PCOS erhöht Herz-Kreislauf-Risiko – nicht nur bei Übergewicht
Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) haben ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das gilt selbst für normalgewichtige Frauen ohne Diabetes, wie eine große skandinavische Registerstudie zeigt.

PCOS ist mit einer geschätzten Prävalenz von 10 bis 13 Prozent die häufigste endokrine Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Insulinresistenz und eine leichte Entzündung treiben die Erkrankung maßgeblich voran. Deshalb geht PCOS oft mit einem hohen Risiko für Stoffwechselerkrankungen einher. Frauen mit PCOS entwickeln bis zu dreimal häufiger Typ-2-Diabetes. Besonders gefährdet sind Patientinnen mit einem BMI ab 30. Sie entwickeln schon im frühen Erwachsenenalter weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren. Dazu gehören etwa Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck.
Doch nicht alle Frauen mit PCOS sind übergewichtig. Schätzungen zufolge haben rund 25 Prozent der Betroffenen einen BMI unter 25. Normalgewicht senkt zwar das Risiko für Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen, doch auch bei normalgewichtigen PCOS-Patientinnen liegt die Häufigkeit von Bluthochdruck über dem Durchschnitt.
Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig von BMI und Diabetes erhöht
Ein Forscherteam um die Endokrinologin Prof. Dr. Dorte Glintborg, University Hospital in Odense, Dänemark, untersuchte deshalb, wie hoch das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen mit PCOS generell ist. Dabei untersuchten sie auch, wie stark BMI und Diabetes das Risiko beeinflussen. In die prospektive Registerstudie nahmen die Forschenden 127.517 Frauen mit PCOS und 587.810 altersgleiche Kontrollen aus Dänemark, Finnland und Schweden auf. Die Nachbeobachtungszeit betrug acht bis zehn Jahre. Das mittlere Alter der Frauen zu Beginn lag bei 28 bis 29 Jahren.
Der primäre Endpunkt umfasste Herz-Kreislauf-Erkrankungen, definiert durch ICD-10-Codes für schwere kardiale Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche oder kardiovaskulären Tod sowie Lungenembolie und tiefe Venenthrombose. Frauen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen schlossen die Forschenden aus.
In allen drei Ländern zeigte sich bei Frauen mit PCOS ein deutlich höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als bei den Kontrollen. Die nicht angepassten Hazard Ratios für Herz-Kreislauf-Erkrankungen lagen bei 1,30 in Dänemark, 1,45 in Finnland und 1,52 in Schweden. Auch nach Berücksichtigung von Störfaktoren wie BMI, Typ-2-Diabetes und Bildungsgrad blieb das Risiko signifikant erhöht (HR 1,21 in Dänemark, 1,39 in Finnland und 1,24 in Schweden). Eine Metaanalyse aller drei Länder ergab eine nicht angepasste Hazard Ratio von 1,42 und eine angepasste von 1,27.Ein zentrales Ergebnis der Studie: Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko lässt sich nicht allein durch Übergewicht oder Typ-2-Diabetes erklären. Selbst bei Frauen ohne Diabetes und mit einem BMI unter 25 blieb das Risiko signifikant erhöht (angepasste HR 1,40).
Erhebliches Risiko schon vor Menopause
Je nach Land waren 38 bis 49 Prozent der PCOS-Patientinnen mit kardiovaskulären Ereignissen normalgewichtig. Die meisten Ereignisse traten vor dem 50. Lebensjahr auf – ein Hinweis auf ein erhebliches Risiko schon im prämenopausalen Alter.
Diese große populationsbasierte Kohortenstudie zeigt, dass PCOS unabhängig von klassischen Risikofaktoren das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, kardiovaskuläre Risiken bei Frauen mit PCOS früh zu erkennen und zu verhindern. Das gilt auch bei normalem Körpergewicht, so das Fazit der Forschenden.
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Glintborg D et al. Increased prospective cardiovascular disease risk in 127 517 Nordic women with polycystic ovary syndrome: a national cohort study. Eur J Endocrinol 2026; 194(1): 58–68; doi: 10.1093/ejendo/lvaf266
