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Nicht nur Ärzte fehlen: Mangel an medizinisch-technischen Kräften

Bei den sieben MTD-Berufen Biomedizinischer Analytik, Diätologie, Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, sowie Radiologietechnologie tut sich bald eine Lücke auf, welche die Gesundheitsversorgung gefährden kann, so die "younion" (Daseinsgewerkschaft), Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD-Austria) und Arbeiterkammer Wien auf einer heutigen Pressekonferenz.

Die Arbeiterkammer Wien hat gemeinsam mit dem Fachausschuss der Gesundheitsberufe eine Studie zum Personalbedarf der sieben MTD-Berufe in Auftrag gegeben. Das sind die Fachkräfte für Biomedizinische Analytik, Diätologie, Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Orthoptik sowie Radiologietechnologie.

Ein Hauptergebnis: Bereits 2020 würde man allein in den Krankenanstalten ein Personalplus bei den MTD-Berufen von drei Prozent bzw. 364 Personen mehr benötigen, um das personelle Niveau des Jahres 2017 halten zu können. 2025 liegt der Mehrbedarf in den Krankenhäusern bereits bei plus neun Prozent bzw. 950 zusätzlichen Mitarbeiten in den MTD-Berufen - und 2030 sollten es plus 15 Prozent oder 1.545 zusätzliche Personen sein.

Doch die Situation bzw. die Zukunftsaussichten dürften in der Realität noch kritischer sein. In den Zahlen seien nämlich viele wichtige Faktoren noch gar nicht eingerechnet: der Ersatz für die Mitarbeiter, die in den nächsten Jahren in Pension gehen werden, Veränderungen der Erwartungen an die Versorgungsangebote, Entwicklung der Teilzeitquote und anderes mehr, hieß es bei der Pressekonferenz.

Auch der Nachwuchs fehlt

Im Durchschnitt sei allerdings seit 2011 eine wachsende Anzahl von Studierenden und Absolventen pro Jahr in den meisten MTD-Sparten zu beobachten, auch wenn es zwischen den einzelnen Jahren Schwankungen gibt. Im Wintersemester 2011/12 belegten 3.285 Personen einen FH-Studienplatz in einer der MTD-Sparten, im Wintersemester 2017/18 waren es 3.950 Studierende.

In den Studiengängen zeige sich ein sehr hoher Frauenanteil von 90 Prozent und mehr. Lediglich in der Radiologietechnologie und der Physiotherapie liegt der Männeranteil bei rund einem Viertel. Das Interesse an den sieben MTD-Berufen sei freilich sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während es in der Physiotherapie im Wintersemester ein Verhältnis von 17,6 Bewerbern pro Anfänger gab, lag dieses Verhältnis in der Radiologietechnologie bei lediglich 3,2 Bewerbern pro Studienplatz.

Daran zeige sich, dass die beiden analytischen MTD-Berufe, die Radiologietechnologie und die Biomedizinische Analytik, besondere Aufmerksamkeit benötigten, weil ohne sie kein Krankenhaus und keine sinnvolle medizinische Diagnostik aufrechterhalten werde könne. Die Anzahl der Bewerber pro Studienplatz und auch jene der Absolventen liegt unter jener in anderen Sparten. Radiologietechnologen sind laut einer Umfrage im Kreis der MTD-Berufe am unzufriedensten mit ihrer Arbeitssituation.

Es müssten daher Maßnahmen gesetzt werden, um die Personalsituation bei den MTD-Berufen zu verbessern. So sollten FH-Studiengebühren abgeschafft werden, Selbsterhalterstipendien über das 35. Lebensjahr hinaus gewährt werden. Schließlich sollte es bereits in den höheren Schulen (auch besonders für Männer) Werbemaßnahmen für die Berufe geben.

Quelle

APAMED vom 28.06.2019 Rubrik: Gesundheit & Politik

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