Home / Chirurgie / Mikrobiom und Anastomoseninsuffizienz

Mikrobiom und Anastomoseninsuffizienz

Jeder Risikofaktor kann das Mikrobiom beeinflussen. Intraoperativer Blutverlust, Ischämie und Gewebetrauma fördern die Ansiedlung und Vermehrung kollagenolytischer Bakterien wie Enterococcus faecalis oder Pseudomonas aeruginosa. Schließlich wird auch das durch die Operation in Mitleidenschaft gezogene Darmgewebe angeregt, Kollagenasen zu produzieren. mod. nach Alverdy 20171
Es wurde viel unternommen, um möglichst einwandfreie, reproduzierbare Anastomosen zu erzeugen. Doch es zeigt sich: Ob es zu einer Anastomoseninsuffizienz kommt oder nicht, ist einzelnen Vertretern der kommensalen intestinalen Mikrobiota geschuldet. (Medical Tribune 29-35/18)

Generationen von Chirurginnen und Chirurgen wurden geschult, getrimmt, gedrillt, bei Darmoperationen technisch perfekte Anastomosen zu gestalten. Dabei wurde von zweireihig auf einreihig, von Einzelnähten auf Fortlaufnaht, von allschichtiger Naht auf seromuskuläre Nähte, von evertierender auf Stoß-auf-Stoß- bzw. invertierende Nahttechnik umgestellt. Nahtmaterialien wurden immer mehr verbessert, Hilfsmittel wie Klammernahtgeräte und Roboter wurden erfunden, um technisch möglichst einwandfreie, reproduzierbare Anastomosen zu erzeugen. Aber jetzt gipfelt alles in der Erkenntnis: Ob es zu einer Anastomoseninsuffizienz kommt oder nicht, ist einzelnen Vertretern der kommensalen intestinalen Mikrobiota geschuldet!

Schlüsselkeime

Durch das Operationstrauma bedingt, können kommensale Bakterien wie Enterokokken kollagenolytische Aktivitäten entwickeln, die Extrazellulärmatrix auflösen und eine Nahtinsuffizienz herbeiführen.1 Auch der Mukus spielt eine wichtige Rolle2 sowie Akkermansia muciniphila durch Bildung von ROS (reactive oxygen species)- und Aktivierung von FPR (formyl peptide receptors)-abhängigen Mechanismen.3 Systemische Antibiotika können hier nicht helfen, wohl aber können lokal angewandte Antibiotika die entgleiste Darmflora wirksam besiegen; Versuche, mit der Zufuhr von Multispezies-­Probiotika, enthaltend ein Gemisch von Laktobazillen, Bifidobakterien und Enterokokkus 4, eine verbesserte Wundheilung herbeizuführen, sind hier kontraproduktiv!

Ihre Vorteile auf medonline.at

  • Personalisierte Inhalte auf Ihr Profil zugeschnitten
  • DFP Fortbildung: e-Learnings, Literaturstudien & MM-Kurse
  • Aktuelle Fachartikel, State-of-the-Art-Beiträge, Kongressberichte, Experteninterviews

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos & bleiben Sie top-informiert!

LOGIN

Login

Passwort vergessen?