Home / Medizin / Innere Medizin / Infektiologie / Variante BA.2 in Österreich noch vorherrschend, aber Anteil von BA.4/BA.5 steigt

Variante BA.2 in Österreich noch vorherrschend, aber Anteil von BA.4/BA.5 steigt

Coronavirus Warnung

+++ Weiter Infektionsrückgang in Österreich, BA.2 noch vorherrschend – Anteil neuer Variante BA.4/BA.5 steigt auch in Österreich – Bergthaler: Österreich sollte Kläranlagen-Monitoring ausbauen – Montgomery warnt vor Ausbreitung von Subvarianten – Neue Verordnung bringt auch Änderungen beim Grünen Pass – NGOs fordern von BioNtech Impfstoff-Know-how für arme Länder +++

Weiter Infektionsrückgang in Österreich, BA.2 noch vorherrschend

Das Covid-Prognosekonsortium geht für die kommende Woche in der Mehrheit der Bundesländer weiterhin von einem leichten Abwärtstrend der Infektionszahlen aus. Dies gilt auch für den Spitalsbelag, hieß es am Mittwoch, 1.6., in dem Update der Modellrechner von TU Wien, MedUni Wien und Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Für den kommenden Mittwoch wird eine Sieben-Tage-Inzidenz im Bereich von 120 bis 190 Fällen je 100.000 Einwohner erwartet, als Mittelwert werden 140 Fälle angenommen.

Die geringste Sieben-Tage-Inzidenz wird in Kärnten (68% Konfidenzintervall von 58 bis 95 Fällen) und die höchste in Wien (190 bis 310) erwartet. Das angekündigte Ende der Schultests ab der kommenden Kalenderwoche (KW 23) sei für die aktuelle Prognose noch nicht relevant. Dies werde jedoch in absehbarer Zeit zu einer veränderten Meldedynamik führen, heißt es in dem aktuellen Dokument.

In der Kurzfrist-Prognose wird noch davon ausgegangen, dass die Dynamik von der Omikron-Variante BA.2 getrieben bleibt. Die Verbreitung der Subvarianten BA.4/5 zeigt gemäß der Varianten-Surveillance der AGES eine Prävalenz von ca. sieben Prozent in ganz Österreich in KW 21. Demnach gibt es aber starke Unterschiede zwischen den Bundesländern von Wien mit rund 15 Prozent bis zur Steiermark mit weniger als einem Prozent. Der Wachstumsvorteil dieser Varianten wird auf rund 40 Prozent bei einer Varianten-spezifischen Reproduktionszahl von 1,2 geschätzt (KW 19 bis 21).

Die zwei Wochen vorausblickende Belagsprognose geht auf den Normalstationen von einem Rückgang von 432 Covid-Patienten am 31. Mai auf im Mittelwert 261 am 15. Juni aus. Auf den Intensivstationen dürfte sich die Zahl der von Infizierten belegten Betten in diesem Zeitraum von 43 auf im Mittelwert 26 verringern. In der Belagsprognose wird nicht zwischen Personen, deren Hospitalisierung kausal auf Covid-19 zurückzuführen ist, und Personen, die ursprünglich aufgrund einer anderen Diagnose hospitalisiert wurden, unterschieden. (APA)

Anteil neuer Variante BA.4/BA.5 steigt auch in Österreich

Der Anteil der neuen Variante des Coronavirus BA.4/BA.5 bei den Neuinfektionen steigt auch in Österreich. Lag der Anteil in der Kalenderwoche 20 noch bei rund drei Prozent, so waren es in der vergangenen Woche 21 bereits acht Prozent. Derzeit ist aber noch kein Anstieg der Gesamtfälle zu verzeichnen, wie es am Dienstag, 31.5., aus dem Gesundheitsministerium hieß.

Die neue Variante sorgt derzeit vor allem in Portugal für stark steigende Neuinfektionen. Dies könnte aber auch daran liegen, dass das Land nur kurz von der Omikron-Welle erfasst wurde und die Bevölkerung vulnerabler für die Omikron-Variante BA.4/BA.5 ist. Österreich verzeichnete hingegen eine sehr lange Welle, womit die Gesamtimmunisierung höher sein könnte. Dies könnte dann bedeuten, dass die Fallzahlen trotz der neuen Variante nicht in einem Ausmaß wie in Portugal in die Höhe gehen.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist dem Gesundheitsministerium zufolge ein genauer Überblick über die aktuell zirkulierenden Virusvarianten von besonderer Bedeutung. „Weil die bisher bei PCR-Tests verwendete Methode die Omikron-Untervarianten nur mehr ungenau unterscheiden kann, setzt das Gesundheitsministerium künftig verstärkt auf die aufwendigste und genaueste Methode, das sogenannte Sentinel-Varianten-Surveillancesystem“, hieß es in einer Aussendung,

Bei der sogenannten Sentinel-Analyse werden in allen Bundesländern repräsentativ positive Proben mittels Sequenzierung analysiert. Sie können so exakt einer Virusvariante zugeordnet werden. Durch die Analysen kann dann ein repräsentativer Überblick über das Varianten-Geschehen im ganzen Land geboten werden. „Weiters bietet die Sentinel-Analyse den Vorteil, dass mögliche neu auftretende Virusvarianten sofort erkannt werden und deren Auftreten an die internationalen Behörden weitergemeldet werden kann“, so das Ministerium.

Unverändert bestehen bleibt das Abwassermonitoring. Dabei wird das Abwasser aus zentralen Kläranlagenstandorten in ganz Österreich kontinuierlich auf Spuren des Coronavirus untersucht und das Variantengeschehen durch Sequenzierungen analysiert. Dieses Monitoring liefert einen breitflächigen Überblick über das Fallgeschehen und die Variantenlage in Österreich, „und wird vonseiten des Gesundheitsministeriums als wichtige Säule des Varianten-Monitorings weitergeführt“, wie es hieß. Im Programm sind die 24 größten Kläranlagen Österreichs inkludiert, und damit wird eine Bevölkerungsabdeckung von rund 52 Prozent erreicht. (APA)

Bergthaler: Österreich sollte Kläranlagen-Monitoring ausbauen

Gewissermaßen gegen den internationalen Trend bewegt sich Österreich damit, dass das Überprüfen von Kläranlagenproben auf SARS-CoV-2 durch das Auslaufen des Schulstandortmonitorings zurückgefahren wird. In Ländern wie Kanada oder Deutschland werde dieser Bereich ausgebaut, so der Virologe Andreas Bergthaler zur APA. Nach dem Zurückfahren der PCR-Tests gehe es darum, weiter einen möglichst guten Überblick zu behalten und das erfolgreiche System zu erweitern.

Im Rahmen des Schulstandortmonitorings wurden über das Schuljahr hinweg österreichweit aus mehr als 100 Kläranlagen mit Schulen im Einzugsgebiet zweimal pro Woche Proben entnommen, um einen Überblick über das lokale Infektionsgeschehen bzw. Mutationen zu erhalten. Nach dem Auslaufen dieser Schiene mit Ende des Schuljahres geht nur das nationale Abwassermonitoring des Gesundheitsministeriums weiter. Es umfasst mit den 24 größten Kläranlagen Österreichs deutlich weniger Einrichtungen in vor allem dichter besiedelten Gegenden. Das Einzugsgebiet decke rund 52 Prozent der Bevölkerung ab, heißt es.

Gerade bei den Abwassertestungen war Österreich bisher „erstaunlich gut aufgestellt“, so der an der MedUni Wien und dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätige Bergthaler. Das komplexe System funktioniere über alle Bundesländer hinweg, die Ergebnisse hätten vielfach in die Risikoeinschätzungen der österreichischen Behörden Einzug gehalten. Dass damit wertvolle Informationen für das Pandemiemanagement gewonnen werden, zeigte ein Forschungsteam kürzlich gemeinsam mit Infektionsepidemiologen der AGES.

Letztlich kann über die Proben nicht nur das Infektionsgeschehen sehr gut abgeschätzt, sondern auch die Verbreitung der Varianten verfolgt werden. Andere Länder würden gerade jetzt vermehrt in solche Systeme investieren. In Kanada wolle man bald 80 Prozent der an Kläranlagen angeschlossenen Bevölkerung damit abdecken – „Das ist schon eine Ansage“, so Bergthaler. In Österreich laufe man durch das Ende des Schulstandortmonitorings „Gefahr, dass der Evidenzgewinn aus den Abwasseranalysen eher stagniert“.

Der Vorteil des Ansatzes sei, dass man auch die Übersicht behalten könne, wenn weniger PCR-getestet wird. Darüber hinaus unterliegt die Beprobung der Kläranlagen keiner möglichen Stichprobenverzerrung und ermöglicht einen verhältnismäßig kostengünstigen epidemiologischen Überblick. Das hätten einige Bundesländer sehr zu schätzen gewusst. Insgesamt habe man es bisher jedenfalls geschafft, bundesweit gut zusammenzuarbeiten und auch die Daten zentral gemeinsam mit der AGES zu analysieren und zu verknüpfen. Würden jetzt einzelne Länder mit einem ausgeweiteten Monitoring auf eigene Faust weiter machen, sei das zwar prinzipiell zu begrüßen. Es berge jedoch die Gefahr, dass das funktionierende System wieder „zu einem Fleckerlteppich ausfranst“ und darunter dann auch die Qualität der Datenanalysen leidet. „Das wäre schade“, so der Virologe, der im Abwassermonitoring ein „wirkungsvolles Werkzeug“ in der aktuellen Pandemiephase sieht.

Wenn man sich nun lediglich auf die 24 Anlagen des nationalen Abwassermonitorings stütze, verliere man vielleicht nicht sehr viele Prozentpunkte der Bevölkerung, die man indirekt beprobt, die regionale Auflösung des Systems leide jedoch. Es spreche daher „einiges dafür“, das aktuelle System beizubehalten, oder „es unter Umständen sogar auszubauen“, sagte Bergthaler: „Als Wissenschafter würde man sich natürlich wünschen, mehr und möglichst genaue Daten zu haben.“ Dementsprechend besser könne man dann Entscheidungsträgern bessere Informationen bereitstellen. (APA)

Die Publikation als Preprint unter: https://doi.org/10.1101/2022.01.14.21267633 
Das Abwasser-Monitoring online unter: https://corona.hydro-it.com

Montgomery warnt vor Ausbreitung von Subvarianten

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat vor einer Ausbreitung der Omikron-Subvariante BA.5 des Coronavirus in Deutschland gewarnt. „Corona ist noch nicht vorbei – das belegt der heftige Ausbruch von Omikron in Portugal“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). BA.5 werde sich auch in Deutschland ausbreiten. Viele Menschen – auch Geimpfte – würden erkranken. Geimpfte hätten aber deutlich mildere Symptome.

Das Robert Koch-Institut berichtete kürzlich von einer Zunahme der Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 auf niedrigem Niveau. Dominant ist weiter BA.2 mit 96,4 Prozent. Der Anteil von BA.5 verdoppelte sich etwa von 1,2 auf 2,5 Prozent. Auch der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte sich schon mit einer Warnung zu Wort gemeldet. „Die besonders ansteckende Variante BA4/BA5 ist auch bei uns auf dem Vormarsch. Dies könnte im Herbst die nächste Welle werden“, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. (APA/dpa)

Neue Verordnung bringt auch Änderungen beim Grünen Pass

Die ab 1. Juni geltende Verordnung zur Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen bringt in weiterer Folge auch Änderungen beim Grünen Pass. Für einen 3G-Nachweis ist ab 23. August die Kombination aus Impfung und Genesung nicht mehr ausreichend. Ansonsten wird durch die Verordnung wie erwartet die Maskenpflicht im lebensnotwendigen Handel, in Apotheken und in Öffis bis zum 23. August ausgesetzt. Die Ausnahmen von der 3G-Pflicht werden jenen von der Impfpflicht angepasst.

Für eine Grundimmunisierung sind damit einheitlich drei Stiche nötig – das hat das Nationale Impfgremium bereits empfohlen. Bisher galt eine Genesung vor der ersten Impfung als eigenes „immunologisches Ereignis“. Unverändert ist eine Genesung weiter sechs Monate gültig, sie ersetzt aber keine Impfung mehr, so das Gesundheitsministerium in einer Aussendung.

Aufrecht bleibt die Maskenpflicht in „besonders vulnerablen Settings“ wie Krankenanstalten, Kuranstalten und sonstige Orten, an denen Gesundheits- und Pflegedienstleistungen erbracht werden, sowie in Alten- und Pflegeheimen. Auch in der mobilen Pflege (außer im Behindertenbereich) bleibt die Maskenpflicht erhalten.

Keine Maskenpflicht besteht dagegen in stationären Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe. Weiter aufrecht in diesem Bereich bleibt die 3G-Pflicht. Gleiches gilt für mobile Pflegedienstleistungen im Behindertenbereich.

Weitere Änderung: Die bisher vorgeschriebenen Mindestabstände zwischen Impfungen entfallen. Begründet wird dies mit der „leichteren Vollziehbarkeit und Einheitlichkeit“ – außerdem seien die Ärzte beim Impfen grundsätzlich ohnehin an die Mindestabstände gebunden.

Darüber hinaus werden (neben Schwangerschaft und Gefahr für die Gesundheit durch eine Impfung) weitere Ausnahmen bei der 3G-Regel geschaffen – ihr Nachweis entfällt nun auch für jene Personen, die aufgrund fehlender Immunantwort auf eine Impfung auch nicht der Impfpflicht unterliegen würden. Als Bestätigung dafür reicht jene, die man bereits für eine Impfpflicht-Ausnahme bekommen hat.

Mit einer Wiedereinführung der Maskenpflicht rechnet man im Gesundheitsministerium im Herbst, bei steigenden Fallzahlen sei dies auch davor möglich. Die Bundeshauptstadt Wien geht weiter ihren eigenen Weg und behält die Maskenpflicht zumindest in öffentlichen Verkehrsmitteln, Arztpraxen und Apotheken bei.

Über den Sommer weiter ausgesetzt bleibt bundesweit die Corona-Impfpflicht. Eigentlich hätte bei Verstößen gegen die Pflicht ab Mitte März gestraft werden sollen, auf Empfehlung der Experten-Kommission war die Impfpflicht jedoch bis vorerst 1. Juni ausgesetzt. Nun wird diese Regelung nach einer weiteren Empfehlung der Experten über den Sommer (ebenfalls für drei Monate) verlängert. (APA)

NGOs fordern von BioNtech Impfstoff-Know-how für arme Länder

Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam rufen BioNtech zu einem Impfstoff-Technologietransfer an einkommensschwache Länder auf. Im Vorfeld der Hauptversammlung des Mainzer Biotechunternehmens am Mittwoch (1.6.) forderten die drei NGOs, „erstens dem mRNA-Hub der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Produktions-Know-How zur Verfügung zu stellen, zweitens Impfstoffe global gerechter zu verteilen und drittens Preisgestaltung und Verträge transparent zu machen“.

Nur so können sich Länder mit geringem Einkommen selbst mit lebensrettenden Impfstoffen versorgen, hieß es in einer Aussendung von Dienstag, 31.5. Demnach plane BioNtech trotz massiver staatlicher Förderung und Rekordgewinnen bisher wenig, um die Impfstoffversorgung in einkommensschwachen Ländern zu verbessern. Gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre lieferten die drei NGOs einen kritischen Fragenkatalog für die Hauptversammlung.

Bemängelt wird unter anderem, dass BioNtech den im Juli 2021 von der WHO in Südafrika eingerichteten mRNA-Hub nicht unterstütze. Dort soll ein patentfreier Corona-Impfstoff für die Länder des Globalen Südens entwickelt werden. Des Weiteren seien „fast ausschließlich wohlhabende Länder mit Impfstoff beliefert“ und dadurch einen Nettogewinn von 10,3 Mrd. Euro erzielt worden. Nur ein Prozent der BioNtech/Pfizer-Produktion an Corona-Vakzinen sei 2021 an Länder mit geringem Einkommen gegangen. Dies verschärft laut den drei NGOs strukturelle Ungleichheiten.

Zudem basiere der Impfstoff auf der jahrzehntelangen Forschung an der mRNA-Technologie, die „massiv“ durch staatliche Mittel finanziert sei, darunter 17,2 Mrd. US-Dollar (15,98 Mrd. Euro) von der US-Regierung zwischen 2000 und 2019. „Es kann nicht sein, dass es trotz dieser öffentlichen Förderung allein dem Unternehmen obliegt, an wen und zu welchen Konditionen das Vakzin verkauft wird, und dass Preisgestaltung und Verträge nicht offengelegt werden müssen“, heißt es in der Aussendung.

Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam sind Teil eines Bündnisses von fast 100 Organisationen, der People’s Vaccine Alliance, die sich für die Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte auf Mittel zur Bekämpfung von Covid-19 einsetzt. (APA)

LOGIN