebetont, dass Pembrolizumab alleine eine geringere Ansprechrate und ein numerisch kürzeres PFS als die Standardtherapie zeige, während das Gesamtüberleben mit Pembrolizumab signifikant verlängert war. „Pembrolizumab scheint das Leben zu verlängern, auch wenn der Krebs weiter wächst, was dafür spricht es als Erstlinientherapie bei rezidivierten und metastasierten Kopf-Hals-Tumoren einzusetzen. Ob Pembrolizumab alleine oder mit einer Chemotherapie gegeben werden soll, könnte von der PD-L1-Expression abhängen. Wir führen derzeit Analysen durch, um diese Frage zu beantworten.“

ESMO-Kommentator Dr. Tanguy Seiwert, University of Chicago Medicine, Chicago, USA, sagt: „Das ist die erste Studie, die ein besseres Gesamtüberleben gegenüber dem zehn Jahre alten Standard of Care zeigt. Darüber hinaus etabliert diese Arbeit PD-L1 als einen validen Marker für Kopf-Hals-Tumore und sollte routinemäßig getestet werden.“

Seiwert ergänzt: „Die Herausforderung ist, dass der Benefit nicht gleich verteilt ist. Die PD-L1-Expression wird wahrscheinlich unsere Wahl zwischen den beiden Optionen beeinflussen: Pembrolizumab alleine mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil und Pembrolizumab kombiniert mit Chemotherapie, das bei einer größeren Patientengruppe eingesetzt werden könnte. Höhere PD-L1-Expression ist mit einem größeren Benefit assoziiert, aber die exakten Grenzwerte müssen erst bestimmt werden. Individuelle Patientencharakteristika werden ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.“

Daneben sollten laut Seiwert auch andere Marker, wie die Tumormutationslast  untersucht werden, um Patienten besser zu selektionieren.

Quelle: ESMO 2018

Burtness B et al., KEYNOTE-048: Phase III study of first-line pembrolizumab (P) for recurrent/metastatic head and neck squamous cell carcinoma (R/M HNSCC); ESMO 2018; LBA8_PR

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