28. Juli 2016

Neue Antibiotika-Klasse Lugdunin entdeckt

Das bei manchen Menschen in nasalen Epithelzellen vorkommende Bakterium Staphylococcus lugdunensis produziert deutschen Forschern zufolge den bislang unbekannten antibiotischen Wirkstoff Lugdunin.

Grafik: Prof. Dr. Andreas Peschel
Schema zur Funktionsweise von „Lugdunin“: Auf den nasalen Epithelzellen (rosa) lebt natürlicherweise das Bakterium Staphylococcus lugdunensis (kleine weiße Doppelzellen), das Staphylococcus aureus (gelbe Doppelzellen) durch Bildung von „Lugdunin“ abtötet.

 

Ein neu entdecktes Antibiotikum schürt laut einer im Fachmagazin Nature am 27. Juli publizierten Studie Hoffnung im Kampf gegen Infektionen mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA): Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) entdeckten nämlich, dass Staphylococcus aureus nur selten zu finden ist, wenn humane nasale Epithelzellen mit Staphylococcus lugdunensis besiedelt sind. Die Forscher gehen nun davon aus, dass Staphylococcus lugdunensis den bislang unbekannten antibiotischen Wirkstoff “Lugdunin” herstellt. Im Tierversuch gelang es, mit dem Wirkstoff multiresistente Erreger zu bekämpfen.

“Normalerweise werden Antibiotika nur von Bodenbakterien und Pilzen gebildet. Dass auch die menschliche Mikroflora eine Quelle für antimikrobielle Wirkstoffe sein kann, ist eine neue Erkenntnis.” Prof. Andreas Peschel

Da Lugdunin aus einer bisher unbekannten Ringstruktur von Aminosäurebausteinen besteht, begründet es Forschern vom Tübinger Institut für Organische Chemie zufolge eine neue Stoffklasse.

Alexander Zipperer, Martin C. Konnerth, Claudia Laux, Anne Berscheid, Daniela Janek, Christopher Weidenmaier, Marc Burian, Nadine A. Schilling, Christoph Slavetinsky, Matthias Marschal, Matthias Willmann, Hubert Kalbacher, Birgit Schittek, Heike Brötz-Oesterhelt, Stephanie Grond, Andreas Peschel, Bernhard Krismer
Human commensals producing a novel antibiotic impair pathogen colonization.
Nature, Published online 27 July 2016 doi:10.1038/nature18634

Quelle: Universität Tübingen