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Fall der Woche: Mit Herzrasen erwacht

Illustration: Kim Novak„Ich bin heut früh um 5:30 wegen Herzrasen aufgewacht. Es geht auch nicht mehr weg. Außerdem habe ich so ein Flattern im Bauch. Wenn ich mich sehr aufrege, habe ich manchmal auch Herzrasen, aber nicht dieses Bauchflattern. Ich habe sofort Blutdruck gemessen, da dieser manchmal recht hoch ist, wenn es mir nicht gut geht. Ich bin beim Wert total erschrocken: 220/110mmHg. Gott sei Dank sperren Sie so früh auf, ich hab mich sogleich auf den Weg zu Ihnen gemacht. Da stimmt was nicht.“ schildert Ihnen Frau K. (63 J., Pensionistin) ganz aufgeregt. Dauermedikation: Valsartan 40mg bei bekannter art. Hypertonie. Cor: rein, arrhythmisch, Pulmo: frei, VA bds, keine peripheren Ödeme, EKG: 140bpm, QRS 90ms, QTc 475ms, VHF, leicht gesenkter ST Abgang in I, II, V5, V6, regelrechte Regression. Wie gehen Sie nun weiter vor, und worauf sollte Frau K. in Zukunft achten?

„Die aktuelle Entgleisung dürfte primär situativ stessbedingt sein“

Foto: PrivatDr. Anton Glöcklhofer
FA f. Innere Medizin und Kardiologie, Bregenz
Die 63-jährige Frau K. kann in einer spezialisierten kardiologischen Facharztpraxis behandelt werden, vorausgesetzt, die Praxis ist gut organisiert und in der Lage ist, Akutpatienten zu versorgen. Festzuhalten ist, dass die Patientin trotz ihres Vorhofflimmerns mit Tachyarrhythmie nicht schwer symptomatisch ist und auch keine Kreislaufinsuffizienz vorliegt. Bei bekannter Hypertonie dürfte die aktuelle Entgleisung primär situativ stressbedingt sein. Hinsichtlich der etwas verlängerten QTc gehe ich davon aus, dass der Wert durch den Umrechnungsalgorithmus von QT zu QTc länger erscheint, als er tatsächlich ist. Anamnestisch sollte ergänzend eine Neigung zu Bradykardien oder Synkopen ausgeschlossen werden.

Therapeutisch ist primär die Frage einer Antikoagulation zu klären: Bei weiblichem Geschlecht und Hypertonie besteht hier eine Indikation für eine Dauerantikoagulation. Es wäre zweckmäßig, gleich in der Praxis ein NOAC zu geben; vielleicht lässt sich die Nierenfunktion in Hinblick darauf via Nachfrage beim Hausarzt eruieren, sonst wären Crea/GFR zu bestimmen. Da das Vorhofflimmern frisch ist, kann ohne Thromboembolierisiko unverzüglich eine Rhythmisierung angestrebt werden: Nach einer Echokardiografie, welche mutmaßlich eine normale Linksventrikelfunktion ergeben wird, würde ich unter Monitorüberwachung in der Praxis entweder eine Infusion mit Vernakalant nach Schema oder Propafenon 450–600mg p.o. geben, um Sinusrhythmus zu erzielen.

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