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Österreichische Studie zum Impfen im Alter

Seit längerem ist bekannt, dass die Immunabwehr mit zunehmendem Alter sinkt. Wissenschaftler der MedUni Wien haben nun im Rahmen einer klinischen Studie die Hintergründe der schwächeren Immunantwort auf Impfungen bei Älteren analysiert.

Geringe oder fehlende Immunantwort

Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann, Leiterin des Instituts für Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien erklärt in einer Meldung der APA: „Die Alterung des Immunsystems ist besonders durch eine verringerte Antwort von Immunzellen, vor allem der B- und der T-Zellen, charakterisiert. Wir haben einzelne Mechanismen an einer Gruppe von 30 Probanden unter 30 Jahren (medianes Alter: 24 Jahre) und weiteren 30 Personen unter 60 Jahren (medianes Alter: 69 Jahre) untersucht. Geimpft wurden beide Gruppen mit einer zugelassenen Vakzine zum Schutz gegen das Japan-B-Enzephalitis-Virus.“

In den darauffolgenden Untersuchungen zeigte sich, dass die durch die Vakzine hervorgerufene Produktion von Antikörpern gegen Bestandteile des Virus bei älteren Probanden signifikant geringer war. 47 Prozent der über 60-jährigen zeigten nach der Verabreichung von zwei Impfstoff-Dosen nur eine geringe immunologische Reaktion oder gar keine schützende Immunantwort. Im Vergleich dazu hatten bei den unter 30-jährigen Probanden nur 13 Prozent eine schwache oder fehlende Immunantwort.

Produktion von Immunbotenstoffen zu gering

T-Zellen, die älteren Probanden entnommen wurden zeigten insgesamt eine geringere Produktion von Zytokinen, die den Aufbau einer Abwehrreaktion unterstützen. Besonders betroffen ist hierbei Interferon gamma, das den Schutz vor Infektionen ankurbelt. Im Blut der Probanden war zudem ein größerer Anteil an hochdifferenzierten Effektor- und Effektor-Memory-T-Zellen, sowie regulatorischen T-Zellen vorhanden. Die Häufigkeit von naiven T-Zellen war hingegen gesunken - ein bekanntes Zeichen für die Alterung des Immunsystems. Außerdem verfügten die älteren Probanden über eine geringere Anzahl an naiven B-Zellen, was für die geringeren Antikörpertiter verantwortlich sein dürfte. Diese zellulären Veränderungen korrelierten außerdem mit einem höheren Anteil chronischer Infektionen mit Zytomegalieviren (CMV).

Die Ergebnisse könnten die Impfstrategien bei älteren Menschen zukünftig beeinflussen. Lau den Experten sind Erstimpfungen möglichst vor dem 60. Lebensjahr anzustreben, da danach die Stärke der Immunabwehr durch den Rückgang der aktivierbaren Immunzellen deutlich abnimmt. Andererseits könnte man zusätzliche Booster-Impfungen verabreichen - ein Effekt, der derzeit untersucht wird. Zudem könnten für ältere Menschen spezielle Vakzine mit anderen Adjuvantien entwickelt werden.

Quellen

Wagner A. et al.: Age-related differences in humoral and cellular immune responses after primary immunisation: indications for stratified vaccination schedules. Scientific Reports 2018, 8(1):9825

https://science.apa.at/rubrik/medizin_und_biotech/Aeltere_Menschen_reagieren_auf_Impfung_viel_schwaecher/SCI_20180706_SCI39371351243249960

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