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Pichlbauer: Die völlig unnötige Ärztegewerkschaft

Dr. Ernest Pichlbauer<br /><p class=Unabhängiger Gesundheitsökonom, Wien” width=”123″ height=”177″ class=”size-full img-border wp-image-153421″ style=”margin-right:8px” /> Dr. Ernest Pichlbauer
Unabhängiger
Gesundheitsökonom

Hört man Kammern und Gewerkschaften, denkt man, Spitalsärzte waren immer bestens vertreten – daher ist die Gründung einer freiwilligen Berufsvereinigung, wie es die neue Ärztegewerkschaft Asklepios sein will, unnötig. Die Kammer argumentiert, dass sie ohnehin und seit jeher die Pflichtvertretung aller Ärzte, somit auch der Spitalsärzte sei, für diese verhandle und Kollektivvertrage abschließe. Nun, wenigstens Letzteres ist nicht so, weil das nur Gewerkschaften dürfen, von denen gleich vier zuständig sind (VIDA, GOD, GPA, GdG) und Arzte jeweils nur Bruchteile der vertretenen Arbeitnehmer darstellen. Und diese Gewerkschaften meinen, sie alleine sind nötig. Daher sagt der Vorsitzende der GdG, SP-Landtagsabgeordneter in Wien, Ing. Ch. Meidlinger: „Die Idee einer „Ärztegewerkschaft“ ist völlig absurd. […] Wir erwarten die solidarische Unterstützung der gesamten Ärzteschaft.“ Und seine Stellvertreterin A. Lueger, SP-Nationalratin: „Es macht wenig Sinn, wenn jede eigene Berufsgruppe ihren eigenen Verband hat.“ Spannend – wen oder was sollten Gewerkschaften vertreten, wenn nicht Berufsgruppen?

Interessenskonflikte

Dass eine Tätigkeit für eine regierende Partei, die die Arbeitgeberseite stellt, einen Interessenskonflikt hervorrufen konnte, denken die wenigstens, wie Kärnten drastisch zeigt. Da hat der KABEG-Betriebsrat, GOD-Funktionär und SP-Landtagsabgeordnete Arnold Auer mit KABEG-Vorstand Dr. Arnold Gabriel, ehemaliger Büroleiter von SP-Landeshauptmann Peter Kaiser, die Ärztebedingungen ausverhandelt und der Ärztekammer klargemacht, dass sie Nachrang hat. Bei all der Unterstützung fragt man sich, warum 11 Jahre lang ein Arbeitnehmerschutz- Gesetz missachtet werden konnte, nur mehr Spitalsarzte eine 60-Stunden-Woche kennen, in Jungärzten ein Proletariat mit prekären Arbeitsverhältnissen und dem niedrigsten Netto-Lohn pro geleisteter Arbeitsstunde aller Gesundheitsberufe entstanden ist – und warum eine neue Gewerkschaft innerhalb weniger Tagen fast genauso viele Mitglieder werben kann, wie jene, die sich seit 60 Jahren eifrigst für Spitalsarzte einsetzen?

Autor: Dr. Ernest Pichlbauer