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Ramucirumab in Kombination mit Docetaxel verlängert das progressionsfreie Überleben bei Urothelkarzinom

Ramucirumab plus Docetaxel verbesserten in der RANGE-Studie (Petrylak D et al, abstract LBA4_PR) das progressonsfreie Überleben von Patienten mit fortgeschrittenem oder metastatischem Urothelkarzinom, mit Tumorprogress nach vorausgegangener platinbasierter Chemotherapie. Daten der Phase III Studie RANGE wurden beim ESMO 2017 mit dem breiten Publikum geteilt.1 Die Publikation zur Studie ist im angesehenen Fachjournal Lancet zu finden.2

Bei 25 % der Patienten mit platinresistentem, fortgeschrittenem oder metastatischem Urothelkarzinom ist eine Therapie mit Checkpoint Inhibitoren effektiv, für den Rest, die für die Therapie nicht geeignet sind oder die Krankheit trotzdem fortschreitet, gibt es nur wenige Optionen. Eine Phase II Studie konnte aufzeigen, dass das zudosieren des VEGFR-2 Antikörpers Ramucirumab zu Docetaxel das progressionsfreie Überleben von Patienten mit platinresistentem, fortgeschrittenem oder metastatischem Urothelkarzinom nahezu verdoppelte, im Gegensatz zur Gabe von Docetaxel allein.3

Diese Resultate bildeten auch die Grundlage für die Phase III Studie RANGE, an der 530 Patienten mit fortgeschrittenem oder metastatischem Urothelkarzinom teilnahmen, deren Erkrankung nach einer platinbasierten Chemotherapie innerhalb der ersten 14 Monate fortgeschritten war. Die Patienten wurden 1:1 randomisiert, 263 Patienten erhielten Ramucirumab mit Docetaxel und 267 Patienten ein Placebo mit Docetaxel. Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, wurde signifikant verlängert mit der Ramucirumab/Docetaxel Kombinationstherapie (4,07 Monate vs. 2,76 Monate, Hazard Ratio: 0,757). Die Resultate fielen sogar, nach einer einfachblinden Zentralanalyse, etwas günstiger aus (4,04 Monate vs. 2,46 Monate, Hazard Ratio: 0,672). Die objektive Ansprechrate betrug 24,5 % in der Ramucirumab/Docetaxel Gruppe und 14,0 % unter der Placebo/Docetaxel Therapie. Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht auswertbar.

Die Toxizität war bei beiden Studienarmen vergleichbar, wobei eine leicht geringere Anämie bei Patienten unter Ramucirumab/Docetaxel-Therapie beobachtet wurde. Ein Behandlungsabbruch erfolgte in erster Linie aufgrund von Krankheitsfortschritt bei 209 Ramucirumab/Docetaxel Patienten und 229 Placebo/Docetaxel Patienten. Im Bezug auf die Lebensqualität gab es keine Veränderungen im Laufe der Studie, es wurden auch keine Unterschiede zwischen beiden Behandlungsgruppen beobachtet.

„Ramucirumab reduzierte konsistent in allen Subgruppen das Risiko für einen Krankheitsfortschritt um 24 %. Die objektive Ansprechrate wurde nahezu verdoppelt und es wurden keine signifikanten Unterschiede in der Toxizität der Behandlungen beobachtet“, erörterte Erstautor Professor Daniel P. Petrylak von der Yale School of Medicine and Yale Cancer Center, New Haven, CT, US. Weiters fügte er hinzu: „Ramucirumab plus Docetaxel kann zu einer Standardtherapie bei Patienten mit platinresistentem, fortgeschrittenem oder metastatischem Urothelkarzinom werden, die nicht geeignet sind für eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren oder trotz Verabreichung einen Tumorprogress hatten“.

Auf OS-Daten warten

Die Resultate wurden von Dr. Richard Cathomas, Chefarzt für Onkologie und Hämatologie im Kantonsspital Graubünden, Chur, Schweiz, wie folgt interpretiert: „Dies ist die erste Studie, die einen Vorteil für das progressionsfreie Überleben vergleichbar mit einer Chemotherapie alleine bei Patienten mit platinresistentem Urothelkrebs aufzeigt. Dennoch, der Nutzen beträgt gemessen 1.3 Monate, was zwar statistisch signifikant ist, aber die Frage aufwirft, ob es auch klinische Relevanz hat. Wir müssen herausfinden, ob sich der Vorteil für das progressionsfreie Überleben auch im Gesamtüberleben widerspiegelt. Bei anderen Studien zu diversen Krebsarten, die eine Chemotherapie in Kombination mit Angiogeneseinhibitoren einsetzten, wirkte sich leider der geringe progressionsfreie Überlebensbenefit auf das Gesamtüberleben nicht aus. Er ergänzte: „Es ist zu früh, um anhand dieser Daten alleine die gängige Zweitlinienbehandlung, die Immun-checkpoint-Inhibition, zu ändern. Aber die Verbesserung der Ansprechrate zeigt, dass Ramucirumab eine Wirkung auf die Erkrankung hat, und somit könnte in Zukunft die Angiogeneseinhibition ein Teil des Armamentariums für die Behandlung von Urothelkarzinom werden.

Referenzen
1 Petrylak D et al., abstract LBA4_PR: RANGE: a randomized, double-blind, placebo-controlled phase 3 study of docetaxel (DOC) with or without ramucirumab (RAM) in platinum-refractory advanced or metastatic urothelial carcinoma
2 Petrylak DP et al., Ramucirumab plus docetaxel versus placebo plus docetaxel in patients with locally advanced or metastatic urothelial carcinoma after platinum-based therapy (RANGE): a randomised, double-blind, phase 3 trial. The Lancet. Published Online September, 12 2017. doi:10.1016/S0140-6736(17)32365-6
3 Petrylak DP et al., Docetaxel As Monotherapy or Combined With Ramucirumab or Icrucumab in Second-Line Treatment for Locally Advanced or Metastatic Urothelial Carcinoma: An Open-Label, Three-Arm, Randomized Controlled Phase II Trial. J Clin Oncol. 2016; 34(13):1500–1509. doi: 10.1200/JCO.2015.65.0218.

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