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„Sündhaftes“ Gemüse wurde in der Kantine zum Kassenschlager

FOTO: LIUKOV / GETTYIMAGESDas Anpreisen seiner ernährungsphysiologischen Vorzüge macht gesundes Essen nicht attraktiver. Effektiver ist es, mit ungesunden Eigenschaften zu werben. (Medical Tribune 38/2017)

Gesundes Essen schneidet bei den Konsumenten im Vergleich zum Fastfood oft schlecht ab. Was dem Image zusätzlich schadet: Es macht weniger satt. Nach einem als gesund angepriesenen Mahl liegen die Hungerhormonspiegel höher, als wenn dieses Essen zuvor als gesundheitsschädlich ausgewiesen wurde. Um angesichts dieser psychologischen Hindernisse in der Ernährungsprävention dennoch Erfolge zu erzielen, empfiehlt sich ein Trick, wie Bradley Turnwald und seine Kollegen von der Abteilung für Psychologie der Stanford University nach einer Studie berichten. Verkauft man Studenten und Uni-Angestellten in der Mensa Gemüse als ungesunde Kost, greifen sie begeistert zu. Bietet man dasselbe Essen unter dem Label „Gut für die Gesundheit“ an, sind sie deutlich zurückhaltender. Die Wissenschaftler hatten in der Kantine ihrer Universität ein Quartal lang Erbsen, Möhren und Blumenkohl zwar stets gleich zubereiten lassen, in den Auslagen wurde das Gemüse aber in unterschiedliche Kategorien eingeordnet: entweder Basis-Kost, gesundheitsschädlich, gesundheitsfördernd oder sündhaft.

Verkaufszahlen sind um 25 % gestiegen

Der Erfolg des Verfahrens sprach für sich: Trug das Essen das Label „sündhaft“, griffen 25 % mehr Studenten zu dem Gericht, als wenn es als Basisnahrung ausgeschrieben war. Als gesunde Kost bezeichnetes Gemüse schnitt bei den Verkaufszahlen sogar um 35 % schlechter ab. Ein noch größerer Ladenhüter war nur die angeblich ungesunde Mahlzeit mit einem Minus von 41 %. Ein ähnlicher Trend war beim Vergleich der Mengen der verzehrten Nahrungsmittel zu verzeichnen. „Unsere Ergebnisse zeigen eine robuste, anwendbare Strategie, um bei Erwachsenen den Konsum von gesundem Gemüse zu steigern“, schreiben die Autoren, nämlich die gleichen verführerischen, Interesse weckenden und leckeren Beschreibungen einzusetzen, die auch von den Anbietern populärerer und weniger gesunder Nahrungsmittel angewandt würden.

Turnwald BP et al., JAMA 2017; 177(8): 1216–8

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