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Helfen Übungen und Medikamente gegen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden in der Hausarztpraxis. Die Ursachen sind vielfältig: etwa Fehlhaltungen, schwache Rumpfmuskulatur, verspannte Muskeln, überlastete Gelenke oder Depressivität und negativer Stress. Meist sind Rückenschmerzen unspezifisch; es liegt also keine erkennbare Ursache vor, wie ein Bandscheibenvorfall oder ein Tumor.

Das Problem

Unspezifische Rückenschmerzen verschwinden bei etwa jedem Dritten nach drei Monaten. Doch beim Großteil werden sie chronisch oder treten zumindest episodisch auf. Bewegung gilt als optimales Gegenmittel. Doch welche Bewegungsübungen können am besten helfen? Und welche Rolle spielen Medikamente im Kampf gegen unspezifische Rückenschmerzen? Das unabhängige Forschungsnetzwerk Cochrane* hat die vorhandene Evidenz dazu zusammengefasst.

Die Evidenz

Bewegungsübungen bei akuten und subakuten Rückenschmerzen:

Für Rückenschulen mit Beratung und Übungen ließ die Evidenz keine klaren Schlüsse über die Wirksamkeit bei akuten und subakuten Rückenschmerzen zu. Der Grund: geringe Fallzahlen und schlechte Studienqualität.

Bewegungsübungen bei chronischen Rückenschmerzen:

Pilates zeigte im Vergleich zu einer Minimalbehandlung (Beibehaltung gewöhnlicher Aktivitäten oder Einnahme von Medikamenten) kurz- und mittelfristig positive Effekte auf Schmerzen und Aktivitätseinschränkungen. Im Vergleich zu anderen Bewegungsformen war Pilates nicht wirksamer.

Yoga wirkte sich im Vergleich zu keinen Übungen positiv auf die Funktionsfähigkeit des Rückens aus. Diese Wirkung war jedoch nach zwölf Monaten klinisch nicht mehr bedeutsam. In Bezug auf Schmerzen gab es keinen klaren Unterschied. Yoga zusätzlich zu Rückenübungen erzielte keine besseren Effekte als Rückenübungen alleine.

Übungen zur Bewegungskontrolle, „Motor Control Exercises“, sollen jene Muskeln verbessern, die die Wirbelsäule kontrollieren und stützen. Die Übungen waren kurz-, mittel- und längerfristig wirksamer als eine Minimalbehandlung in Bezug auf Schmerzen, Funktionsfähigkeit und die subjektive Verbesserung der Beschwerden. Motor Control Exercises sind ähnlich wirksam wie andere Bewegungsübungen. Die Auswahl der Übungsart sollte daher auf Vorlieben der Patienten und/oder Therapeuten sowie deren Ausbildung, Sicherheit (Unbedenklichkeit) und Kosten basieren.

Medikamente nur als Ergänzung

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Insgesamt haben NSAR bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen wohl eine schmerzlindernde Wirkung; dieser Effekt ist aber so minimal, dass er meist nicht spürbar sein dürfte. Diverse NSARs zeigten keine wesentlichen Wirkunterschiede. Ein Vergleich ergab, dass sich körperliche Einschränkungen durch Übungen stärker verbessern als durch NSAR.

Paracetamol: Bei akuten Kreuzschmerzen spricht das Ergebnis gegen einen Einsatz von Paracetamol. Der Wirkstoff schneidet nicht besser ab als ein Placebo in Bezug auf Schmerzintensität, krankheitsbedingte Beeinträchtigungen oder Lebensqualität. Unklar bleibt, ob Paracetamol bei chronischen Kreuzschmerzen helfen kann. Hierzu konnte das Autorenteam keine einzige Studie identifizieren.

Rückenschmerz im deutschsprachigen Cochrane-Blog – Details und weitere Ergebnisse sowie Links zu den Reviews finden Sie in der Serie „Wenn der Rücken schmerzt“: wissenwaswirkt.org/wenn-der-ruecken-schmerzt-eine-wissen-was-wirkt-serie

* Cochrane Österreich ist die nationale Vertretung des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane, zu dem sich Gesundheitsfachleute aus über 130 Ländern zusammengeschlossen haben, um zuverlässige und unabhängige Evidenzsynthesen bereitzustellen. Cochrane Österreich wird vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds gefördert.
Mehr Infos und Newsletter: www.cochrane.at

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