9. Juli 2026Medizinische Universität Graz

Molekulare Diagnostik bei Pilzinfektionen

Forscher*innen der Med Uni Graz wollen den Nachweis lebensbedrohlicher Pilzinfektionen optimieren.

prattes-juergen-sissi-furgler-mantel
Sissi Furgler Fotografie
Priv.-Doz. Dr. med. univ. Dr. scient. med. Jürgen Prattes, Facharzt für innere Medizin und Infektiologie an der Medizinischen Universität Graz.

Pilze sind allgegenwärtig und für den Menschen meist harmlos. In der Medizin zeigt sich jedoch ihre gefährliche Seite: Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem – etwa nach Organtransplantationen, bei Krebserkrankungen, schlecht eingestelltem Diabetes oder auf Intensivstationen – können sie schwere, teils lebensbedrohliche Infektionen verursachen.

Besonders gefürchtet ist die Mucormykose, eine durch Schimmelpilze der Gruppe der Mucorales ausgelöste Infektion. Sie kann innerhalb kurzer Zeit Gewebe und Blutgefäße zerstören. Eine der größten Herausforderungen ist ihre Diagnose: Die Symptome sind unspezifisch, bildgebende Verfahren oft nicht eindeutig und klassische mikrobiologische Methoden liefern häufig zu spät oder gar keine verwertbaren Ergebnisse.

„Viele dieser Infektionen werden leider erst spät erkannt oder übersehen“, sagt der Internist und Infektiologe Jürgen Prattes von der Medizinischen Universität Graz. „Gerade bei Pilzinfektionen bedeutet Zeit Überleben.“

Zudem mehren sich Hinweise, dass Koinfektionen häufiger sind als bislang angenommen. Besonders die Kombination aus Aspergillus und Mucorales erschwert die Therapie und bleibt mit herkömmlichen Verfahren oft unerkannt.

Vor diesem Hintergrund gewinnen molekulare Verfahren wie die PCR-Diagnostik an Bedeutung. Sie weist Pilz-DNA direkt nach und ermöglicht einen schnelleren und empfindlicheren Erregernachweis. Genau daran forscht ein Team der Medizinischen Universität Graz um Jürgen Prattes, Martin Hoenigl und Sarah Sedik.

In einer Kohortenstudie mit mehr als 1.400 bronchoalveolären Lavageproben von über 1.300 Risikopatientinnen und -patienten zeigte der PCR-Test eine Spezifität von nahezu 99 % und erkannte alle klinisch bestätigten Mucormykosen. Gleichzeitig identifizierte er zusätzliche Infektionen, die mit konventionellen Methoden unentdeckt geblieben waren. „Ein negatives PCR-Ergebnis schließt eine Mucormykose mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus“, so Prattes.

Besonders häufig fand das Team bislang unerkannte Mucorales-Infektionen bei Patientinnen und Patienten mit invasiver Aspergillose. „Ohne PCR würden viele dieser Mischinfektionen potenziell unentdeckt bleiben“, erklärt Martin Hoenigl. Das ist therapeutisch entscheidend, da nicht alle Antimykotika gegen beide Erregergruppen wirksam sind.

Diese Ergebnisse wurden durch eine internationale multizentrische Studie bestätigt. Dort erreichte die PCR eine Sensitivität von über 94 % und identifizierte zahlreiche zusätzliche Mucormykosen in Gewebe- und Lavageproben, die in der Routinediagnostik übersehen worden waren.

Auch Blutproben erwiesen sich als vielversprechend: Selbst wenn klassische Verfahren keine Hinweise lieferten, konnte die PCR Mucorales-DNA nachweisen. „Gerade bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten, bei denen invasive Eingriffe schwierig sind, kann ein Bluttest entscheidende Hinweise liefern“, sagt Sarah Sedik.

Insgesamt zeigen die Studien, dass die PCR-Diagnostik Infektionen früher und zuverlässiger erkennt als herkömmliche Verfahren und damit das Potenzial hat, die Diagnostik invasiver Pilzinfektionen grundlegend zu verbessern. Ziel der Grazer Forschungsgruppe ist es, diese Methoden in die klinische Routine zu überführen, um Betroffene schneller der richtigen Therapie zuzuführen und ihre Prognose nachhaltig zu verbessern.

Publikationen

Prattes J, Dichtl K, Sedik S, Glatz U, Egger M, Wölfler A, Zajic P, Kessler HH, Hoenigl M. Diagnostic accuracy of Mucorales PCR testing in bronchoalveolar lavage fluid samples: a retrospective analysis of a prospectively collected cohort. Clin Microbiol Infect. 2026 Jun;32(6):991-997. doi: 10.1016/j.cmi.2026.01.017. Epub 2026 Jan 27. PMID: 41610953.

Sedik S, Aerts R, Lagrou K, Vanbiervliet Y, Maertens JA, White PL, Posso RB, Schelenz S, Abdolrasouli A, Buil JB, Dichtl K, Kessler HH, Prattes J, Hoenigl M. Mucorales PCR Testing in Respiratory and Biopsy Samples From Immunocompromised Patients With Invasive Pulmonary Aspergillosis and Other Mold Infections: Results From a Multicenter ECMM Study. Open Forum Infect Dis. 2025 Dec 30;13(1):ofaf801. doi: 10.1093/ofid/ofaf801. PMID: 41536611; PMCID: PMC12798720.

Steckbrief Jürgen Prattes

Priv.-Doz. Dr. med. univ. Dr. scient. med. Jürgen Prattes ist Facharzt für innere Medizin und Infektiologie an der Medizinischen Universität Graz. An der Klinischen Abteilung für Infektiologie forscht er zu invasiven Pilzinfektionen, innovativen diagnostischen Verfahren sowie zur Optimierung der Behandlung von Patient*innen mit schweren Infektionskrankheiten. Ziel seiner Forschung sind die Entwicklung und Implementierung evidenzbasierter diagnostischer und therapeutischer Konzepte zur frühzeitigen Erkennung und gezielten Behandlung invasiver Mykosen, um die Prognose und das Behandlungsergebnis betroffener Patient*innen nachhaltig zu verbessern.