Home / Neue Varianten BA.4 und BA.5 nun auch in Österreich; Studie: Long Covid korreliert mit Virusresten

Covid-19 Update 04.05.2022

Neue Varianten BA.4 und BA.5 nun auch in Österreich; Studie: Long Covid korreliert mit Virusresten

Coronavirus Warnung

+++ Neue Coronavirus-Varianten BA.4 und BA.5 auch in Österreich nachgewiesen – Long Covid hängt offenbar mit Virusresten zusammen – Paxlovid kann Infektionsübertragung nicht verhindern – Experten erwarten Abflachung der epidemiologischen Kurve – Corona-Pandemie verschlechterte Müttergesundheit weltweit +++

Neue Coronavirus-Varianten BA.4 und BA.5 auch in Österreich nachgewiesen

Die neuen Covid-19-Untervarianten BA.4 und BA.5 sind auch in Österreich erstmals nachgewiesen worden. Die Stadt Wien hat dem Gesundheitsministerium erste Fälle der Variante BA.4 und einen Fall der Variante BA.5 gemeldet, berichtete das Ministerium am Mittwoch, 4.5. Auch in der Steiermark und in Salzburg wurden einzelne Fälle identifiziert. Das bundesweite Abwasser-Monitoring hat bisher keine Hinweise der zunächst hauptsächlich in Südafrika nachgewiesenen Virusvarianten ergeben.

Nach den ersten Einschätzungen der Experten „sorgen die beiden neuen Omikron-Subvarianten für etwas mehr Ansteckungen als die derzeit dominierende Variante BA.2“, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). Zudem wird für die neuen Varianten eine stärkere Immunflucht vermutet. Sie könnten also der Abwehr durch das Immunsystem leichter entgehen und so den Abwärtstrend bei der Zahl der Infektionen bremsen. Hinweise, dass durch die neuen Varianten schwerere Krankheitsverläufe entstehen, gibt es bisher keine.

In Wien gab es bereits in der Kalenderwoche 16, also zwischen 18. und 24. April, 24 Nachweise der Variante BA.4 und einen Nachweis von BA.5. „Wir haben es am Radar, aber es beunruhigt uns derzeit nicht. Diese 24 Fälle hängen als ein/mehrere Cluster über mehrere Ecken miteinander zusammen, lokal sehr begrenzt. Plus: Der Trend geht weiter zurück“, schrieb der Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker (SPÖ), Mario Dujakovic, auf Twitter.

„Wir beobachten die Situation sehr genau. Die laufenden Sequenzierungen geben uns einen guten Überblick über die Verbreitung der Varianten“, meinte auch Rauch. Aktuell gebe es keinen Handlungsbedarf, konstatierte der zuständige Minister. Die Studienlage zu den beiden neuen Varianten sei aber noch dünn.

In Südafrika, wo derzeit Winter ist, baut sich durch die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 derzeit die fünfte Infektionswelle auf. Diese Varianten enthalten Mutationen, „die zum Teil schon von anderen Varianten bekannt waren, zum Beispiel Delta. Und die mit Immun-Escape, mit Immunflucht, assoziiert sind“, sagte der Virologe Andreas Bergthaler am Mittwoch im „Ö1“-Morgenjournal. (APA)

Long Covid hängt offenbar mit Virusresten zusammen

Long-Covid-Symptome hängen offenbar mit dem Vorhandensein von Virusbestandteilen zusammen. Zu diesem Schluss kommt eine klinische Studie an Patienten mit chronischen Darmerkrankungen unter der Federführung von Herbert Tilg, Direktor für Innere Medizin I der Innsbrucker Uni-Klinik. „Dass Virusreste anscheinend mit Long-Covid-Symptomen korrelieren, ist human bisher noch nie gezeigt worden“, sagte Tilg im APA-Interview.

Konkret wurden 46 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im Zuge einer Magen-Darm-Spiegelung auch auf Corona untersucht, schilderte der renommierte Internist und Gastroenterologe, der auch als federführend in der Forschung gilt. Bei diesen eher jüngeren Patienten – die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt – werde regelmäßig eine solche Spiegelung gemacht. 65 Prozent der Patienten mit festgestellten Virusresten im Darm hätten Long-Covid-Symptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit gezeigt. „Und dort, wo keine Virusreste gefunden wurden, gab es auch keine Long-Covid-Symptome“, so Tilg über die wesentlichen Ergebnisse der Studie. Die Long-Covid-Symptome hätten übrigens unabhängig von der vorliegenden Grunderkrankung bestanden. Zudem hätten 90 Prozent der Untersuchten eine milde Corona-Erkrankung durchgemacht. Dies zeige erneut, dass es keinesfalls so sei, dass vor allem bei Menschen mit schwerem Krankheitsverlauf Long Covid die Folge sei.

Auch mit weiteren bemerkenswerten Erkenntnissen zu der Studie, die soeben in der renommierten Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht wurde (https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(22)00450-4/fulltext), wartete Tilg auf: Bei 32 Patienten, also rund 70 Prozent, seien im Schnitt 7,3 Monate nach der Corona-Infektion noch Virusbestandteile oder Virusreste in der Dünn- oder Dickdarmschleimhaut gefunden worden, in über 50 Prozent noch das Virus-Eiweiß. Überdies seien auch Blutuntersuchungen gemacht worden, um die Antikörperantwort gegen das Virus zu messen. „Die Patienten, bei denen am meisten Viren im Gewebe gefunden wurden, haben weniger Antikörper“, veranschaulichte der Internist.

„All das ist noch kein Beweis, aber ein starker Hinweis darauf, dass der Körper offenbar ein Problem hat, diese Virusbestandteile endgültig zu eliminieren“, betonte der Mediziner. Woran das genau liege und wie man die Bestandteile komplett ausradieren könne, darauf habe die Medizin bis dato noch keine Antwort. Es gebe übrigens auch andere Viruserkrankungen, wo Ähnliches vermutet wird, aber diese seien wesentlich seltener, so Tilg.

Insgesamt sei es naheliegend gewesen, eine solche „Patientengruppe“ für die Studie heranzuziehen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen bzw. das Instrument der Magen-Darm-Spiegelung seien dafür quasi prädestiniert, da eine solche Untersuchung bei diesen PatientInnen wiederholt notwendig ist. Jedenfalls könne man nicht in jeden anderen Organbereich so leicht – und mit verhältnismäßigem, zu rechtfertigendem Aufwand – „hinein“. Es gebe keinen Beweis dafür, sei aber ebenfalls naheliegend, dass solche Virusreste auch in anderen Organen wie etwa Lunge, Niere oder Leber vorhanden sein können, betonte Tilg. (APA)

Paxlovid kann Infektionsübertragung nicht verhindern

Einer vom Pharmakonzern Pfizer in Auftrag gegebenen Studie zufolge kann das Covid-19-Medikament Paxlovid des Unternehmens Infektionsübertragungen nicht verhindern. „Wir sind zwar enttäuscht über das Ergebnis dieser speziellen Studie, aber diese Ergebnisse haben keinen Einfluss auf die starken Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten, die wir in unserer früheren Studie zur Behandlung von Covid-19-Patienten beobachtet haben“, sagte Albert Bourla, Geschäftsführer von Pfizer.

Wie das Unternehmen mitteilte, stimmen die Sicherheitsdaten der Studie stimmten mit früheren Studien überein, die gezeigt hatten, dass die Tabletten bei Covid-Patienten mit hohem Risiko für eine schwere Erkrankung eine Krankenhauseinweisung oder den Tod zu fast 90 Prozent verhindern. (APA/ag)

Experten erwarten Abflachung der epidemiologischen Kurve

Die aktuelle Schätzung des Covid-Prognose-Konsortiums geht weiterhin von einem allmählichen Übergang in eine konstante Fallentwicklung aus. Zwar gehen die Experten von einer Abflachung der epidemiologischen Kurve aus, allerdings wird ein Sinken der Infektionszahlen auf die Niveaus der Sommer 2020 oder 2021 nicht zu erwarten sein: Dämpfenden saisonalen Effekten steht die fortschreitende Abnahme des erworbenen Immunschutzes entgegen, heißt es im Mittwochs-Update (4. Mai).

Zudem habe sich auch die vollständige Wirkung der Lockerungen vom 16. April entfaltet. Aufgrund dieser Entwicklungen werde der Fallzahlenrückgang mittelfristig enden. Die neuen, in Südafrika bereits dominanten Omikron-Varianten BA.4/BA.5 wurden in Österreich sporadisch detektiert. Gemäß internationaler Beobachtungsdaten dürften diese Varianten über einen Wachstumsvorteil gegenüber den Vorläufer-Varianten BA.1/BA.2/BA.3 verfügen. In Österreich sind die neuen Typen jedoch noch nicht in einer ausreichenden Anzahl nachgewiesen worden, um für die vorliegende Prognose relevant zu sein. Ihre Virulenz wurde noch nicht abschließend beurteilt, jedoch gelten sie gemäß EU-Gesundheitsagentur ECDC nicht als besorgniserregende Varianten.

Der Rückgang der Fallzahlen der letzten Wochen übersetzt sich nach wie vor in einen abnehmenden Spitalsbelag. Dieser lag am Mittwoch bei 1.028 Covid-Patienten auf Normal- und 83 auf Intensivstationen (ICU). Deren Anzahl sollte in der kommenden Woche im Normalpflegebereich auf 681 bis 942, im ICU-Bereich auf 55 bis 76 zurückgehen und sich in der darauffolgenden Woche (18. Mai) auf den Normalstationen zwischen 477 und 843 und im ICU-Bereich zwischen 40 und 66 einpendeln. Bei idealem Verlauf könnte es somit kommende Woche insgesamt weniger als 1.000 hospitalisierte Covid-Patienten geben.

Das Gremium rechnet am kommenden Mittwoch (11. Mai) mit 3.724 bis 6.131 Neuinfektionen binnen 24 Stunden in Österreich, der Punktschätzer liegt bei 4.647. Das bedeutet, dass eine Sieben-Tage-Inzidenz im Bereich von 290 bis 480 Fällen je 100.000 Einwohner (68%iges Konfidenzintervall) erwartet wird. Als Mittelwert kann ein Punktschätzer von 360 angegeben werden. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5 Prozent ist auch eine 7-Tages-Inzidenz von über 630 oder unter 210 möglich. Die geringste Inzidenz wird in Vorarlberg (68%iges KI: 180–300) und die höchste Inzidenz in Wien (68%iges KI: 410–680) erwartet. (APA)

Corona-Pandemie verschlechterte Müttergesundheit weltweit

Die Corona-Pandemie hat die Situation für Mütter weltweit verschlechtert. Täglich sterben bis zu 800 Frauen an Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt. Besonders im globalen Süden zeigten sich Schwächen in den Gesundheitssystemen, etwa bei der Schwangerschaftsvorsorge. Dabei wäre es mit geringem Aufwand möglich, die Situation vieler Mütter deutlich zu verbessern, hieß es am Mittwoch, 4.5., bei einem Pressegespräch mit Experten, organisiert von der Plattform Mutternacht.

Etwa 300.000 Frauen sterben jedes Jahr weltweit während oder nach der Geburt „einen stillen Tod, über den kaum berichtet wird“, sagte Nationalratsabgeordnete Petra Bayr (SPÖ), Gründerin der Plattform Mutternacht, die es sich zum Ziel gemacht hat, auf diesem Missstand aufmerksam zu machen. Die Corona-Pandemie habe die Zahlen noch einmal in die Höhe schnellen lassen. „Weil Frauen, vor allem in ärmeren Ländern des globalen Südens, keinen oder nur eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem haben, viele Spitäler im Lockdown waren und Frauen auch Bedenken hatten, Krankenhäuser aufzusuchen“ – um nicht dem Stigma, sich mit Corona infiziert zu haben, ausgesetzt zu sein, erklärte Bayr.

Ganz konkrete Hilfe bietet in diesen ärmeren Regionen der Welt etwa der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), der in mehreren Programmen Hebammen ausbildet. „Sie spielen gemeinsam mit Ärzten eine wichtige Rolle bei der Reduktion von Sterbefällen – vor, während und nach der Geburt“, sagte Willibald Zeck, Koordinator des globalen Mutter- und Neugeborenenprogrammes der UNFPA. „Sie haben aber oft einen schlechten Stand, werden manchmal sogar eher wie Putzfrauen behandelt“, sagte der Experte. Diese Frauen müssten aber in ihrer Rolle bestärkt werden.

Hebammen könnten mit ihrem Fachwissen nicht nur helfen die Zahl der Sterbefälle bei Geburten zu reduzieren, sondern auch den Gesundheitszustand von Mutter und Kind ganz allgemein zu verbessern. „Auch wenn Frau und Kind überleben, geht es darum, wie gut es ihnen geht. Wenn die Mutter krank ist, betrifft das auch das Baby. Covid hat damit auch auf Babys indirekt eine Auswirkung“, sagte Zeck. Einen positiven Nebeneffekt hatte die Pandemie laut dem Experten aber auch: Die Telemedizin hat sich massiv verbessert, sogar in ärmeren Regionen. Die bessere Vernetzung hilft enorm bei der Ausbildung von Hebammen: „Wir setzen da in Zukunft darauf. Geburtshilfe kann man natürlich nicht ferngesteuert lernen, aber die Theorie sehr wohl“, zeigte sich Zeck optimistisch.

In Österreich sei Müttersterblichkeit zwar kein großes Thema mehr, eine Corona-Infektion habe aber schwere Folgen für Schwangere – und das sei vielen Müttern nicht bewusst, sagte Mirijam Hall, Ärztin an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinik Ottakring in Wien. „Von 200 mit Covid infizierten Frauen ist eine verstorben, sonst liegt die Sterblichkeit in Österreich im Promillebereich“, gab sie zu bedenken. Alle schweren Verläufe auf ihrer Station hätten ungeimpfte Mütter betroffen. „Die Impfung bietet Schutz und man sollte sich vor oder auch während einer Schwangerschaft impfen lassen“, richtete Hall einen Appell an zukünftige Mütter. (APA)

LOGIN