Home / Pharmakologie / Kampf dem Krampf
Beratungs-Check

Kampf dem Krampf

FOTO: GETTYIMAGES/NIC01AY, CHOMBOSAN

Menstruationsbeschwerden machen Betroffenen das Leben schwer. Beratung zur Selbstmedikation. (Pharmaceutical Tribune 04/2018)

1 Definition/Ursachen

1.1 Definition

Unter einer Dysmenorrhoe versteht man Schmerzen rund um die Menstruation.

1.2 Symptome

Typisch sind krampfartige Unterleibsschmerzen, die in den Rücken oder die Beine ausstrahlen können. Selten kommen auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Kopfschmerzen dazu. Zumeist setzen die Beschwerden zu Beginn der Blutung oder kurz davor ein, sind am ersten Tag der Menstruation am ausgeprägtesten und verschwinden nach 2–3 Tagen wieder. Die Beschwerden bessern sich häufig nach einer Schwangerschaft oder verschwinden sogar ganz.

1.3 Ursache

Als Hauptursache für dysmenorrhoische Schmerzen gilt eine übermäßige Produktion von Prostaglandinen und anderen Entzündungsmediatoren in der Gebärmutterwand und Gebärmutterschleimhaut, insbesondere Prostaglandin F2α. Dies führt zu starken Uteruskontraktionen, Vasokonstriktion und ischämischen Schmerzen.

1.4 Arten der Dysmenorrhoe

  • Der primären Dysmenorrhoe liegen keine organischen Veränderungen zugrunde. Sie beginnt meist schon innerhalb eines Jahres nach der ersten Regelblutung. Krampfartige Schmerzen treten kurz vor und in den ersten Tagen der Periode auf. Die Beschwerden sind bei jedem Zyklus gleichartig.
  • Die sekundäre Dysmenorrhoe hingegen beruht auf organischen Veränderungen. Sie tritt meist erst nach dem 25. Lebensjahr auf. Es kommt zu schmerzhaften Monatsblutungen, obwohl die Frau vorher beschwerdefrei war. Die Beschwerden verschlimmern sich im Verlauf von Wochen und Monaten. Ursachen für die sekundäre Dysmenorrhoe sind z.B. Endometriose (häufig), Myome, entzündliche Genitalerkrankungen, ovarielle Zysten oder Tumoren sowie das Tragen einer Spirale.

1.5 Weitere Diagnosen

Abzugrenzen ist die Dysmenorrhoe vom Prämenstruellen Syndrom (PMS), das bereits einige Tage bis 2 Wochen vor der Menstruation beginnen kann und eine Reihe anderer Beschwerden wie Ödeme, Stimmungsschwankungen, Mastodynie etc. mit einschließt.

2 Wann zum Arzt?

  • Bei neu aufgetretenen Beschwerden bei Frauen, die zuvor keine Menstruationsbeschwerden hatten (Verdacht auf sekundäre Dysmenorrhoe, hier muss die Abklärung und Behandlung der organischen Ursache erfolgen).
  • Bei Beschwerden, die mit auffälligen Veränderungen der gewohnten Blutungsmodalitäten (Dauer, Stärke, Zyklusdauer) einhergehen.
  • Wenn die Beschwerden länger als 72 Stunden anhalten.
  • Wenn Schmerzen außerhalb der Menstruation oder Zwischenblutungen bestehen.
  • Bei sehr stark ausgeprägten Schmerzen.
  • Bei außergewöhnlichen Beschwerden nach Einnahme der „Pille danach“ im selben Zyklus (Verdacht auf Eileiterschwangerschaft).
  • Jugendliche unter 15 Jahren.
  • Fieber sowie stärkerer nicht-blutiger vaginaler Ausfluss gehören nicht zur Dysmenorrhoe.

3 Selbstmedikation

  • NSAR: senken die übermäßige Prostaglandinproduktion und wirken daher sehr gut bei Menstruationsschmerzen. Als Mittel der Wahl gilt Ibuprofen (z.B. Nurofen ®), ebenfalls wirksam ist Naproxen (Aleve®). Ibuprofen zeigte in Studien eine überlegene Wirkung gegenüber Paracetamol. Die Anwendung von ASS ist wegen einer möglichen Blutungsverstärkung nicht üblich. Die Abgabe erfolgt unter der üblichen Beachtung von Kontraindikationen, Wechselwirkungen und Beratung zu Maximaldosen. Ratsam ist es, die Schmerzmittel möglichst früh bei Eintritt der Beschwerden einzunehmen.
  • Spasmolytika: N-Butylscopolamin (Buscopan®) wird gern zusätzlich zu NSAR angewendet (Wichtig: Die Zulassung des Präparates lautet auf „Krämpfe des Magen-Darm-Traktes“).
  • Magnesium: Der Mineralstoff wirkt über eine Verminderung der neuromuskulären Erregbarkeit entspannend auf die glatte Muskulatur, Anwendung von 300 mg Magnesium täglich (mindestens in der 2. Zyklushälfte).
  • Omega-3-Fettsäuren: Die Zufuhr von 1 g Omega-3-Fettsäuren täglich bremst die Produktion schmerz- und krampfauslösender Prostaglandine
  • Mönchspfeffer: Therapieversuch über mehrere Zyklen, insbesondere beim Vorliegen von zusätzlichem PMS. Diskutiert wird eine hormonähnliche Wirkung.

Zusatztipps:

  • Wärme: Die Anwendung von Wärme auf dem Bauch wirkt reflektorisch krampflösend. Infrage kommen warme Bäder, Wärmeflasche, Kirschkernkissen und andere Wärmequellen. Eine praktische und langanhaltende Wärmeauflage für den Berufsund Schulalltag ist Thermacare® für Regelschmerzen.  Das Produkt kann im Slip befestigt werden und erzeugt acht Stunden lang eine konstante Wärme von 40 ° Celsius.
  • Phytotherapie: Teemischungen für die Zeit rund um die Menstruation (z.B. mit Schafgarbe, Gänsefingerkraut,  Frauenmantel, Kümmel, Kamille, Majoran).
  • Homöopathie: Einige Beispiele für Kombinationspräparate: Similasan®  Tropfen bei Periodenbeschwerden, Apozema®  Frauentropfen, Doskar®  Tropfen bei Regelbeschwerden
  • Schüßler-Salze: Mehrmals täglich die „Heiße Sieben“ einnehmen.
  • Sport: Regelmäßige sportliche Aktivität (Ausdauersport) kann sich positiv auswirken.
  • Ernährung: Reduktion von Fleisch, stärkere Berücksichtigung  von Gemüse, basenreiche und histaminarme Kost.
  • Rauchstopp: Rauchende Frauen sind häufiger von Dysmenorrhoe betroffen.
  • Akupunktur
  • Entspannungsmethoden 
  • Orale Kontrazeptiva: Wenn kein Kinderwunsch besteht, können bei entsprechend starken Beschwerden vom Arzt orale Kontrazeptiva verordnet werden (auch ohne Verhütungsbedarf ).
  • Regelmäßige gynäkologische Untersuchung  
LOGIN