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Das müssen Sie über B12 wissen

Haarausfall, Lethargie oder Gefühlsstörungen an Händen und Füßen können Ausdruck von Vitaminmangel sein. Tests geben Aufschluss. (Medical Tribune 44/19)

Vitamin-B12-Mangel ist häufiger als gedacht: Rund 6–12 % der unter 60-jährigen Erwachsenen sind betroffen. Bestimmte Risikogruppen sind besonders anfällig, schreiben Dr. Nithya Sukumar und Prof. Dr. Ponnusamy Saravanan von der Warwick Medical School, Coventry. Dazu zählen Schwangere, Babys und Kleinkinder, Vegetarier/Veganer sowie ältere Menschen. Auch Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen entwickeln häufiger einen Mangel (s. unten). Die Symptome eines B12-Defizits können vor allem in frühen Stadien unspezifisch sein. Manche Patienten berichten über Haarausfall, Lethargie oder Gewichtsverlust bzw. Diarrhö, wenn eine Malabsorption besteht. Im Zusammenhang mit einer Anämie kann es zu auffälliger Blässe, Dyspnoe oder Kurzatmigkeit kommen. Auch neuropsychiatrische Symptome wie kognitiver Abbau, Depression, Gliederschwäche, Gangauffälligkeiten oder ein Taubheitsgefühl in Händen und Füßen können auf den Vitaminmangel hinweisen.

Labortests bei Verdacht auf B12-Mangel

Bei entsprechendem Verdacht sollten Hausärzte folgende Labortests veranlassen:

  • Vitamin B12 (< 150 pmo/l) und Folsäure im Serum; kombiniertes Defizit v.a. bei Malabsorption oder schwerer Mangelernährung
  • großes Blutbild (wichtig sind v.a. Hämoglobin, Hämatokrit und mittleres korpuskuläres Volumen) sowie Blutausstrich
  • Antikörper gegen Intrinsic Factor (bei klinischem Verdacht auf perniziöse Anämie)
  • Holotranscobalamin (wenn die B12-Spiegel trotz hoher klinischer Wahrscheinlichkeit eines Mangels grenzwertig sind oder das Gesamt-B12 ggf. zu tief gemessen wurde)

Die Autoren empfehlen, bei hämatologischen oder neurologischen Symptomen unabhängig vom B12-Level nach einer perniziösen Anämie zu suchen (auf Antikörper gegen Intrinsic Factor testen). Das gilt auch bei niedrigen Serum-B12-Werten ohne offensichtliche Ursache. In der Diagnostik haben sich Tests auf spezielle Biomarker als sinnvoll erwiesen. Ein Marker ist Holotranscobalamin. Die funktionelle bzw. aktive Form von B12 korreliert im Allgemeinen mit den Gesamtspiegeln des Vitamins und wird nicht von Erkrankungen beeinflusst, die das B12 bindende Protein reduzieren. Erhöhte Werte an Methylmalonsäure und Homocystein sind Indikatoren eines B12-Mangels. Ein solches Defizit kann parenteral durch intramuskuläre oder tiefe subkutane Injektionen von Hydroxycobalamin ausgeglichen werden (z.B. 1 mg dreimal wöchentlich über zwei Wochen, anschließend einmal alle drei Monate). Bei asymptomatischen Personen ohne Hinweis auf Malabsorption kann Cyanocobalamin oral gegeben werden (50–150 μg/d) – Letzteres auch als Erhaltungstherapie nach parenteraler Behandlung.

Erworbene Ursachen für B12-Mangel

  • Anorexia nervosa
  • Alkoholismus
  • perniziöse Anämie
  • altersassoziierte atrophische Gastritis oder H.-pylori-Infektion
  • malabsorptive Erkrankungen, z.B. M. Crohn, Pankreasinsuffizienz, Resektion von Magen oder Ileum
  • Medikamente wie Metformin, H2-Rezeptorantagonisten, Protonenpumpeninhibitoren, orale Kontrazeptiva

Fünf Fakten zum B12-Defizit

  • Vitamin-B12-Mangel kann sich durch unspezifische Symptome bemerkbar machen. Aber wenn hämatologische oder neurologische Auffälligkeiten vorliegen, muss eine rasche Abklärung und Behandlung erfolgen.
  • Das Defizit kann medikamentös induziert, ernährungsbedingt oder auf eine gastrointestinale Störung zurückzuführen sein. Die auf einer Autoimmunreaktion beruhende perniziöse Anämie ist relativ selten.
  • Überweisen Sie an einen Spezialisten, wenn es keinen offensichtlichen Grund für den Mangel gibt, die Therapie nicht greift, eine neurologische Störung oder eine persistierende makrozytäre Anämie vorliegt.
  • Eine parenterale B12-Gabe ist bei dringend erforderlicher Behandlung, Verdacht auf gastrointestinale Malabsorption und älteren Patienten indiziert.
  • Die orale Supplementation ist bei asymptomatischen Personen mit ernährungsbedingtem B12-Mangel eine geeignete Alternative.

Sukumar N, Saravanan P. BMJ 2019; 365: l1865

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