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Frauen mit kompletter Androgenresistenz: Psychologisch weiblich

US-amerikanische Wissenschaftler konnten in einer Studie belegen, dass Frauen mit einer kompletten Androgenresistenz (CAIS), bei der ein X- und ein Y-Chromosom vorliegen, optisch und psychologisch betrachtet typische Frauen sind. Sie weisen die gleichen Gehirnreaktionen auf visuelle sexuelle Reize auf wie Frauen mit zwei X-Chromosomen.

Credit: Image courtesy of Emory Health Sciences

Forscher um Stephan Hamann von Emory Health Sciences in Atlanta, Georgia, analysierten die Reaktionen von 46 XY-Männern, 46 XX-Frauen und 46 XY-Frauen mit kompletter Androgenresistenz (CAIS) auf sexuelle Bilder. Im Fachmagazin “Hormones and Behavior” berichten sie, dass nicht das Y-Chromosom Männer anders auf sexuelle Bilder reagieren lässt als Frauen, sondern Androgene die unterschiedlichen Reaktionen bewirken.

Frauen mit CAIS werden mit einem XY-Chromosomenpaar geboren. Wegen des Y-Chromosoms fehlen ihnen neuronale Rezeptoren für Androgene, so dass sie nicht auf die Androgene reagieren, die in ihren Leisten verborgenen Testes produziert werden. Sie können jedoch auf die Östrogene reagieren, die ihre Hoden produzieren, und sich so äußerlich zu Frauen entwickeln, indem sie eine verweiblichende Pubertät durchlaufen. CAIS-Frauen verfügen allerdings weder über Ovarien noch einen Uterus.

Männer zeigten in vorangegangenen Arbeiten im Hypothalamus und in der Amygdala eine wesentlich höhere Aktivität als Frauen. In der aktuellen Untersuchung stellten die Emory-Forscher die neuronalen Antworten von Männern und Frauen auf sexuelle Reize jenen von Frauen mit CAIS gegenüber. Dabei konnten die Wissenschaftler keinen Unterschied in den neuronalen Antworten von Frauen mit CAIS und Frauen mit zwei X-Chromosomen feststellen, obwohl beide sehr verschieden von jenen der Männer in der Studie waren.

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Hamann erklärte in einer Aussendung der Universität, dass dieses Resultat die Theorie untermauere, dass Androgene der Schlüssel zur männlichen Antwort seien. Zudem bestätige die Studie, dass Frauen mit CAIS psychologisch betrachtet typische Frauen seien, auch ihr physisches Aussehen betreffend.

Kim Wallen, einem an der Studie beteiligten Emory-Professor für Psychologie und Verhaltensneuroendokrinologie zufolge könnten die Erkenntnisse eine breitere Anwendungen in den Bereichen Kognition und Gesundheit finden. “Alles, was wir über Geschlechtsunterschiede im Gehirn lernen, kann uns helfen, wichtige Fragen zu beantworten: Warum tritt etwa Autismus bei Männern häufiger auf, und weshalb sind Frauen öfter von Depressionen betroffen als Männer?

Stephan Hamann, Jennifer Stevens, Janice Hassett Vick, Kristina Bryk, Charmian A. Quigley, Sheri A. Berenbaum, Kim Wallen
Brain responses to sexual images in 46,XY women with complete androgen insensitivity syndrome are female-typical
Hormones and Behavior, 2014; 66 (5): 724 DOI: 10.1016/j.yhbeh.2014.09.013

Quelle: pte, Emory University

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