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Nationales Krebsrahmenprogramm: Prävention bis Reha

WIEN – Der 18-köpfige Onkologiebeirat des Gesundheitsministeriums arbeitete seit 2010 an einem nationalen Krebsrahmenprogramm, das nun vorliegt. Es umfasst alle relevanten Handlungsfelder – von der Prävention über Diagnostik und Therapie bis hin zur Reha – und setzt überdies Schwerpunkte auf Kinder und ältere Menschen.

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Das Krebsrahmenprogramm setzt u.a. einen Schwerpunkt auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen und definiert die familienorientierte Rehabilitation als Ziel.

Das Krebsrahmenprogramm behandle einen „wirklich sehr breit gefächerten Kanon“, so Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser, die kürzlich das zehnjährige Bestehen der Organisation „Selbsthilfe Darmkrebs“ dazu nutzte, auch das nationale Krebsrahmenprogramm vorzustellen. Besonders aufmerksam machte sie auf die Arbeitsbereiche Psychoonkologie – für sie „ein sehr, sehr wichtiges Thema“ – und Prävention. Das nationale Krebsrahmenprogramm ist ein Expertenpapier mit Empfehlungscharakter.

Erstellt wurde es von einer 18-köpfigen Expertengruppe, der v.a. Ärzte wie u.a. Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Univ.-Prof. Dr. Richard Greil, Univ.-Prof. Dr. Ruth Ladenstein, Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda angehören, in der aber mit Helga Thurnher auch die Selbsthilfe Darmkrebs und mit Priv.-Doz. Dr. Claudia Wild eine HTA-Expertin vertreten sind. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von BMG-Sektionschefin Dr. Pamela Rendi-Wagner und Dr. Margarete Arrouas.

Die Expertengruppe definierte im Krebsrahmenprogramm Ziele, Maßnahmen und Messgrößen zu den sechs Arbeitsbereichen „Prävention“, „Diagnostik, Behandlung, Forschung“, „Psychoonkologie“, „Palliativ- und Hospizversorgung“, „onkologische Rehabilitation“ und „Epidemiologie“. Allen operativen Zielen sind sechs strategische Ziele übergeordnet:

  • verringerte Inzidenz durch Prävention/ Gesundheitsförderung
  • verringerte Mortalität und längeres Überleben durch evidenzbasierte und zeitgerechte Früherkennung, Diagnostik und Behandlung
  • Verbesserung/Erhalt der Lebensqualität der Erkrankten sowie deren Angehörigen
  • gleicher Zugang zu allen Versorgungsstrukturen sowie zu Innovation und Fortschritt für alle
  • hochwertige Daten und verbesserte evidenzbasierte Information
  • Forschungsförderung

Zudem arbeiteten die Experten für die zwei Zielgruppen „Kinder und Jugendliche“ sowie „ältere Menschen“ eigenständige Ziele heraus, da deren Versorgung eine besondere Herausforderung darstellt.

Operative Ziele in der Prävention

Für die Prävention formulierte der interdisziplinäre Onkologiebeirat folgende operative Ziele:

  • Rauch-Stopp
  • Programm-Screenings implementieren
  • Virus-assoziierte Tumorarten durch Impfungen vermeiden
  • Gesundheitskompetenz stärken
  • Verkehrsemissionen reduzieren

Zu den Zielen werden jeweils auf wissenschaftlichen Kriterien beruhende Maßnahmen angeführt, durch die „bedeutende Effekte“ zu erwarten sind. Im Falle des Ziels „Rauch-Stopp“ ist eine Maßnahme die Durchsetzung eines Rauchverbots in der Gastronomie inklusive Diskotheken, um rauchfreie Arbeitsplätze zu garantieren und Nichtrauchen wieder als Norm v.a. bei Jugendlichen zu etablieren. Eine andere Maßnahme peilt die Förderung niederschwelliger und zielgruppenspezifischer Rauchentwöhnungsangebote an.

Operative Ziele in der Psychoonkologie

Im Handlungsfeld „Psychoonkologie“ setzt der Plan drei operative Ziele:

  • Sicherstellung des psychoonkologischen Betreuungsangebots
  • unterschiedliche psychoonkologische Organisationsformen definieren und umsetzen
  • einheitliche Fort- und Weiterbildungsstandards festlegen

Als Maßnahmen zur Sicherstellung des psychoonkologischen Betreuungsangebots schlägt das Expertenteam vor, die Erhebung der intra- und extramuralen psychoonkologischen Versorgung unter Berücksichtigung der im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) vorgegebenen Strukturkriterien zu vervollständigen und die erhobenen Mängel stufenweise zu beheben. Als dazugehörige Messgrößen werden ein Monitoring über die verfügbaren psychoonkologisch Tätigen (Psychologen, Psychotherapeuten, Fachärzte, Ärzte mit Psychotherapieausbildung) in Relation zur Anzahl der betreuten Patienten und die Differenz zwischen Ist-Stand sowie Soll-Stand nach internationalen Richtlinien angeführt.

Der Plan empfiehlt darüber hinaus, einheitliche, validierte Screeningtools zur Indikationsstellung für die spezielle psychoonkologische Betreuung zu erarbeiten und zu implementieren. Weiters sollen Empfehlungen für mögliche Organisationsformen wie Psychoonkologie- integrierte Modelle oder Konsiliar-Liaison-Dienste erarbeitet und deren Qualität kontrolliert werden. Auch bei der Fortbildung der Psy-Berufe gilt es, Maßnahmen auf Basis (inter)nationaler Empfehlungen zu erarbeiten, flächendeckend zu implementieren und sich als Messgröße die Anzahl der Angebote sowie der ausgebildeten Personen anzuschauen.

Zielgruppen Alt und Jung

Im letzten Drittel des 61-seitigen Krebsrahmenprogramms gehen die Experten auf „spezifische Aspekte“ für die Zielgruppe der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen sowie älteren Menschen ein. Es gelte die multiprofessionelle Betreuung älterer Krebspatienten zu verbessern und die Forschung zum Thema ältere Krebspatienten zu fördern. Die Expertengruppe empfiehlt, dass die behandelnde onkologische Einrichtung die Koordinationsfunktion für die Betreuung älterer Menschen übernimmt.

Der Anteil über 70-jähriger Krebspatienten, die an Studien teilnehmen, soll gesteigert werden. Für die bessere Versorgung junger Krebspatienten wurden die Ziele „Bedarfsorientierte Bereitstellung einer familienorientierten stationären Rehabilitation“ sowie „Implementierung eines Survivorship Passports“ definiert. Im Ausblick empfiehlt der Onkologiebeirat, bei der Umsetzung des Programms den „Health in All Policies“-Ansatz zu wählen. Außerdem erscheine es aus budgetären Gründen sinnvoll, die Maßnahmen zu priorisieren. Laut Ministerium soll das nationale Krebsrahmenprogramm „in den kommenden fünf bis zehn Jahren“ umgesetzt werden.

Programm auf: bit.ly/Krebsrahmenprogramm

Autor: Mag. Anita Groß